# taz.de -- Terrorvorwurf gegen AfD-Politiker: Die nicht ganz so „anständige“ Familie Hättasch
> AfD-Politiker Kurt Hättasch weist im Prozess um die „Sächsischen
> Separatisten“ alle Vorwürfe zurück. Dabei steht er dem Neonazismus näher,
> als er zugibt.
(IMG) Bild: Bürgerliche Fassade: Kurt Hättasch und seine Frau besuchen 2022 ein Seminar des rechtsextremen „Institut für Staatspolitik“
Mit dem Bild eines anständigen Patrioten gibt sich [1][Kurt Hättasch] alle
Mühe. Stundenlang sagte er zuletzt an mehreren Prozesstagen vor Gericht
aus. Seitenweise berichtete er in den Monaten zuvor in einem Tagebuch aus
seiner Haft, formulierte Erklärungen, ließ seine Anwälte Pressekonferenzen
abhalten.
Hättasch, früherer AfD-Fraktionschef aus Grimma und Schatzmeister der
ehemaligen Parteinachwuchsorganisation Junge Alternative in Sachsen, ist im
[2][Prozess um die „Sächsischen Separatisten“ vor dem Oberlandesgericht
Dresden als einer von acht mutmaßlichen Rechtsterroristen] angeklagt.
Dem Verfahren kommt eine größere politische Bedeutung zu, weil neben
Hättasch [3][zwei weitere Mitglieder der AfD angeklagt sind und dies auch
im Hinblick auf ein Parteiverbotsverfahren relevant] sein könnte. Rund um
die acht Angeklagten spannt sich ein rechtes Netzwerk von der AfD und ihrer
Jugendorganisation zu den rechtsextremen Parteien NPD/Die Heimat, dem III.
Weg und den Freien Sachsen, zu Burschenschaften und Völkischen, zu neuen
digitalen und zu alten analogen militanten Neonazistrukturen.
Die „Sächsischen Separatisten“ sollen sich paramilitärisch auf einen Tag X
vorbereitet, [4][ethnische Säuberungen sowie Liquidationen von Amtsträgern
geplant haben]. Bei seiner Festnahme wurde Hättasch von einem Polizisten in
den Kiefer geschossen. Weil er in der Situation mit einem Gewehr auf die
Polizisten zuging, wird Hättasch auch versuchter Mord vorgeworfen.
Hättasch weist alle diese Vorwürfe von sich. Bei seiner Festnahme sei er
von einem Antifa-Überfall ausgegangen – und hatte tatsächlich auch den
Notruf gewählt. Die Bezeichnung „Sächsische Separatisten“ kenne er gar
nicht. Vor Gericht und in schriftlichen Erklärungen zeichnet er an einem
Bild von sich, das so gar nicht zur Anklage passen will. Er sei der
„Idealtyp des demokratischen Staatsbürgers“, „Stimmführer im
Jugendblasorchester“, „leidenschaftlicher Wanderer“. [5][Politisch stehe er
links der Mitte innerhalb der AfD] – konservativ, aber keinesfalls
rechtsextrem.
Doch politisch ist dieses Bild irreführend. Hättasch unterschlägt in seinen
Aussagen vor Gericht entscheidende Aspekte, vieles klingt nach Ausreden und
Schutzbehauptungen. Neue Details weisen nach taz-Recherchen vielmehr auf
ein politisches Leben hin, in dem die Übergänge von AfD zum Neonazismus
fließend sind – insbesondere auch in Hättaschs Familie. Nach taz-Recherchen
sind sein Schwiegervater und seine Ehefrau Miteigentümer*innen eines
rechtsextremen Szenetreffs in Pirna.
## Haufenweise NS-Literatur im Hause Hättasch
Und da ist etwa dieser Haufen an Büchern und Schriften, die bei der
Durchsuchung auf dem Dachboden des Hauses der Hättaschs gefunden wurden:
das antisemitische Verschwörungspamphlet „Protokolle der Weisen von Zion“,
ebenso wie „SS-Rassenkunde und Richtlinien zur Gattenwahl“, ein Lehrbuch
der Waffen-SS. Hättasch spricht vor Gericht von einem „Bücherschatz“, der
seinem verstorbenen Großcousin gehört und seinem Vater vermacht worden sei.
