# taz.de -- Linkenpolitikerin über Dublin-Zentrum: „Nur noch Bett, Brot und Seife“
       
       > Einrichtungen wie das Hamburger Dublin-Zentrum könnte es bald bundesweit
       > geben. Carola Ensslen von der Linkspartei sagt: Hier geht die Angst um.
       
 (IMG) Bild: Liegt ganz am Rand der Stadt: das Dublin-Zentrum für Geflüchtete in Hamburg
       
       taz: Frau Ensslen, der Bundestag verabschiedet Freitag ein Gesetz, [1][das
       Sonderzentren für Geflüchtete] erlaubt. Hamburg hat schon ein
       Dublin-Zentrum. Was wissen Sie darüber? 
       
       Carola Ensslen: Das Zentrum liegt ganz am Rand der Stadt, aber wir waren
       mit Infoständen vor Ort. Ich erlebe, dass dort die Angst umgeht. Den Leuten
       ist klar, sie stehen kurz vor der Abschiebung und wurde deshalb dorthin
       verlegt. Und sie sind von Leistungen ausgeschlossen.
       
       taz : Was bedeutet das? 
       
       Ensslen: Nur noch Bett, Brot und Seife. Sie können dort schlafen, sie
       bekommen zu essen. Und dann gibt es nur noch einmalig 8,85 Euro für
       Hygiene. Das ist alles. Sie erhalten kein Geld, keine Bezahlkarte. Sie
       bekommen keine Fahrkarte. So können sie nicht weg. Sie schlafen in einer
       Halle zwischen Trennwänden. So ungemütlich wie möglich.
       
       taz : Wer kommt dorthin? 
       
       Ensslen: Zunächst wurden dort „Dublin-III-Fälle“ gesondert untergebracht,
       also Menschen, die über ein anderes EU-Land einreisten und dorthin
       zurücksollen. Aber seit Herbst belegen sie die Halle auch mit Fällen, die
       als „Sekundärmigration“ gelten. Das sind Menschen, die in einem anderen
       EU-Land Schutzstatus bekamen und weiterwanderten. Griechenland ist ein
       schlimmes Beispiel. Menschen leben dort in Obdachlosigkeit und als
       Tagelöhner. Aber das Bundesverwaltungsgericht sagt, die können dahin
       zurück. Das ist heftig.
       
       taz : Wie viele sind dort? 
       
       Ensslen: Ich habe dazu Anfragen an die Stadt gestellt. Als nur
       Dublin-III-Fälle dorthin kamen, waren dort so 10 bis 15 Leute drin. Aber
       dann hat man das quasi aus wirtschaftlichen Gründen auf die
       Sekundärmigration ausgedehnt. Die Einrichtung ist für 300 Menschen gedacht
       und war mit 10 Dublin-Fällen unausgelastet. Mit Sekundärmigration kriegen
       sie das auf 100 gefüllt. Das ist das, was sie mir sagen.
       
       taz : Wieso muss das Zentrum wirtschaftlich sein? 
       
       Ensslen: Sonst gibt der Senat viel Geld für wenig Effekt aus. Es sind nicht
       sehr menschenfreundliche Erwägungen. Zurzeit sind zwischen 80 bis 100 drin.
       Ein Teil wird abgeschoben, ein Teil taucht unter, ein Teil kann nicht
       abgeschoben werden. Und ein Teil kommt von dort in Abschiebehaft.
       
       taz : Drängt das Zentrum die Menschen in die Illegalität? 
       
       Ensslen: Ja. Allein im letzten Quartal tauchten 13 Personen unter. Der Weg
       zurück ist schwer.
       
       taz : Das Prinzip „Bett, Brot, Seife“ erklärten Sozialgerichte für
       rechtswidrig. Half das? 
       
       Ensslen: Die wenigen, die klagten, bekamen wieder die Leistungen. Aber die
       anderen nicht. Dabei gibt es bundesweit viele Entscheidungen, die diese
       Praxis für rechtswidrig erklärten.
       
       taz : Wieso tut die Stadt das? 
       
       Ensslen: Mir scheint, es wird für den Senat zur Prestigeangelegenheit,
       Härte zu zeigen. Zwar hat der Bezirk Wandsbek, in dem das Zentrum liegt,
       protestiert. Aber es liegt eben ab vom Schuss und fällt wenig auf.
       
       taz : Sind dort auch Kinder? 
       
       Ensslen: Nein, es sind dort nur Männer. Der Senat sagt, es sei nicht für
       vulnerable Personen. Aber das wird nicht geprüft. Wir lernen dort auch
       Menschen kennen, die suizidal und traumatisiert sind. Die jungen,
       alleinstehenden Männer haben es am schlechtesten. Und jetzt kommt mit der
       Erfassung dieser Sekundärmigration eine große Gruppe in den Fokus, die echt
       zu kämpfen hat. Einige versuchen ihren Aufenthalt mit Sprachelernen und
       Ausbildungsplatz zu sichern. Aber es ist schwer in der Kürze der Zeit.
       
       26 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Deutsches-GEAS-Gesetz/!6096166
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Kaija Kutter
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Dublin-System
 (DIR) Immigration
 (DIR) GEAS (Gemeinsames Europäisches Asylsystem)
 (DIR) Asylpolitik
 (DIR) Interview
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Asylpolitik
 (DIR) Alexander Dobrindt
 (DIR) Schwerpunkt Flucht
 (DIR) Schwerpunkt Flucht
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Umstrittene GEAS-Reform durchgewunken: Bundestag verschärft Asylrecht
       
       Die schwarz-rote Koalition setzt die europäische Asylreform, Geas, in
       nationales Recht um. Linke und Grüne kritisieren Lager für Geflüchtete.
       
 (DIR) Dobrindt will Arbeitsverbote aufheben: Schlingern zwischen Abschottung und Integration
       
       Innenminister Dobrindt hat angekündigt, Geflüchtete früher arbeiten zu
       lassen. Doch der Vorschlag wirft viele Fragen auf.
       
 (DIR) Wahrscheinlicher Rechtsbruch an Grenzen: Der Innenminister hat Kontrollzwang
       
       Bundesinnenminister Alexander Dobrindt verlängert die Kontrollen an den
       Grenzen um ein halbes Jahr. Dabei hatte der Kanzler zuletzt signalisiert,
       sie beenden zu wollen.
       
 (DIR) Migration in die EU: Zahl der irregulären Grenzübertritte weiter gesunken
       
       Laut der EU-Küstenwache Frontex kommen immer weniger Geflüchtete über die
       Grenzen. Nicht auf allen Routen gehen die Zahlen zurück.