# taz.de -- Rechtsextremes Netzwerk-Treffen in Porto: AfD holt sich Abschiebe-Tipps von ICE-Kommandeur
       
       > AfD-Vize-Chef Kay Gottschalk nahm an einem rechtsextremen Netzwerktreffen
       > in Portugal teil. Er kuschelte dort mit Greg Bovino, alias „Gestapo
       > Greg“.
       
 (IMG) Bild: Shakehands mit „Gestapo Greg“: AfD-Vize-Sprecher Kay Gottschalk (r.) und Trump-Kettenhund Greg Bovino in gegenseitiger Bewunderung
       
       Die AfD sammelt weiter Verbotspunkte: Am Wochenende nahmen nicht nur
       mehrere AfD-Abgeordnete mal wieder an einem [1][Propaganda-Gipfel in
       Russland] teil, sondern auch der stellvertretende AfD-Bundessprecher Kay
       Gottschalk an einem Kongress, bei dem der Rechtsextremist Martin Sellner
       und seine verfassungsfeindlichen Konzepte eine namensgebende Rolle
       spielten: beim „Remigration Summit“ in Portugal. Dort lichtete sich der
       Bundesvorstand Gottschalk nun mit einem regelrechten Hardliner des globalen
       Autoritarismus ab: [2][Gregory Bovino], den Gottschalk beim obligatorischen
       Instagram-Foto als „legendär“ bauchpinselte.
       
       Tatsächlich trifft es berüchtigt besser: [3][Bovino] ist das Gesicht des
       radikalisierten US-Abschieberegimes und gilt als Trumps Bluthund für die
       massenhaften und menschenrechtswidrigen ICE-Einsätze im letzten Jahr.
       Bovino war direkt verantwortlich den Einsatz in Minneapolis, wo die
       US-Amerikaner Renée Good und Alex Pretti jeweils vor laufenden
       Handy-Kameras erschossen wurden. Wegen des öffentlichen Aufschreis danach
       und weil Bovino als Verantwortlicher dreist in die Kamera log, dass der
       Einsatz ordnungsgemäß gelaufen sei, [4][musste er in den vorzeitigen
       Ruhestand]. Bovino inszeniert sich gerne martialisch in langen schwarzen
       Mänteln und mit Fantasieuniformen, was ihm in den USA den Spitznamen
       [5][„Gestapo-Greg“] eingebracht hat.
       
       Kay Gottschalk lud nicht nur ein gemeinsames Bild hoch, sondern postete
       auch am Montagnachmittag ein Video. Es führt pseudolegalistische
       Distanzierungen der AfD von Rechtsextremen und ihren Kettenhunden ad
       absurdum.
       
       ## „Die Deutschen sind sehr gut darin“
       
       In dem Video unterhalten sich der AfD-Vize-Parteichef und Greg Bovino über
       Bovinos Rolle in der US-Administration und seine ICE-Einsätze. Er sei für
       „Mass deportations“ (Massendeportationen) verantwortlich gewesen, sagt
       Bovino, die man in Europa ja „Mass repatriations“ (Abschiebungen) nenne.
       „Könnten wir das Gleiche auch in Deutschland und Europa machen?“, fragt ihn
       Gottschalk. Die Sympathie ist offensichtlich gegenseitig: Bovino antwortet:
       „Kay, absolut!“ Man solle die „gut“ funktionierenden Dinge aus den USA
       direkt in Deutschland einführen, schlägt Bovino vor.
       
       Dann redet er über seine „City Hopping Campaigns“, die man in den Jahren
       vor Trumps Regierungszeit entwickelt habe. Die Abschiebe-Großaktionen von
       maskierten ICE-Einheiten haben vielfach zu Menschenrechtsverstößen, aber
       auch große Gegenprotestes und nicht zuletzt die Erschießungen von Good und
       Pretti geführt. Vielfach wurden auch US-Bürger verhaftet.
       
       Bovino verweist auf seine Expertise und sagt: „Ihr habt das nötige
       Fachwissen – ich bin nur einen Telefonanruf entfernt … Es gibt immer Wege.
       Die Deutschen sind sehr gut darin.“ Wenn man die Kreativität und Innovation
       der AfD und Deutschland in Abschiebungen und „Remigration“ stecke, werde
       Deutschland dabei schnell und erfolgreich sein, lobt wiederum Bovino. Er
       selbst hatte in den USA davon gesprochen, [6][100 Millionen Menschen
       abschieben zu wollen] – das ist nach Schätzungen zehnmal so viel, wie es
       undokumentierte Einwanderer in den USA geben soll. In der AfD gibt es
       [7][ähnliche Rechnungen].
       