Er selbst habe nie hineingeschaut, behauptet er.
Und das Buch „Ewiges Deutschland“, das Hättasch selbst von dem [6][wegen
Rädelsführerschaft angeklagten Jörg S.] erwarb? Es gehört zu einer Reihe,
die während des Nationalsozialismus auf Weisung von Propagandaminister
Joseph Goebbels herausgegeben wurde. „Das sind sehr spannende Werke, gerade
für jemanden, der sich historisch interessiert“, erklärte Hättasch dazu auf
Nachfrage der Bundesanwaltschaft im Prozess und beschreibt es als „eine
Projektarbeit der 30er-Jahre“ mit gesammelten Liedern und Dichtwerken.
Noch heikler sind womöglich 13 kopierte Seiten aus der Broschüre „[7][Der
totale Widerstand]“, die die Ermittler anscheinend in einem Ordner von
Hättasch in einer Kommode fanden. Dieser Leitfaden für den terroristischen
Guerillakrieg wurde 1957 in der Zeit des Kalten Krieges von einem Major der
Schweizer Armee verfasst und enthält eigene Kapitel mit Anleitungen für
„improvisierte Sprengladungen“, „Attentate“ und „Zellenbildung“. 1988 kam
es in Deutschland auf den Index, kursierte aber insbesondere in den
1990er-Jahren in der Neonaziszene.
Sind die Kopien ein Hinweis darauf, worauf sich die „Sächsischen
Separatisten“ bei ihren Treffen im Wald vorbereitet haben?
## Alles angeblich nur „Indianerspiele“
Hättasch widerspricht. Die mutmaßlichen Wehrsportübungen, die der Gruppe
vorgeworfen werden, nennt er „Räuber- und Gendarm-“ und „Indianerspiele“.
Zu dem Fund der 13 Kopien äußerte er vor Gericht eine Vermutung: „Diese 13
Seiten wurden durch BKA-Beamte in die Kommode gelegt.“
Immer wieder kam Hättasch bei seiner Aussage auch auf seine Zeit als Soldat
der Bundeswehr zu sprechen, wo er Wissen erworben hat, das er teils in der
Gruppe der Angeklagten weitergab. Womit er erst auf Nachfrage der Richterin
rausrückte: Im September 2020 ist ihm die Ausübung des Dienstes versagt
worden, weil er unter anderem geäußert haben soll, dass die Bundesrepublik
Deutschland kein souveräner Staat sei. Hättasch hatte gegen die Entlassung
vor dem Verwaltungsgericht Hamburg geklagt.
Seit [8][Mitte März liegt das Urteil dazu vor: Hättaschs Klage hatte keinen
Erfolg]. Das Gericht sieht es demnach als erwiesen an, dass er als
Zeitsoldat während seines Studium an der Helmut-Schmidt-Unisersität in
Hamburg Äußerungen getätigt habe, die zeigten, dass er einem
„völkisch-abstammungsmäßigen bzw. verfassungswidri gem Staatsvolksbegriff“
anhänge. Zudem akzeptiere er die Bundesrepublik Deutschland und ihre
freiheitlich demokratische Grundordnung nicht als alleinige deutsche
staatliche Ordnung.
## Hamburger Gericht sieht "reichsbürgertypische Äußerungen"
Hättasch hatte laut dem Urteil unter anderem zu einem französischen
Austausch-Offiziersschüler gesagt, dass ehemalige Gebiete des deutschen
Reiches, wie etwa Elsass-Lothringen und einige polnische Gebiete zu
„Deutschland“ gehören würden. Auch wertete das Gericht Hättaschs Aussage,
dass die Bundesrepublik kein souveräner Staat sei, als
„reichsbürgertypische Äußerungen“. Gleiches gelte für seine Aussage, dass
nur Deutscher sein könne, wer Vorfahren im Deutschen Reich bis 1915 habe -
Hättasch bestritt, den Satz so gesagt zu haben.
