# taz.de -- AfD in Sachsen-Anhalt: Mitglieder-Brandbrief aus Angst vor Absturz
       
       > Die AfD streitet weiter über Vetternwirtschaft in Sachsen-Anhalt. Nach
       > einem Brandbrief von der Basis will der Bundesvorstand schlichten.
       
 (IMG) Bild: Der Zustand der AfD in Sachsen-Anhalt (Symbolbild)
       
       Über zwei Stunden hat die Bundesvorstandssitzung der extrem rechten AfD am
       Montag gedauert. Grund dafür war vor allem die Unzufriedenheit mit
       Sachsen-Anhalt. Die Sorge der Parteispitze, knapp acht Monate vor der
       Landtagswahl: dass der Traum der Rechtsextremen von einer ersten „blauen
       Regierung“ in Ostdeutschland platzen könnte.
       
       Ein richtiger Beschluss stand am Ende nicht. Nur die lose Vereinbarung,
       dass der stellvertretende Bundessprecher Kay Gottschalk vermitteln soll in
       der eskalierten Schlammschlacht innerhalb des Landesverbands. Dort werfen
       sich die Protagonisten vieles vor: [1][Privatreisen auf
       Steuerzahlerkosten], [2][dubiose Geschäftspraktiken] und vor allem die
       gegenseitige Versorgung von Angehörigen mit Parlamentsposten [3][in
       sogenannten „Über-Kreuz-Anstellungen“].
       
       Zuletzt kam heraus, dass mehrere Angehörige von AfD-Abgeordneten bei
       anderen AfD-Mandatsträgern beschäftigt sind. Der Filz, den die
       selbsternannte Alternative ständig den vermeintlichen Altparteien
       unterstellt, findet sich offenbar in den eigenen Reihen. Das markanteste
       Beispiel: Der Vater des Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund ist beim
       AfD-Bundestagsabgeordneten Thomas Korell für monatlich 7.725 Euro
       angestellt. Die Eltern des Landtagsabgeordneten Matthias Büttner sind
       ebenso bei Korell tätig, [4][berichtete etwa das ZDF-Magazin „Frontal“].
       
       Bundes-Vize Gottschalk soll nun als Vermittler zwischen den Fronten
       ausloten, was an den Vorwürfen dran ist und ob es gelingen kann, etwaige
       fragwürdige Anstellungen zu beenden. Ein Versuch, „das Schlimmste zu
       verhindern“, wie aus Bundesvorstandskreisen zu hören ist – Sachsen-Anhalt
       bleibt also ein Problem auf Wiedervorlage. Gottschalk hatte sich dem
       Vernehmen nach selbst als Vermittler ins Spiel gebracht.
       
       ## „Die größte Gefahr sind hausgemachte Skandale“
       
       Wie groß die Sorge auch innerhalb der Basis ist, belegt unterdessen ein
       Brandbrief aus der AfD Sachsen-Anhalt an den Bundesvorstand, der der taz
       vorliegt. „Die größte Gefahr sind derzeit nicht unsere Gegner, sondern
       hausgemachte Skandale, Machtkämpfe und öffentlich ausgetragene Vorwürfe“,
       heißt es darin. Unterschrieben ist der Brief von „Mitgliedern der
       AfD-Sachsen-Anhalt“ wie auch „im Namen zahlreicher Unterstützer an der
       Basis“.
       
       Der Brief formuliert „dringenden Handlungsbedarf“. Die Mitglieder warnen,
       dass die „historische Chance“ der Regierungsübernahme nicht nur wegen der
       „Vetternwirtschaft“ und den Beschäftigungen im Umfeld von Mandaten
       gefährdet sei, sondern auch wegen „Immobilien- und Geldfragen rund um
       Landesverband und Landtagsfraktion“. Der „politische Schaden“ sei schon da
       – unabhängig von „der rechtlichen Bewertung“.
       
       Vor allem den parlamentarischen Geschäftsführer der Landtagsfraktion,
       Tobias Rausch, sehen die Mitglieder als den „politischen Verantwortlichen“,
       der die Auseinandersetzung weiter eskalieren lasse. Doch auch Landeschef
       Martin Reichardt, der für die AfD im Bundestag sitzt und selbst Beisitzer
       im Bundesvorstand ist, werfen sie namentlich vor, „nicht sichtbar“
       eingeschritten zu sein.
       
       Einerseits fordern die Briefschreiber Aufklärung. Andererseits halten sie
       den beiden Funktionären vor, Siegmund in der „Skandal- und Konfliktlage“
       nicht professionell unterstützt und geschützt zu haben. Sie bitten deswegen
       den Bundesvorstand, die „Vorgänge im Landesverband und Landtagsfraktion
       unabhängig zu prüfen“, sowie den Spitzenkandidaten „aktiv“ in der
       „Krisenkommunikation“ zu beraten.
       
       Denn an der Basis bestünde längst „der Eindruck, dass er schlecht beraten
       ist und unter massivem Druck steht“. Das könnte „die gesamte Partei mit
       nach unten ziehen“, warnen sie und betonen, dass bei der anstehenden
       Landtagswahl für viele Wählende „Siegmund als Person“ zur Wahl stehe.
       
       Mit der Sorge sind die Mitglieder nicht alleine. Aus dem Milieu in und um
       die AfD kommen besorgte Stimmen. Der AfD-Bundestagsmitarbeiter Benedikt
       Kaiser zitiert auf X einen „weisen MdB“: „Vermeintliche Nazi-Skandale
       verzeiht der AfD-Wähler schnell, weil es politische Zuspitzungen sind. Was
       er nie verzeihen würde, wären Korruptionsnetze“. In Umfragen liegt die AfD
       in Sachsen-Anhalt bei 40 Prozent – vor dem hausgemachten Skandal.
       
       10 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Vorwuerfe-von-Vetternwirtschaft-in-AfD/!6152612
 (DIR) [2] https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/innenpolitik/id_100848262/afd-und-der-spion-aus-china-familie-schmidts-diskrete-diamantendeals.html
 (DIR) [3] https://correctiv.org/aktuelles/neue-rechte/2026/02/06/vetternwirtschaft-afd-sachsen-anhalt-ulrich-siegmund-mitarbeiter/
 (DIR) [4] https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/afd-vorwuerfe-vetternwirtschaft-100.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Speit
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