# taz.de -- Schwarz-roter Klimaschutz: Die Augen-zu-Koalition
> Deutschland verfehlt absehbar seine Klimaziele stärker als gedacht. Das
> weiß die Bundesregierung. Nur scheint es sie nicht zu interessieren.
(IMG) Bild: Windräder drehen sich vor der Kulisse des Braunkohlekraftwerks Schkopau
Es sind Zahlen, bei denen es Umweltminister Carsten Schneider (SPD) flau im
Magen werden dürfte: Die CO2-Emissionen stagnieren, statt zu sinken, und
die Lücke für das Klimaziel 2030 steigt von 25 Millionen auf 30 Millionen
Tonnen CO2.
Schneiders Job ist dadurch noch einmal komplizierter geworden. Er ist für
das Klimaschutzprogramm der Bundesregierung verantwortlich, das laut
Klimaschutzgesetz darlegen muss, wie die Regierung eben dieses 2030er-Ziel
und das nächste Etappenziel 2040 erreichen will. Keine dankbare Aufgabe,
schließlich hat außer ihm noch keine Minister*in erkennen lassen, an
Klimaschutz interessiert zu sein.
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) tut – öffentlich gewordenen
Entwürfen nach zu urteilen – alles dafür, den Ausbau der Erneuerbaren
Energien zu verlangsamen. Und vor wenigen Wochen erst haben sich die
Koalitionsfraktionen darauf geeinigt, die Abhängigkeit von fossilem Öl und
Gas zu verschärfen, indem neue Heizungen doch nicht zu 65 Prozent mit
Erneuerbaren betrieben werden müssen.
All das kommt noch gar nicht vor [1][in der Klimabilanz], wahrscheinlich
steigt die Lücke [2][laut einer Studie des Öko-Instituts] noch einmal um
mindestens 5 Millionen Tonnen CO2. Aber Schneider kündigte an: Grundlage
für sein Klimaschutzprogramm werde die Klimabilanz 2024 sein, weil der
Expert*innenrat der Bundesregierung die aktuelle Bilanz noch nicht
überprüft hat.
Das Programm geht also anscheinend davon aus, eine 25 Millionen Tonnen
große CO2-Lücke schließen zu müssen, dabei sind es voraussichtlich mehr als
35 Millionen Tonnen. Mit anderen Worten: Im Angesicht der von CDU und SPD
herbeigeführten Klimaschutzkrise macht der Klimaschutzminister ganz
absichtlich die Augen zu.
Es muss schwer gewesen sein, seine Kabinettskolleg*innen zu Maßnahmen
zu bewegen, die sich auf 25 Millionen Tonnen CO2-Einsparungen summieren.
Nochmal 10 Millionen Tonnen mögen ein Ding der politischen Unmöglichkeit
für Schneider sein. Aber das bedeutet: Der zentrale Klimaschutzplan der
Bundesregierung, zu dem sie gesetzlich verpflichtet ist, wird schon am Tag
seines Erscheinens überholt sein. Die Regierung Merz weiß das. Und es
kümmert sie nicht.
15 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Deutsche-Klimabilanz/!6162459
(DIR) [2] /Reform-des-Heizungsgesetzes/!6159844
## AUTOREN
(DIR) Jonas Waack
## TAGS
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Schwerpunkt Klimawandel
(DIR) Klimaschutzziele
(DIR) CO2-Emissionen
(DIR) Heizungsgesetz
(DIR) Katherina Reiche
(DIR) klimataz
(DIR) Schwerpunkt Klimawandel
(DIR) Volkswagen
(DIR) Schwerpunkt Klimawandel
(DIR) Wir retten die Welt
(DIR) Ines Schwerdtner
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Bericht der Weltwetterorganisation: „Weltklima im Ausnahmezustand“
Das Weltklima wird zunehmend chaotischer, warnt die Weltwetterbehörde.
Erstmals enthält ihr Jahresbericht Daten zum wachsenden
Energie-Ungleichgewicht.
(DIR) VW, Kernkraft, Weimer: Der Kulturgesinnungswart
Ein Traditionsautohersteller vor dem Abgrund, die Abkehr von Kernkraft als
strategischer Fehler – und eine schwere Zeit für den Kulturstaatsminister.
(DIR) Studie zu Klimaschäden: Klimawandel erhöht die Staatsverschuldung
Die Folgen der Erderwärmung schlagen sich auch wirtschaftlich nieder. Um
Klimaschäden künftig entgegenzuwirken, muss die EU stärker investieren.
(DIR) Gaspreis, Ölpreis, Krise: All diese heimlichen Klimaschützer
Das war’s mit Klimaschutz? Von wegen: Die heimlichen Klimaschützer sind
überall, findet unser Autor.
(DIR) Ines Schwerdtner vs. Katharina Dröge: „Wir kämpfen doch sehr allein“
Linken-Chefin und Grünen-Fraktionsspitze streiten über Klima, Rente,
Ukraine, Palästina. Von oppositioneller Einigkeit wirken sie entfernter
denn je.