# taz.de -- Neuer Kurs der Bundesregierung: Feminismus nicht mehr gewünscht
       
       > Frauenminsterin Karin Prien streicht Geld für den Feministischen
       > Juristinnentag in Hamburg. Ihre Vorgängerinnen hatten ihn jahrzehntelang
       > unterstützt.
       
 (IMG) Bild: Wohl ganz in Sinn des Frauenministeriums: verhüllte Justitia-Statue auf dem Frankfurter Römerberg 2020
       
       Es ist gar nicht mal so viel Geld. Zwischen 25.000 und 30.000 Euro erhielt
       der Verein „Frauen streiten für ihr Recht“, um einmal im Jahr den
       Feministischen Juristinnentag abzuhalten. Doch damit ist jetzt Schluss.
       Pünktlich zum 50. Jubiläum in Hamburg kündigte das Bundesministerium für
       Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) die Förderung auf.
       Wegen erheblichen [1][Spardrucks] sowie „einer geänderten Schwerpunkt- und
       Prioritätensetzung“ im Ministerium werde „von einer Förderung des [2][50.
       Feministischen Juristinnentags] abgesehen“, schrieb die zuständige
       Ministerialdirektorin Katharina Jestaedt an die Vereinsvorsitzende
       [3][Sabine Heinke].
       
       Die ist sehr enttäuscht. „Feminismus scheint bei der Bundesregierung nicht
       so angesagt“, sagt die frühere Bremer Richterin. „Aber der 50.
       Juristinnentag wird wie geplant stattfinden“, sagt sie. „Wir bemühen uns,
       die Kosten zu reduzieren und werben um Spenden“. Allein für die Verpflegung
       von rund 350 Frauen, die sich für die vom 17. bis 19. April in Hamburgs
       Bucerius Law School angesetzte Tagung anmeldeten, benötige man einen
       fünfstelligen Betrag. Ganz wichtig sei die Förderung auch für Ermäßigungen
       der Tagungsgebühr für Studentinnen und Berufsanfängerinnen. Und angesichts
       der Knappheit würden Referentinnen auf ihr Honorar verzichten.
       
       Dabei wurde der Verein, der neben der Tagungsorganisation seit 1983 die
       feministische Rechtszeitschrift Streit herausgibt, eigentlich von der
       Politik immer geschätzt. Erst im vergangenen Jahr verlieh ihm Hessens
       Landesregierung den Elisabeth-Selbert-Preis für jahrzehntelange Förderung
       der Gleichstellung. Und als im Jahr 2020 [4][die AfD eine spöttische
       Anfrage] stellte und wissen wollte, wieso denn hier etwas gefördert wird,
       bei dem keine Männer anwesend sind, verteidigte das Familienministerium die
       Förderung. Der Juristinnentag behandle regelmäßig aktuelle
       gleichstellungspolitische Themen und befördere dadurch den Diskurs. Die
       Ergebnisse dienten stets auch dem Ministerium „als Grundlage für weitere
       Überlegungen“.
       
       Ganz entscheidende Themen seien dies gewesen, schrieb Heinke auf die Absage
       hin ans Ministerium. So gingen etwa viele rechtliche und praktische
       Fortschritte beim Gewaltschutzgesetz auf Anregungen des Juristinnentags
       zurück. Sie hoffe sehr auf eine Überprüfung der Entscheidung, schrieb
       Heinke. Der FJT, wie der Tag abgekürzt heißt, habe das Ministerium immer
       als „Verbündete“ betrachtet.
       
       ## Es geht um Themen, die im Jura-Studium fehlen
       
       „Der FJT ist der Ort, der feministische rechtswissenschaftliche Forschung
       und Praxis miteinander verbindet“, sagt auch die Jura-Professorin
       Dana-Sophia Valentiner von der Hamburger Helmut-Schmidt-Universität (HSU).
       Sie sei seit 15 Jahren dabei und habe schon als Studentin die Tagung
       besucht. „Dort werden Themen behandelt, die jungen Frauen im Jura-Studium
       fehlen, wie Gewaltschutz oder Sexualstrafrecht.“ Und es gebe für sie als
       Wissenschaftlerin dort auch einen wertvollen Austausch mit Praktikerinnen –
       da erfahre sie als Forscherin zum Beispiel, wo es im Familienrecht
       Schutzlücken vor Gewalt gebe.
       
