# taz.de -- Rot-schwarze Koalition in Brandenburg: Bodenständig gegen die Rechtsextremen
> SPD und CDU setzen darauf, mit zwei „Landeiern“ als Führungsduo die AfD
> kleiner kriegen zu können. Nah-am-Bürger-sein haben aber schon viele
> versprochen.
(IMG) Bild: Bodenständig, ländlich und zusammen statt gegeneinander wie in den Horst-Krause-Filmen: So wollen SPD und CDU die AfD aufhalten
34 Prozent. Jeder und jede Dritte im Land Brandenburg. Das ist der Grad der
Zustimmung, den die AfD [1][in der jüngsten Umfrage Mitte Januar] bekommen
hat. Zur Landtagswahl vor 17 Monaten waren es noch 29 Prozent. Geht das so
weiter, führt das bei der nächsten Wahl 2029 zu einer rechtsextremen
Mehrheit im Landtag. Das neue Führungsduo der Brandenburger Landespolitik,
der SPDler Dietmar Woidke und der CDUler Jan Redmann, wird damit zum
letzten Aufgebot, um eine AfD-Machtübernahme zu verhindern. Funktionieren
soll das mit der Polizeihauptmeister-Krause-Methode: bodenständig,
alltagsnah – und möglichst großstadt- sprich Potsdam-fern.
Zum Ersten, was Woidke jüngst bei der Vorstellung des Koalitionsvertrags
sagte, gehört der Satz: „Das ist die wichtigste und die größte
Herausforderung, vor der wir stehen, nämlich Demokratie und Freiheit in
unserem Land gegen Extremisten zu schützen.“ Es ist dann in eben jener
Pressekonferenz und anderswo viel davon die Rede, näher bei den Bürgern zu
sein, mehr zuzuhören und auch, besser miteinander umzugehen als frühere
Koalitionen. Weil das beiden Partnern hilft – und Streit ohnehin in der
Wählerschaft schlecht ankommt und Wasser auf die Mühlen der AfD ist.
Wobei auch frühere Bündnisse mit ebensolchen Ankündigungen gestartet sind.
Schon bei der Kenia-Koalition 2019 zwischen SPD, CDU und Grünen war das so.
Und im benachbarten Berlin versprach sich Rot-Grün-Rot Augenhöhe während
Schwarz-Rot sogar das Schlusskapital seines Koalitionsvertrags mit „Gutes
Regieren“ überschrieb. Wobei es aber bei Ankündigungen blieb.
Nun also soll es auf eine Weise gehen, die hier mit „Methode Krause“
beschrieben sein soll. Also auf den Spuren jener RBB-Filmfigur, in der der
2025 verstorbene Schauspieler Horst Krause erst im „Polizeiruf“, dann in
neun abendfüllenden ARD-Produktionen den gleichnamigen Polizeihauptmeister
spielte. Einen, dem Macher lieber waren als Vielschnacker, der nicht mehr
Worte als nötig machte und bei aller Ordnungsliebe und Massigkeit einen
weichen Kern hatte.
## Landverbunden statt Großstadt-nah
Denn es fiel bei der Vertragsvorstellung schon auf, wie landverbunden sich
Woidke und Redmann gaben und so wenig wie möglich als Produkte der
Landeshauptstadt Potsdam. Die ist zwar mit rund 188.000 Einwohner die
drittkleinste deutsche Landeshauptstadt und doch nicht wenigen
Brandenburger so fern wie einem US-Farmer im Mittleren Westen das
Polit-Raumschiff Washington.
Da sagt Redmann etwa, um eine Verbindung zu dem eigentlich so
gegensätzlichen, weil fast 20 Jahre älteren und viel regierungserfahreneren
Woidke hinzubekommen, dass sie „beide Landeier“ sind: der SPDler mit
Wohnort und Wahlkreis in der Lausitz und er selbst in der Prignitz. Das
klingt so, als sollte bloß keiner meinen, er, der smarte, schwule Jurist
Mitte 40 sei in der Hauptstadt zu Hause, wo er 2024 [2][mit einer
Rollerfahrt unter Alkoholeinfluss] Schlagzeilen machte.
Die Frage ist bloß, ob es für die Horst-Krause-Methode des Zuhörens und
Machens nicht zu spät ist. Schon vor Jahren war aus der CDU-Fraktion
beispielsweise über die Lausitz sinngemäß zu hören: Wir erreichen da viele
gar nicht mehr, die wollen gar nichts mehr von uns wissen, die seien fest
in AfD-Hand. Und selbst Woidke, der mit seiner nicht unumstrittenen
Strategie – „Ich oder die AfD“ – bei der Wahl 2024 mit seiner SPD siegen
konnte, verlor dabei seinen eigenen Wahlkreis Spree-Neiße I an die AfD.
Viel wird davon abhängen, wie sehr sich Arbeitsplatzverlust im Land stoppen
kann – und wie sehr die Regierung vermittelt, sich dagegenzustemmen. Jan
Redmann sagt bei der Vorstellung des Koalitionsvertrags einen Satz, der in
der Flut von Ankündigungen und Namen fast untergeht: „Man kann Vertrauen
bei den Menschen nicht einfordern, man kann Vertrauen nur erarbeiten.“
## Stabilere Verhältnisse im Landtag
Auf Regierungsebene wird sich dabei gegenüber der Koalition mit dem BSW
wenig ändern – Woidke hatte wiederholt [3][die Zusammenarbeit mit den drei
BSW-Kabinettsmitgliedern gelobt]. Anders aber im Landtag: da wird das
Regierungsbündnis künftig von einer weiterhin knappen, aber verlässlichen
Mehrheit getragen.
Dass sowohl Ex-BSW-Landeschef Robert Crumbach als früherer Finanz- und
künftiger Infrastrukturminister als auch René Wilke weiter an Bord sind,
macht dabei Hoffnung. Beide haben sich in vergelichsweise kurzer Zeit einen
guten Namen gemacht, auf pragmatisch-verständliche Weise Politik zu machen,
egal ob es darum geht, Kürzungen oder Abschiebungen nachvollziehbar zu
erklären.
Zusätzlichen Schwung bringen könnte als Bildungsministerin die
Landesvorsitzende der Frauen-Union, Kristy Augustin, zu Hause in
Märkisch-Oderland, [4][die lange für eine CDU-interne Frauenquote kämpfte].
Die Besetzung des Ministeriums ist zwar noch offen. Aber Augustin kann
sowohl Fachwissen als bildungspolitische Sprecherin der Landtagsfraktion
als auch das Gewicht ihrer Mitgliedschaft im CDU-Bundesvorstand einbringen
– die sich im Zweifelsfall für Brandenburg nutzen lässt.
Die Quintessenz der Horst-Krause-Methode hätten Woidke und Redmann
eigentlich in die Präambel ihres Koalitionsvertrags schreiben können. „Ich
will den Leuten nichts vorspielen“, sagte Schauspieler Krause mal in einem
Interview. „Ich will glaubwürdig sein.“
5 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.wahlrecht.de/umfragen/landtage/brandenburg.htm
(DIR) [2] /Vor-der-Landtagswahl-in-Brandenburg/!6024818
(DIR) [3] /100-Tage-SPD-BSW--Koalition/!6073219
(DIR) [4] /Ausweitung-der-Frauenquote/!5694284
## AUTOREN
(DIR) Stefan Alberti
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