Zudem hatte Hättasch einen Hauptmann als „Neger“ bezeichnet und angegeben,
dass er sich den Vornamen nicht habe merken können. Hättasch hatte sich vor
Gericht verteidigt, ihm sei die beleidigende und diskriminierende Wirkung
des Begriffs nicht bekannt gewesen. Nach einem Gespräch mit dem Hauptmann
habe er diesen nicht mehr so genannt. Andere Äußerungen seien "im Spaß"
gefallen, oder er habe sie sich gar nicht zu eigen gemacht.
Auch in dem Hamburger Verfahren betonte Hättasch, dass er „durchaus
konservativ und patriotisch eingestellt“ sei, nicht aber rechtsextrem oder
rechtsradikal. Das Gericht aber befand, dass sein Bekenntnis zur Demokratie
"unsubstantiiert und oberflächlich" sei, seine Wortwahl dazu "kühl und
distanziert".
Vor dem Oberlandsgericht Dresden, wo Hättasch am Freitag seine Aussage
fortsetzte, erklärte er, das Hamburger Urteil enthalte Rechtsfehler. Er
kündigte an, Berufung einzulegen.
Hättaschs Bild, das er auch in Dresden von sich zu zeichnen versucht, ist
das eines AfD-Mandatsträgers, der Gewalt ablehnt, fremdenfeindlichen
Äußerungen des Mitangeklagten Jörg S. entgegentritt, der in der Jungen
Alternative auch Mitgliedern die Rechte entzog, weil sie sich extremistisch
äußerten.
Gleichzeitig sagt er Sätze wie jenen, dass Migranten in die Heimat
zurückgeführt werden sollten, und zwar „so schnell wie möglich, so viele
wie möglich“. Es ist eine Welt, in der vom Junggesellenabschied von Kurt
Hättasch später Fotos aufgetaucht sein sollen, auf denen ein Bild Adolf
Hitlers zu sehen ist. Und in der die Angeklagten in Chats am 20. April, dem
Geburtstag Adolf Hitlers, von einem „Ehrentag“ schreiben, samt Fotos von
Anhängern mit Hakenkreuzen. Ein ganz anderer sei gemeint gewesen, sagte
Kurt Hättasch dazu, spricht von Satire und Überzeichnung. Er habe
jedenfalls keine nationalsozialistische Gesinnung.
## Ehefrau und Schwiegervater mit Verbindungen zur rechtsextremen Szene
Unterstützt wird Hättasch bei seiner offensiven Verteidigung von seiner
Frau Hella. [9][Sie übermittelte anscheinend die Tagebuchinhalte ihres
Mannes aus dem Knast an einen rechten Blog], traf sich mit [10][dem
AfD-Politiker Björn Höcke, der sodann von einer „anständigen Familie“
sprach, der „übel mitgespielt“ worden sei.] Als betroffene Ehefrau und
junge Mutter [11][gab sie auch dem rechten Sender Auf1 ein Interview vor
der Kulisse ihrer guten Stube], in dem sie sich verwundert zeigte, dass die
Familie überhaupt bei irgendwem auf dem Schirm sei. Sie selbst sei eine
„normale junge Frau mit Baby“.
Recherchen der taz zeigen nun: Auch Hella Hättasch weist engere Bezüge zu
Akteuren der rechtsextremen Szene auf als bislang öffentlich bekannt.
Auszüge aus dem Grundbuchamt, die der taz vorliegen, belegen: Ihr gehört
ein Anteil an dem „Haus Montag“ in Pirna, das von Sicherheitsbehörden und
Medien seit Jahren als Treffpunkt der neonazistischen Szene eingeordnet
wird. Hella Hättasch ist im Grundbuch mit ihrem Geburtsnamen bereits seit
Jahren als Miteigentümerin eingetragen, zusammen mit ihrem Vater Thomas
Sattelberg sowie Max Schreiber, die beide für lange Karrieren in der extrem
rechten Szene bekannt sind.
Das sogenannte [12][„Haus Montag“ entstand als Szenetreffpunkt bereits im
Jahr 2013, vor allem für die NPD, die heute „Die Heimat“ heißt.] Der flache
Bau, der an der Hauptstraße in Pirna liegt und markant in Rot gestrichen
ist, gehörte in den Anfangsjahren einem norwegischen Neonazi. Schon damals
mischte laut Medienberichten Hella Hättaschs Vater, Thomas Sattelberg, mit,
der zu der Zeit dem NPD-Kreisverband vorsaß.