       Doch die Entscheidung scheint zu stehen. „Ich verstehe Ihre Enttäuschung“,
       schrieb Jestaedt als Antwort an Heinke. Doch gerade im Sinne einer
       „modernen Gleichstellungspolitik“ müsse man „klug priorisieren“.
       
       Was damit gemeint ist, ließ die [5][Bundesfamilienministerin Karin Prien]
       (CDU) am Freitag im [6][Hamburger Abendblatt] durchblicken. „Ich hätte
       nichts dagegen, auch Männerministerin zu sein“, sagte sie im Interview. Vor
       40 Jahren sei es richtig gewesen, Frauen in den Namen ihres Ministeriums
       aufzunehmen. Doch heute gehe es „auch um die Sichtbarkeit von Männern und
       ihren besonderen Bedarfslagen“.
       
       Und in der Tat, auf die Frage der taz, ob mit moderner
       Gleichstellungspolitik gemeint sei, dass auch Männer an so einem
       Juristinnentag teilnehmen sollten, antwortet Priens Sprecherin: „Eine
       moderne Gleichstellungspolitik muss auch Männer mit einbeziehen, um zu
       echten Fortschritten zu gelangen.“
       
       ## Auch andere feministische Projekte bedroht
       
       Heinke sieht dagegen noch viel zu tun für eine wirkliche Gleichstellung.
       „Lohnungleichheit, Altersarmut, Gewalt gegen Frauen und unzureichende
       politische Teilhabe bestimmen nach wie vor die Realität für Frauen in
       Deutschland“, sagt sie. Beim FJT gehe es deshalb um alle Formen von
       Diskriminierung, Behinderung und Schädigung, die Frauen und andere
       diskriminierte Gruppen durch patriarchale Strukturen, durch Gewalt in jeder
       Form, durch Sexismus und Rassismus ausgesetzt seien. „Es geht darum, was
       das gegenwärtige Recht dazu beiträgt und was dagegen unternommen werden
       kann“, fasst Heinke zusammen. So heißt Vortrag zum Beispiel
       „Kindschaftsrecht und Gewalt“ oder „Genderneutrales Familienrecht – formale
       Gleichheit und ihre Probleme“.
       
       Der Juristinnentag ist nicht das einzige Opfer. Wie die taz berichtete,
       erhält [7][auch der Verein „ProQuote“], der Frauen in Führungsposition in
       Redaktionen zählt, keine Förderung mehr. „Uns ist bekannt, dass mehrere
       feministische Projekte von einem Förderstopp betroffen sind“, sagt Luke Hoß
       von der Linksfraktion im Bundestag. Seine Fraktion bereite dazu eine
       Anfrage vor. Denn wenn die Familienministerin Projekte kürze, die sich „in
       der männerdominierten Welt für feministische Gerechtigkeit einsetzen“, so
       Hoß, „muss die Öffentlichkeit davon erfahren“.
       
       7 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Rekord-beim-Bundeshaushalt-2026/!6128775
 (DIR) [2] https://www.feministischer-juristinnentag.de/
 (DIR) [3] /Juristin-ueber-Macht-am-Familiengericht/!6070278
 (DIR) [4] https://dserver.bundestag.de/btd/19/177/1917713.pdf
 (DIR) [5] /Bildungsministerin-will-NGOs-pruefen/!6114150
 (DIR) [6] https://regionalheute.de/prien-will-maennerministerin-werden-1772755263/
 (DIR) [7] /ProQuote-verliert-Bundesfoerderung/!6160068
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Kaija Kutter
       
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