# taz.de -- Koalitionsverhandlungen in Brandenburg: Es geht schon ohne Trauschein
       
       > SPD und CDU äußern sich zwar nicht zum Stand ihrer Gespräche. Im Landtag
       > aber beschließen sie auch ohne Vertrag einen ersten gemeinsamen Antrag.
       
 (IMG) Bild: Dietmar Woidke (r.) führt demnächst eine SPD-CDU-Koalition an. Offen ist, ob der 64-Jährige wie Reiner Haseloff vorzeitig abtritt
       
       Wenn es ein Indiz ist, dass nichts nach außen dringt, dann laufen sie gut,
       die eineinhalb Wochen alten brandenburgischen Koalitionsverhandlungen
       zwischen SPD und CDU. Gerade mal zu hören war jüngst, dass das gemeinsame
       Regieren angesichts der Finanzlage kein Bullerbü werde. Und ein Blick in
       die erste Landtagssitzung am Mittwoch zeigt: Eine offizielle politische Ehe
       brauchen SPD und CDU gar nicht, um schon einen gemeinsamen Antrag
       vorzulegen und quasi trauscheinfrei zu beschließen.
       
       Es ist zwar nicht gerade das strittigste aller Brandenburger Themen, das
       die SPD für die Aktuelle Stunde als wichtigste Debatte hat festlegen
       lassen. Um die Grüne Woche geht es, um die Landwirtschaft des Landes. Und
       dass die zu stärken ist, auch gegenüber zu viel Gängelung durch die EU,
       gilt bei SPD und CDU genauso wie bei den Oppositionsfraktionen von AfD und
       Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW). Umstritten ist bloß, wie und in welchem
       Maße das geschehen soll.
       
       Dass die Koalition de facto schon steht, auch wenn auf der Regierungsbank
       noch keine CDUler sitzen, bestätigt der Antrag, über den abzustimmen ist:
       Ihn reichen die offiziell noch gar nicht verbundenen Sozial- und
       Christdemokraten gemeinsam ein. Wohin sich der vormalige Koalitionspartner
       BSW währenddessen entwickelt, zeigt die Abstimmung über einen
       konkurrierenden Antrag der AfD: Der findet große Unterstützung in der
       BSW-Fraktion, die [1][nach internen Verwerfungen] und fünf Austritten auf
       neun Mitglieder geschrumpft ist.
       
       Diese erste Parlamentssitzung des Jahres beginnt vor einem besonderen
       Hintergrund. Denn während in Potsdam die Aktuelle Stunde startet, [2][wählt
       der Landtag in Sachsen-Anhalt fast zeitgleich einen neuen
       Ministerpräsidenten], nachdem der langjährige Amtsinhaber Reiner Haseloff
       (CDU) zurückgetreten war. Haseloff, 71, ist zwar sieben Jahre älter als
       sein 64-jähriger langjähriger brandenburgischer Kollege Dietmar Woidke
       (SPD). Aber in Potsdam gilt es als ausgemachte Sache, dass auch Woidke vor
       der nächsten Landtagswahl 2029 abtritt, damit ein anderer SPDler mit
       Amtsbonus in ebendiese Wahl gehen kann. In der Zeit war jüngst sogar zu
       lesen, Woidke sei amtmüde.
       
       ## Innenminister gilt als möglicher Nachfolger
       
       Als möglicher Nachfolger gilt der charismatische Innenminister René Wilke,
       auch wenn der erst im Mai 2025 ins Amt kam und – früher über zwei
       Jahrzehnte in der Linkspartei, dann parteilos – erst im November der SPD
       beitrat. Ambitionen wurden zeitweise auch Daniel Keller nachgesagt, bis zur
       Landtagswahl im Herbst 2024 SPD-Fraktionschef und seither brandenburgischer
       Wirtschaftsminister.
       
       Vorerst aber wird Woidke bald Deutschlands dienstältester Ministerpräsident
       sein. Denn nach dem Rücktritt Haseloffs ist nur noch sein grüner Kollege
       Winfried Kretschmann in Baden-Württemberg länger im Amt als der 2013
       gewählte Woidke. Kretschmann aber will [3][nach der im März anstehenden
       Landtagswahl in seinem Bundesland nicht mehr weitermachen].
       
       Unter welch schwierigen Rahmenbedingungen SPD und CDU die Eckpunkte ihrer
       künftigen Koalition verhandeln müssen, hatte vorige Woche der amtierende
       Finanzminister und frühere BSW-Landesvorsitzende Robert Crumbach klar
       gemacht. Er sitzt an diesem Mittwoch wie seine beiden nun gleichfalls
       parteilosen früheren BSW-Parteifreunde Britta Müller und Detlef Tabbert mit
       auf der Regierungsbank vor den Abgeordneten. Woidke, der stets betont
       hatte, mit den BSW-Ministern gut zusammenzuarbeiten, hat sie nach dem Ende
       der SPD-BSW-Koalition Anfang Januar im Amt belassen.
       
       Crumbach, der das BSW 2024 ins Parlament und in die Regierung geführt
       hatte, wandte sich nach vielfachen Querelen und persönlichen Verletzungen
       zu Jahresbeginn vom BSW ab und schloss sich als Parteiloser der
       SPD-Fraktion an. Als Finanzminister rechnete er vorige Woche vor, dass dem
       Land Brandenburg für die Haushalte 2027 und 2028 jeweils über 3 Milliarden
       Euro fehlen. „Einsparungen und zum Teil auch schmerzhafte Einschnitte“
       sagte Crumbach dabei voraus.
       
       ## Ex-BSW-Abgeordnete sorgen für neue Mehrheit
       
       CDU-Fraktionschef Jan Redmann, der die christdemokratischen Verhandler
       anführt, mühte sich bereits am Dienstag, diese Prognose als gar nicht so
       große Einschränkung für die Koalition auszulegen. Denn aus seiner Sicht
       erwarten die Menschen in Brandenburg von einer Landesregierung, „gut
       geführt zu werden – und zu führen bedeutet nicht, sich ein Bullerbü
       auszumalen, das real nicht existiert“.
       
       Immerhin wird sich die absehbare rot-schwarze Koalition dabei auf eine
       breitere Mehrheit stützen können als vormals SPD und BSW. Rot-Schwarz
       verfügt zwar auch mit Crumbach und einer weiteren zur SPD gewechselten
       früheren BSW-Abgeordneten ebenfalls bloß über 46 der 88 Sitze im
       brandenburgischen Landtag. [4][Die 3 weiteren nun fraktionslosen
       Ex-BSWler], die als parlamentarische Gruppe unter dem Namen „Wir für
       Brandenburg“ firmieren wollen, dürften aber im Zweifelsfall nicht gegen das
       künftige, dann fünfte Kabinett Woidke stimmen. Beim Antrag zu Grüner Woche
       und Landwirtschaft ist das jedenfalls schon so.
       
       28 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Stefan Alberti
       
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