# taz.de -- Streik-Gespräch in der taz: „Es gibt auch in der taz immer noch eine Bro-Culture“
       
       > Generalstreik gegen das Patriarchat! Auch in der taz wollen Flinta* die
       > Arbeit niederlegen. Zwei taz-Redakteurinnen über Sinn, Soli und
       > Schreiben.
       
 (IMG) Bild: Es sollte der Frauenbewegung einen neuen Schub geben: Frauenstreik in Leipzig, 1994
       
       taz: Das Bündnis Enough! ruft unter dem Motto „Wir sagen Genug!“ zum
       globalen Frauen*Generalstreik am 9. März auf. Auch die taz organisiert
       im Haus einen Streikposten und plant eine besondere E-Paper-Ausgabe.
       Anastasia, Simone, macht ihr mit? 
       
       Anastasia: Ja, klar. Aus Solidarität mit allen anderen, die streiken. Und
       aus Überzeugung, dass wir konkret in der taz auch streiken sollten.
       
       Simone: Ich habe an dem Tag ohnehin frei. Aber: Ich finde die Idee gut,
       einen Frauenstreik in Deutschland zu organisieren – wenn er denn
       tatsächlich funktioniert. So, wie der Streik momentan angekündigt ist,
       glaube ich nicht, dass er funktionieren wird.
       
       taz: Warum? 
       
       Simone: Ich erinnere mich an den großen bundesweiten Frauenstreik 1994, da
       war ich als Journalistin unterwegs. Der war sehr groß angekündigt und
       wesentlich länger vorbereitet als dieser Streik. Es gab ein sehr großes
       Streikkomitee, das sich über viele Monate in Kassel getroffen hat. Die
       ganze Republik hat darüber im Vorfeld berichtet. Dieses breite Interesse
       sehe ich hier nicht. Und doch hat der Streik 1994 das Land nicht
       lahmgelegt.
       
       taz: Du meinst, weil die politischen Kernforderungen der Frauen von damals
       – gleicher Lohn für gleiche Arbeit, Entkriminalisierung von Abtreibungen,
       faire Verteilung von Care-Arbeit – heute, mehr als 30 Jahre später, noch
       immer genauso vorgetragen werden? 
       
       Simone: Damals sollten Frauen nicht nur für diese Forderungen auf die
       Straße gehen, sondern auch die Frauenbewegung sollte einen neuen Schub
       erhalten, man sprach von der „dritten Welle“. Man wollte die Ost- und
       Westfrauenbewegung vereinen. Allein, das erwies sich als schwierig. Wo sich
       die Westfrauen im Besitz von theoretischer Weisheit wähnten, machten die
       Ostfrauen geltend, Gleichberechtigung längst praktisch zu leben: Kinder,
       Beruf können wir alles gleichzeitig. Es wurde auch lange über Fragen
       diskutiert wie: Darf eine Feministin einen Minirock tragen? Sind nur Lesben
       Feministinnen, weil sie nicht mit dem Patriarchat ins Bett gehen? Das war
       alles völlig irre, aber darüber hat man sich total zerlegt.
       
       taz: Anastasia, ist man da als junge Feministin jetzt ein bisschen
       entmutigt? 
       
       Anastasia: Ich will Simone erst mal einladen, am Montag trotz ihres freien
       Tages in die taz zu kommen und beim Streikposten vorbeizuschauen. Schon in
       der Vorbereitung merke ich, wie viel Mut und Kraft darin steckt, sich
       zusammenzusetzen und zu überlegen: Was wollen wir verändern, was fordern
       wir? Selbst wenn der Streik nicht riesig wird, können wir an die
       Verbindungen anknüpfen, die jetzt entstehen.
       
       taz: Am 10. März soll es, als Ergebnis des Streiks, eine E-Paper-Ausgabe
       der taz mit Weißraum auf den Seiten und auf taz.de geben. Als Zeichen, dass
       hier die Arbeitskraft einer Frau fehlt. 
       
