# taz.de -- ProQuote verliert Bundesförderung: „Ohne das Geld müssen wir viele Aktivitäten einstellen“
       
       > Das Familienministerium lehnt den Antrag vom feministischen Verein ab.
       > Die vermuten dahinter ein politisches Motiv.
       
 (IMG) Bild: „Bei vielen herrscht das Gefühl vor, dass jetzt genug Frauen da seien“: Blick in die Bundespressekonferenz
       
       taz: [1][ProQuote zählt den Frauenmachtanteil] in deutschen
       Medienredaktionen. Jetzt gibt es nach 9 Jahren keine Förderung mehr vom
       Frauenministerium dafür. Ist es das Ende vom Verein, Frau Herschel? 
       
       Olga Herschel: Wir hoffen, dass es nicht das Ende ist, aber uns fehlen
       jetzt 600.000 Euro, ohne die wir viele unserer Aktivitäten komplett
       einstellen müssen. Inklusive unserer Kernmarke, der Leitmedienzählung, bei
       der wir den Frauenanteil in Redaktionen und in Machtpositionen zählen. Aber
       auch Studien, wie die zu Elternschaft im Journalismus, können wir nicht
       mehr umsetzen.
       
       Was bedeutet das für die Mitarbeitenden von ProQuote? 
       
       Wir im Vorstand arbeiten alle im Ehrenamt neben unseren Vollzeitjobs. Aber
       bestimmte Aktivitäten, also einzelne Projekte, die vom Ministerium
       gefördert waren, konnten mit einer Ehrenamtspauschale versehen werden. Als
       selbstständige Journalistin verzichte ich ja auf einen Auftrag, um die Zeit
       für meine Arbeit bei ProQuote einzusetzen. Außerdem bezahlen wir
       zusätzliche Honorarkräfte für unsere Social-Media-Kanäle und auch für die
       Leitmedienzählungen und die Studien. Ohne die ist unsere Arbeit in dem
       Umfang nicht machbar.
       
       Warum ist es wichtig, Frauen in Führungspostionen in Redaktionen zu zählen? 
       
       Wir sind der einzige Verein, der das systematisch macht. Als wir damit
       angefangen haben, war die Lage in den Redaktionen unterirdisch. 2012 lag
       der Frauenmachtanteil, also Frauen in Führungspositionen, bei Leitmedien
       gerade mal bei rund 14 Prozent. Zehn Jahre später dann bei knapp 40
       Prozent.
       
       Vielleicht sieht das Ministerium Ihre Arbeit damit als obsolet an, wenn wir
       uns als Medienlandschaft auf die Gleichberechtigung zu bewegen? 
       
       Das wäre falsch, denn seit 2022 sinkt der Anteil von Frauen in
       Führungspositionen wieder deutlich. Wir erleben einen Backlash. Auch das
       wäre ohne unsere Zählung überhaupt nicht sichtbar geworden. Und in vielen
       Medienhäusern herrscht eine Scheingleichberechtigung. Bei vielen herrscht
       das Gefühl vor, dass jetzt genug Frauen da seien. Dabei gibt es nach wie
       vor Medien, wie die FAZ, bei der nur ein Viertel der Machtpositionen mit
       Frauen besetzt sind. Da fragt man sich wirklich, wie das heutzutage noch
       möglich ist. Es ist die Aufgabe von Medien, die demokratische Gesellschaft
       in all ihren Facetten abzubilden. Wenn Frauenperspektiven ausgegrenzt
       werden, findet das nicht statt.
       
       Machen sich fehlende Frauen auch in der Berichterstattung bemerkbar? 
       
       Ich finde schon. Erst in den letzten Jahren sind sogenannte Frauenthemen in
       den Vordergrund gerückt. Seien es Recherchen über sexualisierte Gewalt oder
       Zustände in den Geburtenkliniken, aber auch Gesundheitsthemen wie
       Endometriose. Es ist natürlich falsch zu sagen, dass das allein
       „Frauenthemen“ sind, aber ohne Frauen in Führungspositionen finden sie gar
       nicht statt. Wir sind da gerade noch mitten in einem Umdenken.
       
       Hat [2][das Ministerium] seine Entscheidung begründet? 
       
       Ja, sie kritisieren die fehlende Messbarkeit, also die Wirkung unserer
       Projekte. Und fehlende Innovation. Uns überrascht die Absage total. Denn
       wir haben den Förderantrag in vielen Monaten ausgearbeitet und auch immer
       wieder mit verschiedenen Mitarbeitenden des Ministeriums abgestimmt. Die
       wussten also, was wir einreichen, und haben uns beraten. Unsere
       Leitmedienzählung wurde lange gefördert und jetzt wollten wir sie noch
       ausbauen.
       
       Inwiefern? 
       
       Wir wollten uns zum ersten Mal auch die Geschlechterverhältnisse bei den
       öffentlich-rechtlichen Häusern anschauen. Und gezielt einzelne Ebenen in
       den Blick nehmen, zum Beispiel gemeinnützige Redaktionen oder die
       Meinungsressorts, aber auch Politik- und Rechercheabteilungen. Weil genau
       dort brennende Themen verhandelt werden. Das irritiert uns, dass da jetzt
       keine Dringlichkeit gesehen wird.
       
       Habt Sie Mutmaßungen, wieso das Ministerium die Dringlichkeit nicht mehr
       sieht? 
       
       Wir vermuten politische Gründe und haben das Gefühl, dass der Wind im
       Ministerium sich gedreht hat. Uns wurde zum Beispiel vorab geraten, unseren
       Antrag besser nicht zu gendern. Und auch dass anderen feministischen
       Vereinen die Förderung nicht gegeben wurde, lässt vermuten, dass das
       Ministerium nicht mehr so Lust auf feministische Vereine hat.
       
       Wie geht es jetzt weiter für ProQuote ohne das Geld? 
       
       Wir sind heute an die Öffentlichkeit gegangen und wollen uns dadurch
       Unterstützung einholen. Also mit anderen feministischen Vereinen, denen
       auch die Förderung abgelehnt wurde, in Kontakt treten und dann eine
       Strategie planen, wie es weitergehen kann. Auf welche Fördertöpfe wir uns
       bewerben können oder wie es sonst weitergehen kann.
       
       5 Mar 2026
       
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