## Treffpunkt der Neonaziszene in Pirna
Die Neonaziaktivitäten in dem Haus wurden seitdem nicht weniger. Allein im
Verfassungsschutzbericht für Sachsen für das Jahr 2024 taucht der
Szenetreff sieben Mal auf. Die Behörde schreibt darin: „Das ‚Haus Montag‘
in Pirna ist ein fester und bekannter Anlaufpunkt für die
rechtsextremistische Szene im Raum Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.“
[13][Miteigentümer Sattelberg war einst Teil der Wiking-Jugend, die 1994
verboten wurde, und wirkte später bei den „Skinheads Sächsische Schweiz“
(SSS) mit], bis diese wiederum 2001 verboten wurden. 2003 wurde er als
Rädelsführer auf Bewährung, 2006 dann wegen Fortführung der verbotenen
Organisation zu acht Monaten Haft verurteilt.
Im Bericht für das Jahr 2024 schreibt der Verfassungsschutz, Thomas
Sattelberg sei in der neonazistischen Partei Die Heimat Beisitzer im
sächsischen Landesvorstand, während er gleichzeitig bei den Freien Sachsen
im Kreisverband Sächsische Schweiz-Osterzgebirge aktiv ist.
Der dritte Miteigentümer, Max Schreiber, sitzt wiederum seit Sommer 2024
für die rechtsextremen Freien Sachsen im Stadtrat von Heidenau sowie im
Kreistag Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Schreiber ist mit seiner
Undercut-Frisur samt langem geflochtenen Zopf und Bart in der Region als
Gesicht der rechtsextremen Regionalpartei und Organisator zahlreicher
rechter Demonstrationen bekannt. Er war ebenfalls mal
NPD-Kreisvorsitzender. [14][2025 wurde Schreiber rechtskräftig wegen
Körperverletzung, Nötigung und Volksverhetzung verurteilt.] Er hatte laut
Gericht auf den Kopf und Oberkörper eines Opfers eingeschlagen und
weitergeprügelt, als der Mann bereits am Boden lag.
## Hella Hättasch ist seit 2023 Miteigentümerin
Max Schreiber, Thomas Sattelberg und seine Tochter Hella sind seit dem 24.
Oktober 2023 offiziell im Grundbuch als Eigentümer des „Haus Montag“
eingetragen, wie aus den Auszügen des Amts hervorgeht. Hella Hättasch
gehört ein Fünftel des Hauses, Sattelberg und Schreiber jeweils zwei
Fünftel.
Unter anderem gründete sich im Februar 2024 im „Haus Montag“ die Gruppe
„[15][Elblandrevolte]“, der Dresdner Ableger der JN, der Jugendorganisation
der neonazistischen Partei Die Heimat. Die Gruppe gilt als gewaltbereit,
[16][einer ihrer Anführer wurde im November 2025 wegen gemeinschaftlicher,
gefährlicher Körperverletzung verurteilt].
Im Juli 2024 marschierte die Polizei in das „Haus Montag“ und durchsuchte
das dort ansässige Büro von Thorsten Thomsen, Chef vom Dienst beim
rechtsextremen „Compact Magazin“. Thomsen war bis 2014 Pressesprecher der
sächsischen NPD-Landtagsfraktion. Die Razzia im „Haus Montag“ fand im
Rahmen des Vereinsverbots des „Compact Magazins“ statt, das knapp ein Jahr
später, [17][im Juni 2025, vom Bundesverwaltungsgericht wieder kassiert
wurde].
## Anlaufpunkt für den III. Weg, „Stützpunkt“ für die Freien Sachsen
Auch die Neonazi-Partei III. Weg nutzt nach Erkenntnissen des
Antifaschistischen Recherche Teams Dresden das Haus in Pirna. So sollen
Mitglieder der Partei im April 2025 eine Schulung in dem Haus organisiert
haben. Fotos, die der taz vorliegen, zeigen junge Männer in grünen
Partei-Sweatshirts bei einem Vortrag in den Räumen des Hauses.
