# taz.de -- Karin Prien über Gleichstellung: Scheinheilige Frauenministerin
> Am Frauentag plädiert die CDU-Politikerin dafür, dass mehr für
> Gleichstellung getan werden muss. Als Frauenministerin handelt sie
> allerdings anders.
(IMG) Bild: CDU-Frauenministerin Karin Prien: Missstände bemängeln und gleichzeitig Gelder für feministische Projekte streichen
Am 8. März, dem Internationalen Frauentag, reist Frauenministerin Karin
Prien nach New York, um vor der UN-Frauenrechtskommission zu sprechen.
Vorab warnte die CDU-Politikerin vor Rückschritten bei der
Geschlechtergleichstellung. Die Umsetzung der Gleichberechtigung sei
Verfassungsauftrag, sagte sie beispielsweise der Rheinischen Post. In
Sachen Gleichberechtigung sei „durchaus noch Luft nach oben“. Als besonders
ausbaufähig machte sie die Zahl der Frauen in Führungspositionen aus.
Man hört diese Worte – und staunt. Befinden wir uns in einem
Paralleluniversum? Denn diese Aussagen decken sich kein bisschen mit Priens
Politik. Am vergangenen Donnerstag wurde bekannt, dass [1][das
Frauenministerium nach neun Jahren seine Fördergelder für den Verein
ProQuote Medien einstellt]. ProQuote beobachtet, analysiert und
veröffentlicht den Anteil von Frauen in Führungspositionen im Journalismus.
Dadurch wird sichtbar, wie unterrepräsentiert Frauen dort sind, wie die
Machtverhältnisse in den Medien zugunsten von Männern ausfallen, was
wiederum fatal für Demokratie und Gesellschaft ist. Die Arbeit von ProQuote
erhöhte den Druck innerhalb der Branche, sodass bis 2022 immer mehr Frauen
in Führungspositionen aufrückten. Seitdem sinkt die Zahl wieder. Ohne die
Förderung des Frauenministeriums ist es schwierig für den Verein, seine
Arbeit fortzuführen. Zumal [2][zusätzlich der Backlash bekämpft werden]
muss.
[3][Auch dem Feministischen Juristinnentag wurden die Gelder gestrichen].
Er findet seit 1978 jährlich statt. Dort vernetzen sich Frauen, debattieren
aktuelle Rechtsfragen, entwickeln eine feministischere Rechtsordnung. Im
vergangenen Jahr hatte das Frauenministerium bereits einen Hilfsfonds für
sexuelle Missbrauchsopfer gestrichen. Das alles passiert zu einer Zeit, in
der weltweit Gelder für Entwicklungspolitik gestrichen werden – und das
trifft vor allem Mädchen und Frauen.
Anders als von Prien dargestellt, liegt Deutschland als eine der führenden
Industrienationen der Welt und größte Volkswirtschaft der EU bei der
Gleichstellung gar nicht so weit vorn. Beim Gleichstellungsindex des
Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen schneidet Deutschland
nämlich unterdurchschnittlich ab. Auf den Arbeitsmarkt bezogen landet das
Land auf dem drittletzten Platz. Die Benachteiligung von Frauen im
Berufsleben bedeutet EU-weit einen volkswirtschaftlichen Verlust von 390
Milliarden Euro pro Jahr, schreibt die EU-Kommission in ihrer
Gleichstellungsstrategie. Das entspricht dem Bruttoinlandsprodukt von
Dänemark, einem der wohlhabendsten EU-Länder.
Statt vor ihrer Männer-CDU zu kuschen, indem sie feministische Förderungen
streicht, um dann zum Weltfrauentag scheinheilige Aussagen zu treffen,
sollte Prien ihren männlichen Kollegen daher besser klarmachen, dass
Gleichstellung auch eine Maßnahme für Wirtschaftswachstum ist. Vielleicht
ist dies die einzige Möglichkeit, Männer zum Zuhören zu bewegen. Aber
womöglich geht es einer [4][CDU unter Friedrich Merz,] oh Wunder, ja auch
gar nicht um eine florierende Wirtschaft zwecks Wohlstandssicherung für
alle. Sondern nur darum, die Privilegien einer kleinen, männlichen Gruppe
zu bewahren. Peinlich, dass sich Prien dafür hergibt.
8 Mar 2026
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(DIR) Eva Fischer
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