       Anastasia: Genau, da wo Flinta* Texte geschrieben, geplant, produziert
       hätten. Denn wir sind sehr viele, sehr gute Journalist:innen in der taz
       (lächelt). Wir wollen zeigen: Ohne uns funktioniert es nicht. Was aber
       unsichtbar bleibt: Die Care-Arbeit, die Flinta* in der Redaktion leisten.
       Die wird durch Weißraum nicht sichtbar.
       
       Taz: Was meinst du mit Care-Arbeit? 
       
       Anastasia: Wenn wir uns darum kümmern, wie es den Kolleg:innen
       untereinander geht, wenn wir den Praktikant:innen helfen. Wenn wir die
       Geschirrspülmaschine ausräumen.
       
       Simone: Glaubst du wirklich, nur die Frauen räumen die Spülmaschine aus?
       
       Anastasia: Das weiß ich natürlich nicht. Ich wollte vor allem sagen:
       Während meiner Zeit als Volontärin bei der taz waren es vor allem – mit
       Ausnahmen natürlich – die Kolleginnen, die mich gefragt haben: Wie geht es
       dir, kommst du mit dem Thema klar, hast du noch Fragen, kann ich helfen,
       sollen wir Mittagessen gehen?
       
       taz: Ist der Weißraum nicht auch nur eine künstliche Leerstelle – Frauen
       haben sich im Vorfeld Arbeit gemacht, denn auch das Entwerfen der
       Weißraum-Seiten mit dem Layout kostet Zeit und wird vor allem von
       Kolleginnen umgesetzt, um es dann so aussehen zu lassen, als entstünde eine
       Lücke? 
       
       Anastasia: Wir werden ja von außen für gewöhnlich als ein sehr
       feministischer Betrieb wahrgenommen. Und wenn wir durch den Weißraum
       sichtbar machen, auch bei uns ist in Sachen Gleichberechtigung noch Luft
       nach oben, ja, dann hat diese symbolische Aktion für mich seine
       Berechtigung. Dann ist das letztlich auch ein journalistischer Umgang
       damit.
       
       taz: Was genau fordert ihr, was forderst du, wenn du sagst: Wir sind noch
       nicht fertig in Sachen Gleichberechtigung? 
       
       Anastasia: Es gibt nach meinem Empfinden auch in der taz immer noch eine
       Bro-Culture, also einen Umgang miteinander, der oft von männlichen
       Gruppendynamiken geprägt ist. Und hinzu kommt, das geht jetzt ein bisschen
       über das Thema im engeren Sinn hinaus, dass es immer noch zu wenig
       marginalisierte Stimmen in der taz gibt, von People of Color, von
       Nichtakademikern.
       
       Simone: Ich muss mal kurz widersprechen: Ja, wir sind ein recht
       akademischer Betrieb. Es gab immer wieder Versuche, das zu ändern. Es hat
       nicht richtig funktioniert. Dennoch würde ich behaupten: Wir sind
       intersektionaler, pluraler, weniger weiß und männlich als viele andere
       Konkurrenzmedien. Wir haben als einzige ein Volontariat für Menschen, die
       nicht den ganz geraden Weg über Uni und Journalistenschule gegangen sind.
       Das macht sonst niemand in der Form.
       
       Anastasia: Wir sind sehr gut darin, marginalisierten Stimmen in unserer
       Berichterstattung Raum zu geben, das sehe ich auch. Ich bleibe trotzdem
       dabei: Das spiegelt sich noch nicht genügend in unserer Belegschaft wider.
       
       taz: Nochmal zurück zu Flinta* in der taz, also Frauen, Lesben, Inter*,
       Non-Binary, Trans* und Agender* Personen: Wir sitzen oft in der Konferenz
       und kritisieren uns selbst, dass wir zu wenig Texte von Frauen haben. Warum
       ändert sich da seit Jahren nichts? 
       
       Simone: Das ist ein Missstand, das sehe ich auch so. Das liegt zum einen
       daran, dass wir gerade viele Themen verhandeln – Kriege,
       Wirtschaftspolitik, die USA – die auch in der taz vielfach von Männern
       beobachtet, beschrieben, kommentiert werden. Die Kollegen sind auch super,
       die sollen ja weitermachen.
       