Im Februar 2025 bezeichnete Max Schreiber das „Haus Montag“ offiziell als
„Stützpunkt“ der Freien Sachsen in Pirna, die hier ein Bürgerbüro errichten
wollten. In einem Video führt Schreiber nach Renovierungsarbeiten durch die
Räume: Die Einrichtung ist rustikal in Braun gehalten, mit Bücherwänden,
Fernseher und gerahmten Plakaten unter anderem von „Casa Pound“, einer
neofaschistischen Bewegung aus Italien, die für das „Haus Montag“ ein
Vorbild zu sein scheint.
Welche Rolle Hella Hättasch als Miteigentümerin der Immobilie in Pirna
genau einnimmt, ist nicht klar. Über ihren Anwalt ließ sie mitteilen, dass
sie sich auf eine Anfrage der taz nicht äußern werde. „Nur im Hinblick auf
den Grundbucheintrag wird darauf hingewiesen, dass die Frau Hättasch einzig
als potentielle Erbin eingetragen ist, was schlicht Folge der gesetzlichen
Erbfolge ist“, schreibt ihr Anwalt.
## Im Kreise von Rechtsextremisten
Kurt Hättasch, seine Frau und deren Vater sind auch zusammen unterwegs. Vor
Gericht sprach Hättasch beispielsweise von zwei „privaten“ Reisen, die sie
rund um das Jahr 2023 gemeinsam nach Norwegen unternommen hätten – und bei
denen sie Politiker rechter Parteien getroffen hätten, denen Hättasch einen
Vortrag über die politische Landschaft Deutschlands halten sollte. Nach
taz-Informationen ist Hättaschs Schwiegervater Thomas Sattelberg in
Norwegen mit Personen aus der subkulturell geprägten rechtsextremen Szene
vernetzt.
Hättaschs Schwiegervater hat auch andernorts Kontakte. 2019 reiste er mit
seiner Tochter in die Ukraine, wo sie sich mit Vertreter*innen der
rechtsextremen Asow-Bewegung trafen, wie Fotos zeigen, die der taz
vorliegen. Die Reise fand im Rahmen des Projektes „Kraftquell“ statt, das
[18][laut Bundesregierung „im Juli 2018 von Angehörigen der Asow-Bewegung
und deutschen Rechtsextremisten“ im „Haus Montag“] gegründet wurde.
Im Frühjahr 2022 besuchten Kurt und [19][Hella Hättasch gemeinsam ein
Seminar des „Instituts für Staatspolitik“ des rechten Verlegers Götz
Kubitschek in Schnellroda]. Im Sommer 2024 fotografierte die taz das
Ehepaar auf einer Sonnenwendfeier in Strahwalde im Landkreis Görlitz. Dort
war auch Kevin R. zugegen, der wie Kurt Hättasch derzeit wegen des
Verdachts auf Mitgliedschaft bei den Sächsischen Separatisten vor Gericht
steht. [20][In Strahwalde feierten AfD-Politiker zusammen mit Neonazis, es
wurden Lieder des Nationalsozialismus gesungen und ein SS-Standartenführer
geehrt.] Der sächsische Verfassungsschutz wertet die Feier als
„rechtsextremistische Veranstaltung“.
## Zweites Hausprojekt in der Familie
Bei seinen Einlassungen vor Gericht kam Kurt Hättasch auch auf ein zweites
rechtes Immobilienprojekt zu sprechen – sein eigenes. Kurt Hättasch hatte
mit dem Mitangeklagten Kevin R. und dem Leipziger Bekannten Nils Martin K.
vor seiner Festnahme an einem Hausprojekt in Grimma gewerkelt, an einem
Haus nahe des Bahnhofs – ebenfalls rot, aber diesmal dreistöckig.
Nach taz-Informationen hatten die drei das Grundstück bereits im Oktober
2023 erworben. Final übertragen wurde die Immobilie auf sie im Juni 2025 –
ein gutes halbes Jahr nach den Festnahmen von Hättasch und Kevin R. Auch
das geht aus Grundbucheinträgen hervor, die der taz vorliegen. Das Trio
hatte 2024 auch gemeinsam einen „Verein für sächsische Kultur und Turnen“
gegründet.