       Gottschalk, ebenfalls Teil der AfD-Fraktion im Bundestag, lädt ihn
       zwischendurch noch nach Berlin ein: „Vielleicht kann ich dich in den
       Bundestag einladen, damit du uns aus deinen Erfahrungen ein paar Ideen für
       Deutschland geben kannst?“ – Bovino antwortet: „Darauf kannst du wetten.“
       Am Ende schütteln sich die beiden lächelnd die Hände.
       
       ## Offener Schulterschluss mit Rechtsextremen
       
       Mitorganisiert wurde das Treffen vom [8][österreichischen Rechtsextremisten
       Martin Sellner], dem Kopf der Identitären Bewegung, von dem sich die AfD
       offiziell distanziert. Wie wenig diese Distanzierung auch zu seinem
       verfassungswidrigen Remigrationskonzept wert sind, zeigte sich am
       Wochenende erneut. Bovino war als „Experte“ für „Remigration“ in der Praxis
       eingeladen.
       
       Gottschalk, nicht der einzige AfD-Abgeordnete vor Ort, lobte die
       Veranstaltung ausgiebig – was einem offenen Schulterschluss mit der
       Identitären Bewegung und der völkischen Ideologie gleichkommt. Die
       Parteispitze hatte vor [9][zu viel Nähe zu Sellner gewarnt] – auch wegen
       der laufenden Verfahren zur Einstufung durch den Verfassungsschutz sowie
       mit Blick auf ein mögliches Verbotsverfahren.
       
       Sellners Remigrationskonzept umfasst auch „nicht assimilierte“
       Staatsbürger, also Deutsche, die den Rechten nicht deutsch genug aussehen
       oder sonst wie nicht ins Weltbild passen. Das Bundesverwaltungsgericht hat
       dies [10][offiziell als verfassungswidrig eingestuft]. Die AfD nutzt den
       Begriff trotzdem mit einer formal abgeschwächten Definition – klassische
       [11][rechtsextreme Hundepfeifen-Politik].
       
       Der „Remigration Summit“ wurde führend von Sellner beworben und strickt mit
       an der Verschwörungserzählung vom Bevölkerungsaustausch, die sich
       mittlerweile auch [12][regelmäßig in den Wahlprogrammen der AfD]
       wiederfinden.
       
       Wie „Remigration“ in der Praxis aussehen könnte, ist wohl damit auch im
       letzten Jahr in den USA deutlich geworden. Mittlerweile finden sich in
       mehreren AfD-Landesverbänden Forderungen nach einer Abschiebepolizei,
       mitunter sogar [13][mit klarem Bezug zu den amerikanischen ICE-Agenten].
       Auch in Berlin fordert die AfD eine Art Bürgerwehr, die sie
       „Bezirkspolizei“ nennt. In Sachsen-Anhalt wollen die extrem Rechten eine
       „Asyl-, Fahndungs- und Abschiebegruppe“ und in Mecklenburg-Vorpommern plant
       die Partei große Abschiebegefängnisse und eine „Grenz- und
       Rückführungspolizei“.
       
       2 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/innenpolitik/id_101275294/kotre-urban-frohnmaier-afd-prominenz-reist-zu-putins-wirtschaftsforum-.html
 (DIR) [2] /ICE-Chef-Gregory-Bovino/!6149155
 (DIR) [3] https://www.nytimes.com/2026/03/24/us/gregory-bovino-border-patrol.html
 (DIR) [4] /Chef-aus-Minneapolis-abgezogen/!6149142
 (DIR) [5] /ICE-Chef-Gregory-Bovino/!6149155
 (DIR) [6] https://www.nytimes.com/2026/03/24/us/gregory-bovino-border-patrol.html
 (DIR) [7] /Fascho-Prozess-in-Halle/!6019980
 (DIR) [8] https://correctiv.org/aktuelles/neue-rechte/2026/06/01/afd-remigration-summit-sellner-bovino-2026/
 (DIR) [9] /AfD-Brandenburg-laedt-Martin-Sellner-ein/!6145900
 (DIR) [10] /Nach-Compact-Verbot/!6094336
 (DIR) [11] /Rechte-Codes-und-Chiffren/!6078463
 (DIR) [12] /AfD-beschliesst-Wahlprogramme/!6182982
 (DIR) [13] /Trumps-USA-als-Vorbild/!6148778
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gareth Joswig
       
       ## TAGS
       
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