# taz.de -- Klimawandel und Extremwetter: Stürme in Südeuropa und Nordafrika
       
       > Regenfälle haben diesen Winter Teile Spaniens, Portugals und Marokkos
       > verwüstet. Eine neue Studie macht deutlich, was der Klimawandel damit zu
       > tun hat.
       
 (IMG) Bild: Die Überschwemmungen, hier Anfang Februar nahe dem Fluss Sebou in Marokko, gefährden Infrastruktur – und Ernten
       
       Es waren keine Wetterkapriolen, die diesen Winter für starke Regenfälle und
       Überschwemmungen in Südeuropa und in Nordafrika sorgten. Es ist vielmehr
       die neue Wirklichkeit. „Die regenreichsten Tage sind heute etwa ein Drittel
       nasser als vor der Erwärmung des Planeten um 1,3 Grad Celsius“, lautet das
       Ergebnis [1][einer Studie der World Weather Attribution (WWA)], einer
       Initiative, die sich mit Extremwetterereignissen wie Hitzewellen, Dürren
       und Stürme befasst.
       
       „Der vom Menschen verursachte Klimawandel hat die Intensität der
       sintflutartigen Regenfälle verstärkt, die zu großflächigen Überschwemmungen
       im westlichen Mittelmeerraum führten“, schlussfolgert die 2015 gegründete
       Initiative der renommierten Klimatologen Geert Jan van Oldenborgh und
       Friederike Otto. Unter anderem das Imperial College London, das Koninklijk
       Nederlands Meteorologisch Instituut, das französische Laboratoire des
       sciences du climat et de l’environnement und das Red Cross Red Crescent
       Climate Centre gehören zur WWA.
       
       Die Forscher untersuchten in ihrer neuesten Arbeit die ungewöhnlich hohe
       Anzahl aufeinanderfolgender Sturmtiefs mit orkanartigen Winden und
       Niederschlagsmengen, wie sie nie zuvor gesehen wurden. Mindestens 50
       Menschen verloren bei den Katastrophen, die vor allem Spanien, Portugal und
       Marokko betrafen, ihr Leben.
       
       In Grazalema, einem Ort in Südspanien, fiel innerhalb weniger Tage mehr als
       die gesamte Jahresmenge an Regen. Der Ort musste über eine Woche lang
       komplett geräumt werden. Ähnliches passierte in Nordwestmarokko und in
       Portugal. Im Auftrag der WWA führten Forscher aus Spanien, Portugal,
       Marokko, den Niederlanden, Schweden, Südafrika, der Schweiz, Indien,
       Dänemark, den USA und Großbritannien eine umfassende Analyse durch. Sie
       untersuchten die Wahrscheinlichkeit und Intensität der stärksten Regenfälle
       in zwei Regionen, die die [2][am stärksten betroffenen Gebiete der drei
       Länder Spanien, Portugal und Marokko] umfassten.
       
       ## „Genauso sieht Klimawandel aus“
       
       Das Ergebnis: Die Intensität der eintägigen Regenfälle hat mit dem
       Klimawandel extrem zugenommen – um 36 Prozent in der untersuchten südlichen
       Region, die Südspanien, Südportugal und Nordmarokko umfasste und um 29
       Prozent in der untersuchten nördlichen Region, bestehend aus
       Nordwestspanien und Nordportugal. Dies bedeutet, dass die regenreichsten
       Tage nun etwa ein Drittel feuchter sind als vor der Erwärmung des Planeten
       um 1,3 Grad Celsius. Mittels Klimasimulationen und den aktuellen
       Beobachtungen kamen die Forscher zum Schluss, dass die Niederschlagsmenge
       um etwa 11 Prozent zugenommen hat.
       
       Der Grund: Ein Hochdruckgebiet über Skandinavien und Grönland wirkte als
       physikalische Barriere in der Atmosphäre und lenkte Stürme und Gewitter in
       Richtung Westeuropa und dort weiter in den Süden. Dort wurden die Stürme
       und Gewitter durch sogenannte atmosphärische Flüsse verstärkt, die
       Feuchtigkeit vom Atlantik im Westen der Länder heranführten. Diese Teile
       des Atlantiks sind mittlerweile deutlich wärmer als vor dem Klimawandel. Je
       wärmer die Luft, [3][um so mehr Wasser kann sie aufnehmen].
       
       „Genau so sieht Klimawandel aus“, erklärt Friederike Otto.
       „Wettergeschehen, die bisher gut zu bewältigen waren, entwickeln sich nun
       zu immer gefährlicheren Katastrophen“, sagt die Klimaforscherin, die am
       Zentrum für Umweltpolitik des Imperial College London lehrt und forscht.
       
       Das Risiko für die Bevölkerung nimmt zu. Die vergangenen Wochen in Spanien,
       Portugal und Marokko zeigen, dass extreme Niederschläge zunehmend
       Infrastruktur und Wohnhäuser bedrohen. Außerdem ist mit hohen
       Ernteausfällen zu rechnen. Und die Tourismusbranche leidet ebenfalls unter
       den Extremwetterlagen. Alleine in Spanien werden die Schäden auf über 9
       Milliarden Euro geschätzt.
       
       ## Länder brauchen noch besseres Katastrophenmanagement
       
       „Obwohl die Länder der Region Fortschritte im Katastrophenmanagement
       erzielt haben, besteht Bedarf an einer besseren Abstimmung der nationalen
       und kommunalen Frühwarnsysteme sowie an [4][Investitionen in den Aufbau
       lokaler Kapazitäten]“, heißt es in der WWA-Analyse.
       
       Forscherin Otto mahnt: „Wir haben Mittel und Kenntnisse, um eine
       Verschlimmerung der Lage zu verhindern, aber wir brauchen den Willen, diese
       schneller umzusetzen und unsere gesellschaftlichen Systeme zum Besseren zu
       verändern.“ Jeder Bruchteil eines Grades Erwärmung, das verhindert werden
       könne, sei „es wert, dafür zu kämpfen“, denn sonst würden die Regenfälle
       nur noch schlimmer.
       
       26 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.worldweatherattribution.org/increasingly-severe-rainstorms-pose-growing-risk-for-people-and-structures-build-in-the-floodplains/
 (DIR) [2] /Klimafolgen/!6147744
 (DIR) [3] /Sturmtief-Elli/!6143820
 (DIR) [4] /Klimawandel-hoehlt-Fundament-der-EU-aus/!6154994
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Reiner Wandler
       
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