Auch Nils Martin K., der nicht angeklagt ist, spielte bei den jüngsten
Verhandlungstagen eine Rolle: Die Bundesanwaltschaft zählt den Besuch eines
Schießstands im Rahmen eines Junggesellenabschieds von K. zu den
Aktivitäten der Sächsischen Separatisten. K. selbst soll zum erweiterten
Kreis der Beschuldigten gehören.
Für die Finanzierung des Hauses in Grimma hatte der frühere Berliner
Finanzsenator Peter Kurth den jungen Rechtsextremen ein Darlehen von
100.000 Euro überlassen. [21][Das hatte der CDU-Mann der taz bestätigt].
Ihm sei gesagt worden, dass es bei dem Haus um die „Schaffung von Wohnraum“
gehe und um „kommunalpolitisches Engagement“, sagte Kurth bei Bekanntwerden
der taz. Von den Sächsischen Separatisten habe er erst aus den Medien
erfahren.
## Zweigstelle der AfD in Grimma?
Bei einem Besuch der taz in Grimma nach den Festnahmen von Hättasch und
Kevin R. waren vorherige Sanierungen in dem Gebäude zu sehen. Zuletzt soll
es dort nur noch sporadisch Arbeiten gegeben haben.
Im Prozess in Dresden sagte Hättasch nun aus, dass er das Haus mit den
anderen erworben habe, um dort perspektivisch politische Veranstaltungen
durchzuführen und möglicherweise eine Zweigstelle seines AfD-Verbands
einzurichten, für Sitzungen der Fraktion oder Kreisparteitage. Kevin R. und
er selbst hätten einiges an Renovierungsarbeiten vorgenommen. Ein
Veranstaltungsraum sollte für bis zu 100 Personen Platz bieten. Auch ein
Name für das Haus sei schon erdacht worden: „Roter Baron“ – in Anlehnung an
Freiherr von Richthofen, dem Jagdflieger aus dem Ersten Weltkrieg.
Dass ein Szeneobjekt in Planung war, hatte auch der rechtsextreme Verleger
Götz Kubitschek bestätigt. Er hatte nach den Festnahmen von Hättasch und
Kevin R. bedauert, dass in Grimma nach seiner Darstellung „ein rechtes
Hausprojekt beendet worden“ sei.
Ein Sprecher der Stadt Grimma sagte der taz, an dem Objekt seien derzeit
„keine Auffälligkeiten“ festzustellen. Auf die Frage, wie dort ein
rechtsextremer Treffort verhindert werden kann, sagte er nur allgemein, es
gelte die Rechtslage.
Bei der Immobilie in Pirna wiederum, die anteilig Hättaschs Frau und seinem
Schwiegervater gehört, scheint man da mit den Gegenmaßnahmen schon weiter
zu sein. In einem „Lagebild“ zu rechtsextremistisch genutzten Immobilien,
das die Innenministerien aller fünf ostdeutschen Bundesländer im Jahr 2024
gemeinsam herausgaben, heißt es zum „Haus Montag“: Dies sei ein Beispiel
dafür, wie die Nutzbarkeit solcher Immobilien für rechtsextremistische
Veranstaltungen mithilfe des Baurechts eingeschränkt werden könne.
Bauauflagen und Nutzungsvereinbarungen verhinderten größere
öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen oder Konzerte.
Ein Szenetreffpunkt blieb die Immobilie trotzdem.
Transparenzhinweis: Dieser Text wurde am 16.03.2026 aktualisiert. Nach
Erstveröffentlichung haben wir den Text um Ausführungen zu einem Urteil des
Verwaltungsgerichts Hamburg zu der Entlassung von Kurt Hättasch aus der
Bundeswehr ergänzt, das inzwischen veröffentlicht wurde.
11 Mar 2026
## LINKS
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(DIR) [18] https://dserver.bundestag.de/btd/19/263/1926359.pdf
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(DIR) [20] /Rechtsextreme-Netzwerke-in-Sachsen/!6021990
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