       Aber, da kann ich jetzt nur für mein Ressort, Meinung und Diskussion,
       sprechen: Wir versuchen, immer zuerst die Frauen zu fragen, wenn wir in
       einem Themenbereich die Wahl haben. Was man dann aber auch sagen muss:
       Männer sagen tendenziell immer eher, klar, das schreib ich dir. Frauen
       sagen: Hm, ich muss mich da erst mal einlesen, ich sage dir in einer halben
       Stunde Bescheid. Es gibt natürlich auch Frauen, die dieses vermeintlich
       männliche Auftreten haben. Das finde ich immer ganz toll.
       
       taz: Aber ist es richtig, dass man das belohnt? 
       
       Simone: Mal ganz praktisch: Man muss die Zeitung irgendwann halt fertig
       machen. Deshalb ist mein Appell an alle Frauen immer: Schreibt auf,
       probiert es! Es gibt ja ein Redigat, wir können reden. Ich sage den
       Kolleginnen immer: Macht einfach! Habt Mut!
       
       taz: Anastasia, hilft dir das? 
       
       Simone: Na, Anastasia macht ja einfach. (beide lachen)
       
       Anastasia: Ich wurde in mein Berichtsgebiet am Anfang auch ziemlich
       hineingeworfen, da habe ich manchmal gedacht: Puh, weiß ich jetzt schon
       genug, um eine Meinung zu haben? Aber dann habe ich immer gedacht: Wenn ich
       nicht kommentiere, macht das ein Mann und der weiß es am Ende
       wahrscheinlich meistens auch nicht besser. Ich wurde übrigens bisher
       tatsächlich immer nur von Kolleginnen für einen Text gefragt oder
       vorgeschlagen.
       
       taz: Das ist doch super: Frauensolidarität. 
       
       Anastasia: Ja, aber da wünsche ich mir auch mehr Solidarität von den
       Männern, mehr Care-Arbeit. Aber was Simone gesagt hat, stimmt natürlich
       auch: Frauen müssen sich auch selbst etwas zutrauen.
       
       Simone: Wenn ich 20 Jahre zurückblicke, würde ich sagen: Der Umgangston im
       Haus hat sich deutlich verändert. Ich erzähle mal eine Anekdote: Es ging in
       einer Konferenz um die Einführung der Frauenquote für Führungspositionen.
       An dem Montag hatten vier damit befasste Ministerien eine große
       Pressekonferenz angekündigt, der Spiegel hatte am Samstag zuvor mit dem
       Thema aufgemacht. Ich war damals zuständig als Redakteurin. Natürlich
       wollte ich eine Seite 3 dazu schreiben, die wichtigste Seite. Da hieß es
       auf der Konferenz von einem Wortführer: „Quote, was soll der Mist, hab ich
       doch gestern im Spiegel alles gelesen.“
       
       taz: Da war das noch „Gedöns“, frei nach Altkanzler Gerhard Schröder (SPD),
       der so 1998 das Frauen- und Familienministerium zusammengefasst hatte. 
       
       Simone: Genau. Da kamen mir jedenfalls fast die Tränen, das war ich nicht
       gewohnt. Aber es ist dann auch wiederum ein Mann zur damaligen
       Chefredakteurin gegangen, der gesagt hat: So geht das nicht, so können wir
       als taz nicht damit umgehen. Frauen, Gender-, Bildungsthemen – das waren
       alles Themen, die hatten es schwer, gerade auf prominenten Plätzen in der
       Zeitung. Das hat sich völlig geändert. Es ist alles sachlicher geworden.
       Der Umgang ist solidarischer, egalitärer.
       
       Anastasia: Viele sagen immer, früher war alles ruppiger hier. Aber manchmal
       wünsche ich mir in den Konferenzen heute auch noch einen Buzzer: Männer
       tendieren mehr als Frauen dazu, zu unterbrechen – oder gegenseitig ihre
       Positionen zu wiederholen. Das nervt.
       
       taz: Frauen müssen Netzwerke bilden? 
       
