# taz.de -- Verwandtenaffäre in der AfD Thüringen: Von wegen völkische Saubermänner
> Vor allem AfD-Funktionäre aus Thüringen kritisierten zuletzt
> Vetternwirtschaft in der AfD. Dabei gibt es auch hier Fälle, die Anlass
> zu Fragen geben.
(IMG) Bild: Die Mutter der AfD-Landtagsabgeordneten Vivien Rottstedt hat einen lukrativen Job für die Erfurter AfD-Stadtratsfraktion
In den vergangenen Tagen gab sich der stramm völkische
AfD-Landtagsfraktion- und Landesvorsitzende aus Thüringen seriös. Seine
Funktionäre suggerierten, Björn Höcke und sein Landesverband würden bei
Beschäftigungsverhältnisse ausschließlich auf Kompetenz setzen und sich
nicht von Kontakten leiten lassen. Anstellungen von Familienmitgliedern und
Freunden um die selbst ernannte Alternative? Nicht in Thüringen, nicht
unter Höcke, so der Tenor.
Die Vetternwirtschaft würden andere in der extrem rechten AfD in anderen
Bundesländern betreiben. Höckes rechte Hand in Berlin, Torben Braga,
[1][forderte mit einem gepfefferten Fragenkatalog] in der
Bundestagsfraktion endlich Aufklärung und Höcke teilte schon zu Beginn der
Verwandtenaffären einen Text von seinem Einflüsterer Götz Kubitschek, in
dem dieser forderte, dass man in der Partei aufräumen müsse.
Blöd nur, wenn es da auch vor der eigenen Tür etwas aufzukehren gibt. Im
Erfurter Rathaus etwa: Geht man durch die Gänge, fällt ein Name an einem
Türschild der AfD-Fraktion auf: „Fraktionsgeschäftsführerin Frau
Rottstedt“. Es handelt sich um die Mutter der Landtagsabgeordneten Vivien
Rottstedt, die selbst Teil der Stadtratsfraktion ist. Die Tochter ist
insofern auch ihre Arbeitgeberin.
Im Stadtrat sitzt auch der AfD-Bundestagsabgeordnete Stefan Möller. Er ist
ebenfalls ein enger Vertrauter von Höcke. Mit Höckes Segen hofft Möller,
der auch Landes-Co-Chef ist, in den Bundesvorstand beim kommenden
Bundesparteitag in Erfurt gewählt zu werden. Langsam aber stetig wollen
Höcke und seine Vertrauten so ihre Machtbasis in der Partei ausbauen.
Auch mit dem Skandalisieren der Verwandtenaffäre bringen sie sich dafür in
Stellung. So forderte Möller vor ein paar Wochen im [2][Stern schärfere
Verhaltensregeln] und brachte eine neue Satzung auf dem Bundesparteitag ins
Gespräch. Da war gerade bekannt geworden, dass der Vater von Ulrich
Siegmund, Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt, für zeitweise bis zu 7.700
Euro im Bundestag arbeitet. Überkreuzanstellungen reichten über
Sachsen-Anhalt hinaus, sagte Möller da: „Unser Anspruch als AfD war immer,
dass wir sauberer agieren als die anderen Parteien. Auch wenn die
Anstellungen legal sind, bedeuten sie ein Problem für unsere
Glaubwürdigkeit.“
## „Über jeden Zweifel erhaben“
Die Beschäftigung der Mutter einer Landtagsabgeordneten als
Geschäftsführerin der Rathausfraktion in Erfurt ordnet Möller nun deutlich
anders ein: „Die Frau Rottstedt ist hinsichtlich ihrer Qualifikation über
jeden Zweifel erhaben“, sagte Stefan Möller der taz. „Das hat kein
Geschmäckle: Ich unterscheide zwischen Parlamentsebene und der
ehrenamtlichen kommunalen Ebene.“ Man habe ohnehin Probleme, genügend
Kandidaten zu finden – „wenn wir auf der Ebene auch noch sämtliche
familiären Beziehungen ausschließen, könnten viele Stellen und Mandate
nicht besetzt werden“, behauptet Möller.
Auf den Hinweis, dass man auch im Stadtrat als Fraktionsgeschäftsführerin
nicht ehrenamtlich arbeitet und bis zu 4.000 Euro verdient, sagte Möller:
„Die Angemessenheit des Gehalts wird von der Stadtverwaltung gerade unter
Berücksichtigung der Qualifikation intensiv geprüft.“ Eine Bevorteilung
durch die Partei oder Fraktion sei damit ausgeschlossen, findet Möller:
„Nicht jede Anstellung eines Familienmitglieds ist anrüchig – etwa wenn
Leistung und Befähigung jeden Zweifel an der Eignung und damit den Gründen
der Einstellung ausräumen.“ Für Möller falle auch die [3][Anstellung des
Ehemanns der Landtagsabgeordneten Wiebke Muhsal] – „eines hoch
qualifizierten promovierten Philologen“ – im Bundestagsbüro eines weiteren
Thüringer Parteifreundes in diese Kategorie.
