# taz.de -- SPD-CDU-Koalition in Brandenburg: Spitzenduo der Gegensätze
       
       > Dietmar Woidke und Jan Redmann führen das neue Bündnis an. Ihr
       > Koalitionsvertrag ist nur 37 Seiten stark und stützt sich vor allem auf
       > Vertrauen.
       
 (IMG) Bild: Auf sie wird es ankommen in der künftigen SPD-CDU-Koalition in Brandenburg: Dietmar Woidke (SPD) und Jan Redmann (CDU)
       
       Manchmal sind es die kleinen Gesten, die mehr als viele Sätze sagen. Etwa,
       dass SPD-Landeschef und Ministerpräsident Dietmar Woidke für den neben ihm
       sitzenden CDU-Vorsitzenden Jan Redmann ein Fläschchen Mineralwasser öffnet
       und eingießt, während der eine Journalistenfrage zum Koalitionsvertrag
       beantwortet. Es deutet jedenfalls darauf hin, dass an dem gerade
       beschworenen guten Verhältnis zwischen den beiden etwas dran sein könnte.
       Und auf dieses Verhältnis wird es ankommen in einem Bündnis, das [1][so
       viel wird sparen müssen] wie noch kein anderes in Brandenburg.
       
       Rund sechs Wochen haben SPD und CDU an diesem Vertrag gearbeitet. Zügig war
       es damit losgegangen, nachdem das nach der Landtagswahl im Herbst 2024
       geschlossene Koalition von SPD und dem „Bündnis Sahra Wagenknecht“ (BSW)
       [2][Anfang Januar scheiterte]. „Sehr harte Verhandlungen“ seien es gewesen,
       sagt Woidke bei der Vertragsvorstellung im Presseraum des Potsdamer
       Landtags, „in Teilen schwierige Verhandlungen“. Das überrascht etwas, weil
       in solchen Fällen eine Seite oft etwas durchsickern lässt, um durch
       öffentlichen Druck doch noch etwas durchzusetzen.
       
       Das aber passierte nicht – was nun gleichfalls belegen würde, dass die
       beiden es ernst miteinander meinen. Denn gescheiterte Zusagen, dem
       jeweiligen Partner auch Erfolge zu gönnen, die gab es bei solchen
       Gelegenheiten zuhauf – nicht zuletzt im benachbarten Berlin. Nicht nur der
       Umgang miteinander soll anders sein. Schon der nun vorgestellte Vertrag
       weicht vom üblichen Vorgehen ab. Er geht nicht Ressorts oder Politikfelder
       durch, sondern Grundprobleme des Landes. Gerade 37 Seiten umfasst er, 6
       davon sind mit rund 60 konkreten Maßnahmen gefüllt. Der Koalitionsvertrag
       zwischen SPD und BSW war 69 Seiten lang. Offiziell ist er noch ein Entwurf,
       über den bei der SPD ein Parteitag am 14. März, bei der CDU eine bis zum
       13. währenden Mitgliederbefragung befindet. Zustimmung gilt jedoch als
       sicher.
       
       Laut Redmann, bislang Chef der CDU-Landtagsfraktion und mutmaßlich
       künftiger Innenminister, soll es ein „agiler Koalitionsvertrag“ sein, der
       jährlich angepasst wird – „niemand weiß, wie die Welt, wie Brandenburg 2028
       aussieht“. Die taz-Frage danach, was dann noch an konkreten Festlegungen
       bleibt, die eine Koalition gerade in kriselnden Momenten stützen können,
       dreht er um: Würde man alles kleinteilig bis zum Ende der Wahlperiode 2029
       festschreiben, so wäre das doch „ein Indiz dafür, dass es schon am Anfang
       ein Vertrauensdefizit gibt“.
       
       Was in dem Text nicht vorkommt: eine konkrete Strategie, dieses und
       nächstes Jahr je rund 3 Milliarden Euro einzusparen. „Man kann den Prozess
       der Haushaltsaufstellung nicht in Koalitionsverhandlungen vorziehen“, sagt
       Redmann. Passieren soll laut Woidke das: In der nächsten Plenarsitzung in
       zwei Wochen wird es einen Antrag zu den Finanzen geben, die erste
       Klausurtagung der neuen Regierung wird die Eckwerte des künftigen Haushalts
       überarbeiten.
       
       In jener Landtagssitzung sollen auch die neuen Minister vereidigt werden.
       Eine Bestätigung von Woidke als Ministerpräsident, wie sie etwas die AfD
       gefordert hat, ist nicht vorgesehen – „ich bin für fünf Jahre gewählt“,
       sagt Woidke. Anders als die CDU macht der SPD-Vorsitzende schon öffentlich,
       was sich bei der SPD im Kabinett verändert. Der zentrale Punkt: Der
       bisherige Innenminister René Wilke, für diesen Job erst im Mai 2025 von
       seinem Oberbürgermeisterposten in Frankfurt (Oder) geholt, soll sein
       Ministerium für die CDU räumen. Dafür soll er das um zusätzliche
       Kompetenzen erweitere Sozialministerium leiten.
       
       Wie um dem Eindruck entgegenzutreten, Wilke rücke nun in den Hintergrund,
       adelt Woidke sein neues Amt als „Regine-Hildebrandt-Ministerium“ – [3][die
       2001 gestorbene Politikerin], nach der auch die SPD-Landeszentrale benannt
       ist, war nach der Wende Brandenburgs erste und ungemein populäre
       Sozialministerin. Sie an diesem Morgen zu erwähnen, passt allerdings nicht
       ganz: Hildebrandt trat 1999 aus Protest dagegen zurück, dass die SPD mit
       der CDU koalierte.
       
       Außer dem Innenministerium übernimmt die CDU noch zwei weitere bisher
       SPD-geführte Ressorts. Dass das neben Wirtschaft das Feld Bildung ist,
       kommt einer Zäsur im Land gleich: Seit 1994 war das Ministerium in
       SPD-Hand. Als erste konkrete Maßnahme kündigt CDU-Generalsekretär Gordon
       Hoffmann das Ende des bisherigen gemeinsamen Rahmenlehrplans mit Berlin an.
       
       ## Spitzenduo der Gegensätze
       
       Nach gut eineinviertel Stunden verlässt das neue Brandenburger Spitzenduo
       den Presseraum. Die angekündigte Augenhöhe ist nun zumindest wortwörtlich
       wieder weg – der 1,96 Meter große Woidke überragt Redmann um einen Kopf.
       Zudem ist der eine 64, der andere 46 Jahre alt, der eine seit fast einem
       Vierteljahrhundert in der Landesregierung, der andere war noch nie
       Minister. „Inkognito“, so Woidke, wollen sie sich im Januar allein in
       Berlin getroffen haben und auch über Persönliches gesprochen haben.
       
       Das klingt so ganz anders als noch vor und nach der Landtagswahl, als
       Redmann Woidke hart attackierte. Ihrer beider Verhältnis wird so zum
       Messpunkt für Erfolg oder Misserfolg ihrer Koalition, der spätestens bei
       der nächsten Wahl 2029 abzulesen ist. Denn die größte Herausforderung ist
       es für Woidke, Demokratie und Freiheit vor Extremismus zu schützen, sprich
       vor einem weiteren Wachstum der AfD: „Das ist der Geist, der uns trägt.“
       
       5 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) Stefan Alberti
       
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