       Simone: Unbedingt. Aber ich verstehe den Punkt, dass man etwas aus eigener
       Kraft erreichen will. Männer geben sich gegenseitig diesen Schutz, sie sind
       super im Netzwerken. Beim Frauenstreik 1994 waren die Frauen zwar
       solidarisch, konnten sich aber nicht wirklich auf ein gemeinsames Ziel
       verständigen. Es gab geeinte politische Forderungen – aber wegen der vielen
       identitätspolitischen Differenzen keine gemeinsame Schlagkraft.
       
       taz: Diese Differenzen gibt es ja immer noch: Es gibt Rapperinnen wie
       Shirin David, die offen über ihre Schönheits-OPs spricht, die sich selbst –
       wie auch ihre Kolleginnen Ikkimel oder Zsá Zsá – als „Fotze“ bezeichnet und
       das als feministische Rückeroberung von Sprache sieht. Das wird sehr
       kontrovers diskutiert. 
       
       Anastasia: Es ermüdet mich. Es sind nicht die Kämpfe, die ich führen will,
       und es ist nicht die Diskussion, die ich führen will. Sofern wir beide
       Gleichberechtigung wollen, ist mir wirklich egal, wie du dabei aussiehst.
       Und das, was die Leute mittlerweile auch spaltet, ist ja diese Frage: Wer
       darf sich Feminist:in nennen? Nur Frauen? Oder alle Personen, die keine
       Männer sind? Ich würde sagen: Alle Flinta*-Personen gehören dazu.
       
       Simone: Mich langweilt das auch. Mir ist total egal, wie jemand aussieht.
       Ich muss es ja nicht schön finden – es muss der Person gefallen. Das ist
       eine Diskussion von vor 30 Jahren.
       
       taz: Alice Schwarzer diskutiert darüber immer wieder, zuletzt im
       Zeitmagazin. Warum hält sich diese Debatte so hartnäckig?
       
       Simone: Ich glaube, das kommt durch das Erstarken des Maskulinismus.
       Einerseits gibt es mehr Gleichstellung und Selbstermächtigung von Frauen –
       da ist die taz ein gutes Beispiel. Andererseits gibt es durch das weltweite
       Erstarken von Broligarchien auch wieder eine Gegenbewegung. Und Alice
       Schwarzer mischt da leider seit einigen Jahren heftig mit. Ich finde, sie
       verrät damit die Frauen.
       
       Anastasia: Und das ist ja ein bequemer Streit. Sich mit Alice Schwarzer
       darüber zu streiten, ob ich einen Minirock tragen kann oder nicht. Es ist
       viel unbequemer, sich damit auseinanderzusetzen, dass Frauen in Deutschland
       sexualisierte Gewalt erleben.
       
       taz: Noch so eine Debatte: Frauen und Teilzeitarbeit, häufig weil sie zu
       Hause Kinder und Angehörige versorgen, während der besserverdienende Mann
       Vollzeit arbeitet. Auch in der taz arbeiten viele Frauen Teilzeit. Wie
       denkt ihr darüber? 
       
       Anastasia: Wer Teilzeit machen will, sollte das machen dürfen. Und viele
       bei der taz haben sich bewusst dafür entschieden – und das ist gut so.
       Vielleicht sollten all die Männer in der taz, die Vollzeit arbeiten, auch
       Teilzeit machen und mehr Freizeit leben. Damit würde man vielleicht auch
       etwas das Problem der geringeren Sichtbarkeit von Frauen lösen, über das
       wir vorhin sprachen: Weil Männer auch in der taz oft größere Stellenanteile
       haben, sind sie mehr hier, können mehr schreiben, nehmen mehr Raum ein.
       
       Simone: Mein Problem bei Teilzeitarbeit von Frauen ist das Geld – ihr
       eigenes. Feministische Ökonominnen warnen seit Jahrzehnten davor: Man weiß
       nie, wie das Leben verläuft. Wer lange in kleiner Teilzeit arbeitet,
       verpasst schnell den Anschluss – gerade jetzt, wo sich durch
       Digitalisierung so viel verändert. Am Ende verdient man wenig, ist abhängig
       vom Staat oder vom Partner – und die Rente ist minimal. Deshalb mein
       Plädoyer: 80 Prozent für alle, die [1][„große Teilzeit“]. Aber dieses
       Modell gibt es kaum. Dafür sollten wir kämpfen.
       
