# taz.de -- Neue SPD-CDU-Regierung in Brandenburg: Landei wird Innenminister
> Bei der Brandenburg-Wahl 2024 bescherte CDU-Landeschef Jan Redmann seiner
> Partei ein Desaster. Nun steigt er trotzdem zur Nummer 2 in der
> Landesregierung auf.
(IMG) Bild: „An sich jetzt nicht so euphorisch“: Brandenburgs neuer Innenminister und Vize-Regierungschef Jan Redmann (CDU)
Er wolle die Dinge jetzt anders machen, „als wir das in der Vergangenheit
gemacht haben“, sagt Brandenburgs CDU-Chef und neuer Innenminister Jan
Redmann. Dem Koalitionspartner „Erfolge gönnen“, zum Beispiel. Und das sei
„nicht nur ein Lippenbekenntnis“.
Redmann hat das in den vergangenen Wochen immer und immer wieder gesagt –
wie zum Start einer Koalition üblich. Die am Mittwoch in Potsdam vereidigte
neue Landesregierung aus SPD und CDU macht mit Blick auf die beliebten
Floskelwolken keine Ausnahme: So wahr mir Gott helfe.
Zweieinhalb Monate [1][nachdem im Januar die bundesweit erste und
vermutlich auch letzte Koalition aus SPD und Bündnis Sahra Wagenknecht
auseinander geknallt ist], hat Brandenburg nun wieder eine Regierung mit
einer parlamentarischen Mehrheit. Und Redmann ist als Vize-Regierungschef
nach offizieller Lesart die große Nummer 2 hinter dem alten und neuen
SPD-Ministerpräsidenten Dietmar Woidke.
Es ist nicht nur der Höhepunkt in der politischen Karriere des 46-jährigen
Juristen, die bisher ausschließlich eine parteipolitische Ochsentour war:
Vorsitzender der Jungen Union Brandenburg, CDU-Chef im
nordbrandenburgischen Landkreis Ostprignitz-Ruppin, Fraktionsvorsitzender
im Landtag, Chef der Landes-CDU. Es ist vor allem auch erstaunlich, dass
Redmann sich all die Jahre überhaupt im christdemokratischen Sattel halten
konnte – und jetzt auch noch weiter aufgestiegen ist.
## Schlechtestes CDU-Ergebnis ever
Schließlich war Jan Redmann auf seinem Weg nach oben auch Spitzenkandidat
seiner Partei bei der Landtagswahl 2024. Auf den Plakaten mit seinem
Konterfei und seinem Namen gab er die Zielmarke vor: „Ministerpräsident für
Brandenburg“. [2][Die Wahl wurde zum Desaster für Redmann.] Mit 12,1
Prozent fuhr die CDU im September 2024 das schlechteste Ergebnis bei einer
Landtagswahl überhaupt ein.
Vorherige Parteichefs trieb die Brandenburger CDU nach weniger miserablen
Wahlergebnissen meist früher als später aus dem Amt. Redmann überstand die
Niederlage, auch weil es ihm schon zuvor gelungen war, den in der
Vergangenheit als tief zerstrittenen Intrigantenstadl bekannten
Landesverband halbwegs zusammenzuhalten. Ende vergangenen Jahres wurde der
Udo-Lindenberg-Fan und ehemalige Kampfpanzerschütze als Parteivorsitzender
wiedergewählt.
Redmann ist kein lauter Volkstribun. „Der Brandenburger ist an sich jetzt
nicht so euphorisch“, hat er mal gesagt. Das trifft auch auf ihn zu. Er ist
freundlich, wirkt aber stets etwas distanziert. Aufgewachsen in der
strukturschwachen Prignitz im Norden des Bundeslandes, hebt der offen
schwul lebende Innenminister auch gern seine Bodenständigkeit hervor.
Jüngst bezeichnete er sich als „Landei“.
Überregional in die Schlagzeilen geriet der Spitzenmann der CDU im Sommer
2024, als er „nach einem geselligen Abend mit Freunden“ auf dem „kurzen
Rückweg“ zu seiner Wohnung in Potsdam-Babelsberg mit 1,3 Promille im Blut
auf einem E-Scooter von der Polizei angehalten wurde. Redmann gab sich
reuig und musste 8.000 Euro Geldstrafe zahlen.
## Gewerkschaft mit Bedenken
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat ihm die Suff-Fahrt noch Anfang März
vorgehalten: „Ein ertappter Straftäter sollte nicht Innenminister werden“,
zitierte die Berliner Boulevardzeitung B.Z. ein namentlich nicht genanntes
GdP-Vorstandsmitglied. Dazu die empörte Frage: „Wie wirkt das denn auf die
Polizei-Kollegen und die Öffentlichkeit?“
Dem Gemaule zum Trotz: Die CDU wollte den Posten, die CDU bekam den Posten.
Dass der bisherige SPD-Innenminister René Wilke seinen Job gut gemacht
hatte, interessierte wenig. Wilke, der als „Kronprinz“ von
Ministerpräsident Dietmar Woidke gehandelt wird, [3][wurde mit einem neuen
„Superministerium“ für Arbeit, Soziales, Gesundheit und gesellschaftlichen
Zusammenhalt abgefunden.]
Zur Begründung, weshalb es denn in der neuen Koalition ausgerechnet das
Innenressort sein musste, führte Redmann an, die Menschen würden der Union
im Bereich innere Sicherheit einfach „große Kompetenzen zumessen“. Das muss
reichen. Was genau Redmann anders machen wird als sein Vorgänger, hat er
bislang nicht verraten.
SPD und CDU verweisen vor allem darauf, dass sie neue Stellen bei der
Polizei schaffen wollen, bis 2029 soll der Personalbestand von derzeit rund
8.300 auf 9.000 steigen. Gleiches stand freilich schon im vorangegangenen
Koalitionsvertrag von SPD und BSW. Auch die „zusätzlichen Kräfte zur
Bekämpfung der grenzüberschreitenden Kriminalität“ in der „erweiterten
deutsch-polnischen Grenzregion“ finden sich so ähnlich schon im
Vorgängervertrag.
## Beweglicher Liberaler
Noch im vergangenen Jahr hatte Redmanns CDU eine „märkische Grenzpolizei“
nach bayerischem Vorbild gefordert. Das ist inzwischen zu den Akten gelegt.
Man werde sich zwar dafür „einsetzen“, dass die besagte neue
Einsatzhundertschaft geschaffen wird, heißt es in der
Koalitionsvereinbarung. Die soll aber nur „vorrangig der Bewältigung
polizeilicher Lagen“ im Umfeld des Hauptstadtflughafens BER dienen.
Überhaupt scheint Redmann sehr beweglich. In der an notorischen
Rechtsauslegern nicht armen CDU Brandenburg gilt er zwar als Liberaler. Im
Landtagswahlkampf 2024 hielt ihn das aber nicht davon ab, die rechte
Law-and-Order-Keule zu schwingen. So forderte er, die Strafmündigkeit von
Kindern auf 12 Jahre herabzusetzen. Straffällige Jugendliche sollten nach
seinen Plänen nach Erwachsenenstrafrecht abgeurteilt werden. Vergessen und
vorbei.
„Gemeinsam werden wir hart dafür arbeiten, dass Brandenburg wirtschaftlich
stark und sozial gerecht bleibt“, kündigte Ministerpräsident Dietmar Woidke
am Mittwoch an. Sein neuer Vize Jan Redmann fügte hinzu: „Da habe ich hohen
Respekt vor, vor dieser Aufgabe.“
18 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Rainer Rutz
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