Die Landtags- und Stadtratsabgeordnete Vivien Rottstedt teilte der taz auf
Anfrage mit, dass sie sich grundsätzlich nicht zu persönlichen
Verhältnissen äußere. Ihre Mutter habe sich bei der Fraktion beworben, die
Entscheidung hinsichtlich der Anstellung und Bezüge seien Sache des
Fraktionsvorstandes, dem sie nicht angehöre: „Ich habe den Vorgang weder
unterstützt noch beeinflusst“, so Rottstedt.
## AfD-Fraktion streitet sachwidrige Begünstigung ab
Die Erfurter AfD-Stadtratsfraktion wollte zu persönlichen Verhältnissen und
der Bezahlung keine Angaben machen. Auf die Höhe des Gehalts habe die
Fraktion keinen Einfluss, die Entscheidung über die Einstellung sei „als
Kollegialorgan“ getroffen worden – „Anlass war eine Initiativbewerbung von
Ivonne Rottstedt“. Sie leiste nach dem Ausscheiden der bisherigen
Geschäftsführerin zu Jahresbeginn ihren Dienst. Es gebe in diesem Fall
keine sachwidrige Begünstigung, so der Fraktionsvorstand, „in Rücksprache
mit Frau Ivonne Rottstedt kann ich Ihnen ferner mitteilen, dass sie
deutlich weniger Entgelt erhält als die bisherige Geschäftsführerin“. Es
gebe kein Geschmäckle oder Anhaltspunkte für Kungelei oder
Vetternwirtschaft, heißt es vom Fraktionsvorstand.
Was Mutter Rottstedt verdient, will die Stadtverwaltung nicht beantworten,
über die ihr Vertrag läuft. Die Bezahlung der Mitarbeitenden sei in einer
nicht einsehbaren Vereinbarung mit dem Oberbürgermeister getroffen worden.
Den Fraktionen stünden insgesamt 90.000 Euro für laufende Zwecke zur
Verfügung, für Gehälter freier Angestellter wiederum rund 1,3 Millionen
Euro. Es gebe in der Stadtverwaltung keine Compliance-Regelungen für die
Stadtrats- und Fraktionsarbeit – zum Familienstand oder
Verwandtschaftsverhältnissen der Familie Rottstedt sei dort nichts bekannt,
etwaige Daten würden nicht erhoben.
Aus anderen Fraktionen ist zu hören, dass die Geschäftsführer nach Tarif im
öffentlichen Dienst bezahlt werden. Eine Kolleg*in aus einer anderen
Fraktion verdient etwa – abhängig von Beschäftigungsdauer und Qualifikation
– [4][Brutto zwischen 3.900 und 5.500 Euro].
## Bundestag will wegen AfD Regeln verschärfen
Die [5][Zeit berichtete ebenfalls bereits davon], dass wiederum Möller im
Bundestag ebenfalls die Abgeordnete eines Stadtrates beschäftigt, deren
Mann auch im Stadtrat sitzt. Ähnliches gilt für den Thüringer
Bundestagsabgeordneten Torben Braga: Er beschäftige eine Frau, die im
selben Kreistag sitze wie ihr Ehemann.
Im Bundestag dürfen Abgeordnete keine engen Verwandten oder Ehepartner und
eingetragene Lebenspartnerschaften beschäftigen. Angesichts der vielen
Angehörigen bei der AfD, die in Überkreuzanstellungen für die extrem rechte
Partei tätig sind, gibt es nun Bestrebungen, die Vorschriften zu
verschärfen.
Der parlamentarische Geschäftsführer der Union, Hendrik Hoppenstedt, schlug
etwa vor, dass künftig Verwandte von Abgeordneten nicht mehr in den Büros
anderer Bundestagsabgeordneter arbeiten und dafür aus der
Mitarbeiterpauschale bezahlt werden können. In der AfD gibt es eine
Vielzahl solcher Beschäftigungen. Der CDU-Politiker sagte: „Diese nicht
vorstellbare Vetternwirtschaft der AfD verlangt eine konsequente Antwort.“
10 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Vetternwirtschaft-in-der-AfD/!6159402
(DIR) [2] https://www.stern.de/politik/deutschland/postenaffaere-in-afd--bjoern-hoeckes-co-chef-fordert-schaerfere-regeln-37131842.html
(DIR) [3] https://www.welt.de/politik/deutschland/article699587a7f7cab1fa8ee5e4b8/inside-afd-podcast-neue-faelle-von-verwandten-anstellung-afd-vizechef-fordert-anderen-umgang-mit-affaere.html
(DIR) [4] https://oeffentlicher-dienst.info/c/t/rechner/tv-l/allg?id=tv-l&g=E_10&s=5&zv=VBL&z=100&zulage=&stkl=1&r=0&zkf=1&kk=16.1%25
(DIR) [5] https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-02/abgeordnete-bundestag-angehoerige-beschaeftigung-verflechtungen?freebie=9b5f9533
## AUTOREN
(DIR) Andreas Speit
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