       Anastasia: Aber das ist ja ein strukturelles Problem: klassische
       Rollenbilder. Frauen gehen in Teilzeit, um Kinder zu betreuen, und es gibt
       keine echte Belohnung oder Absicherung dafür.
       
       Simone: Eben – dafür muss man kämpfen. Wenn eine CDU-Regierung „Lifestyle“
       sagt und gleichzeitig die Mütterrente ausweitet, sendet sie ein
       widersprüchliches Signal: konservatives Familienmodell einerseits, mehr
       weibliche Arbeitskräfte andererseits. Ich finde: Frauen sollten für sich
       selbst raus aus der Teilzeit, nicht für „den Arbeitsmarkt“.
       
       taz: Zurück zum Frauenstreik: Wie solidarisch ist so ein Tag – etwa mit
       einer alleinerziehenden Altenpflegerin, die nicht auf die Straße gehen
       kann, weil sie den Verlust ihres Jobs fürchtet. Was kann man an diesem Tag
       über Aktionismus hinaus erreichen? 
       
       Simone: Ich bin skeptisch, ob dieser Streik die Debatte um mehr
       Frauenrechte und Gleichstellung auch nur marginal anstößt. Wenn im Aufruf
       steht: kein gewerkschaftlicher Streik, und dann: „Frauen sollen
       picknicken“, sich verweigern. Dann verweigern am Ende die Arbeit vor allem
       die, die es können: akademische Frauen.
       
       Eine Krankenschwester kann nicht, eine Straßenbahnfahrerin kann nicht, eine
       Verkäuferin kann nicht. Und was hat die Verkäuferin davon, wenn ich
       picknicke und das als politisches Statement poste? Wenn man sagen würde:
       Wir legen das ganze Land lahm – wirklich alles – das wäre stark. In der
       Schweiz und in Island gab es das: Das schafft Eindruck. Und danach gab es
       in beiden Ländern politische Veränderungen.
       
       taz: Das klingt ziemlich ernüchternd mit Blick auf den Streiktag am Montag. 
       
       Anastasia: Das macht mich gerade traurig. Aber selbst wenn nur fünf Frauen
       picknicken und sich politisieren, ist es ein Anfang. Und in der taz
       picknicken wir ja nicht: Es gibt Plena, Aktionen, wir reden über die
       8.-März-Ausgabe. Wenn wir immer davon ausgehen, dass nichts passiert, wird
       auch nichts passieren. Wir müssen es versuchen.
       
       Simone: Da gebe ich dir recht. Man muss es versuchen.
       
       taz: Was müsste man tun, um mehr Menschen anzusprechen – jenseits der eher
       weißen, eher akademischen Blase, die zum Streik aufruft? 
       
       Simone: Man muss auch sagen: Es gibt viele Frauen, die feministische Kämpfe
       schlicht nicht interessieren – und es muss ja auch nicht alle
       interessieren. Es müsste aber die Menschen in Entscheiderpositionen
       interessieren: Ehegattensplitting, Gender-Pay-Gap, all diese Fragen müssen
       sie beschäftigen.
       
       taz: Müsste man nicht eh viel stärker versuchen, sich die Männer als
       Zielgruppe zu erschließen: Dass sie mehr Care-Arbeit übernehmen, in
       Teilzeit gehen? 
       
       Anastasia: Ohne die Männer geht es nicht. Und ja, man muss den Männern in
       Vollzeitjobs zeigen, dass sie auch unter dem Patriarchat leiden.
       
       Simone: Das war schon 1994 eine Frage: Dürfen Männer bei den
       Streikvorbereitungen mitmachen oder nicht? Das wurde stundenlang
       diskutiert. Am Ende wurden die Männer weitgehend ausgeschlossen. Später kam
       bei manchen die Erkenntnis: Gleichberechtigung funktioniert, wenn man
       Männer mit einbezieht.
       
       taz: Gibt es noch etwas, das euch gerade umtreibt? 
       
       Simone: Mich erschreckt, wie viele Frauen – und auch Menschen mit
       Migrationsgeschichte oder wenig Geld – rechten Parolen anhängen, obwohl
       sich die AfD-Politik vor allem gegen sie richtet.
       
