# taz.de -- Vetternwirtschaft bei der AfD: Ein mafiöses Patronagesystem
> Die AfD gibt sich als Partei der kleinen Leute – und handelt gegenteilig.
> Das ist eine Verhöhnung der eigenen Wählerschaft.
(IMG) Bild: Scheint sich für keine Schweinerei zu schade zu sein: die AfD
Es müsste jetzt eigentlich auch AfD-Wählern dämmern, dass sie regelrecht
für dumm verkauft werden. Aufgehetzt werden sie seit Jahren gegen eine
vermeintlich korrupte Elite, die Steuergeld verschwende, sich den Staat zur
Beute mache. Nur die AfD würde endlich für Ordnung sorgen.
Nun zeigt sich: AfD-Politiker klopfen täglich solche markigen Sprüche und
stellen dann den Vater eines Parteifreundes auf Steuerzahlerkosten ein: für
ein [1][stattliches Gehalt von zeitweise gar 7.700 Euro]. Sie inszenieren
sich als Partei des kleinen Mannes und lassen zugleich die [2][Partnerin
für 6.000 Euro im Fraktionsbüro arbeiten]. Oder bringen nicht nur drei
Geschwister und einen Schwager unter, sondern gleich noch [3][eine ganze
Viererkette aus dem eigenen Fußballklub]. Der verhasste Staat fungiert für
die Rechtsextremen als Selbstbedienungsladen.
Wirklich überraschend dürfte das wohl nur für AfD-Wähler sein. Der
ungarische Staatschef Viktor Orbán wird nicht von ungefähr immer wieder als
Vorbild in der AfD benannt. Der schleift in seinem Land die Demokratie und
hat sein Land zum korruptesten und einem der ärmsten der EU gemacht –
während er selbst in einem riesigen Palast residiert. Der
Vetternwirtschaftsskandal der AfD zeigt, dass man die Partei hier beim Wort
nehmen darf, sie würde es an der Macht wohl ähnlich machen: Demokratie und
Rechtsstaat schleifen und sich danach selbst bereichern.
## Da wird sogar die CSU blass vor Neid
Das Ausmaß von Fällen, die binnen kurzer Zeit bekannt geworden sind, dürfte
sogar die CSU vor Neid erblassen lassen: Reihenweise Familienmitglieder
drücken sich in Bundestagsbüros und Fraktionsgeschäftsstellen die Klinke in
die Hand und sahnen auf Steuerzahlerkosten ab. Die niedersächsische
EU-Parlamentarierin Anja Arndt schreibt in einem Brandbrief sogar davon,
dass in ihrem Landesverband ein System existiere, nachdem
Bundestagsabgeordnete 35 Prozent ihres Mitarbeiterbudgets für Parteiarbeit
im landeseigenen AfD-Netzwerk reservieren mussten.
Das wäre Zweckentfremdung öffentlicher Gelder und damit möglicherweise
strafbar. Allein in Niedersachsen könnte es um bis zu 1,45 Millionen Euro
gehen. Während der dortige Landesvorstand dementiert, droht in
Sachsen-Anhalt die nächste Runde in der internen Schlammschlacht um
Vetternwirtschaft.
Schätzungen aus der Fraktion zufolge dürfte bis zur Hälfte der
AfD-Bundestagsabgeordneten mitmachen bei etwas, das eher an ein
Patronagesystem der Mafia erinnert als eine Rechtsstaatspartei. Wenn es
nicht stumpf um Bereicherung der eigenen Familie geht, lautet der Deal:
Geld gegen politischen Einfluss, also Listenplätze gegen Gratisanstellungen
im Bundestagsbüro.
Ein AfD-Mitglied und MdB-Mitarbeiter [4][sagte der taz diese Woche]: „Das
läuft so: Ich leite den Kreisverband XY und bringe acht Delegierte zum
Parteitag mit, die dann für dich stimmen. Dafür möchte ich aber vier Jahre
Gehalt.“ Und so bekommt das Selbstbild deutliche Risse, wohlgemerkt in
einem Superwahljahr, in dem für die AfD jedes Prozent entscheidend sein
könnte.
20 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Vetternwirtschaft-in-der-AfD/!6156203
(DIR) [2] https://correctiv.org/aktuelles/neue-rechte/2026/02/06/vetternwirtschaft-afd-sachsen-anhalt-ulrich-siegmund-mitarbeiter/
(DIR) [3] https://www.mz.de/mitteldeutschland/sachsen-anhalt/afd-steuergeld-fussball-verein-4200453
(DIR) [4] /Vetternwirtschaft-in-der-AfD/!6156203
## AUTOREN
(DIR) Gareth Joswig
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