       Ein anderes großes Thema bleibt Gewalt: Gewalt auf der Straße ist im
       Vergleich zu häuslicher Gewalt gering. Schutzsysteme, Frauenhäuser und die
       Ausbildung bei der Polizei müssen besser werden. Und wenn ein Mann
       gewalttätig ist, müsste das beim Sorge- und Umgangsrecht viel stärkere
       Konsequenzen haben.
       
       taz: Was wollt ihr als Feministinnen und als tazlerinnen noch erleben? 
       
       Anastasia: Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland müssen entkriminalisiert
       werden. Und dass wir intersektionaler denken: Es geht nicht nur um „die
       Frau“, sondern um alle Flinta*. Wir müssen sichtbare Räume schaffen für
       andere marginalisierte Personen – für Menschen mit Rassismuserfahrungen,
       die darüber sprechen und schreiben wollen. Auch in der taz müssen wir diese
       Leute fördern und sichtbarer machen.
       
       Simone: Die Rentenfrage und Altersarmut sind große Probleme. Das
       Ehegattensplitting sollte endlich abgeschafft und stattdessen sollten
       Familien mit Kindern gefördert werden, unabhängig davon, ob jemand
       verheiratet ist. Und insgesamt: Frauen sollen sich selbst mehr ermutigen,
       auch in der taz: Schreibt! Macht!
       
       Anastasia: Meine Utopie ist eine Welt, in der das größte Problem in einer
       Beziehung mit einem Mann sein Schnarchen ist.
       
       Im Gespräch: 
       
       Simone Schmollack, Boomerin, geboren in Ost-Berlin, war viele Jahre
       Genderredakteurin der taz.
       
       Anastasia Zejneli, Generation Z, schreibt gern über ökonomisches
       Empowerment von Flinta*.
       
       9 Mar 2026
       
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 (DIR) 40 Jahre taz: Der Frauenstreik 1980: Die nackte historische Wahrheit
       
       Es ist natürlich nicht das erste Mal, dass in der taz Frauen streiken.
       Erinnerungen an 1980, als auch die Frauenquote beschlossen wurde.
       
 (DIR) Frauen und Männer bei der Landtagswahl: Die grüner wählen
       
       In Baden-Württemberg gab es signifikante Unterschiede bei der Stimmabgabe
       von Frauen und Männern. Ein Text dazu? Fehlt leider. Es ist Frauenstreik.
       
 (DIR) Frauenstreik in der taz: Heute wird gestreikt!
       
       Am 9. März legen Frauen weltweit ihre bezahlte und unbezahlte Arbeit
       nieder. So auch in der taz – mit fatalen Folgen: Hier wäre sonst eine
       Nachricht erschienen.
       
 (DIR) Frauenstreik in Berlin: Nichts geht mehr
       
       Globaler Frauenstreik auch in der Redaktion der taz Berlin. Ohne Frauen*
       kein Journalismus.
       
 (DIR) Forscherin über Netzwerke: „Wir sind anderen viel näher, als wir denken“
       
       Im Wissen über Netzwerke steckt viel Macht, sagt die Datenwissenschaftlerin
       Fariba Karimi. Wie die Geflechte funktionieren und wie sie diverser werden.
       
 (DIR) Der Körper im Patriarchat: Willst du meine Freund*in sein?
       
       Körper stehen im Zentrum feministischer Solidarität. Damit die gelingen
       kann, müssen Flinta* Freundschaft mit ihm schließen.
       
 (DIR) Internationaler Frauentag: Wir haften gemeinsam für feministische Solidarität
       
       Der 8. März begann als Appell: Frauen sollen sich zusammenschließen, um für
       ihre Rechte zu kämpfen – auch wenn sie nicht einer Meinung sind.
       
 (DIR) Neuer Kurs der Bundesregierung: Feminismus nicht mehr gewünscht
       
       Frauenminsterin Karin Prien streicht Geld für den Feministischen
       Juristinnentag in Hamburg. Ihre Vorgängerinnen hatten ihn jahrzehntelang
       unterstützt.