# taz.de -- Iran-Proteste: Linke sind solidarisch – nur nicht mit Reza Pahlavi
       
       > Schweigt „die“ Linke zum Iran? Diese Behauptung wird vor allem von Leuten
       > verbreitet, die zum Grauen in Gaza geschwiegen haben. Sie ist falsch.
       
 (IMG) Bild: All eyes on Iran, no eyes on monarchists
       
       Ein Gerücht geht um, und es setzt sich fest. Linken falle es angeblich
       schwer, den Freiheitskampf der Iraner zu unterstützen – so tönt es seit
       Wochen aus rechten Medien, von der Neuen Zürcher Zeitung bis zu Nius. Das
       behaupten der Ex-Tagesschau-Sprecher Constantin Schreiber, der
       Islamkritiker Ahmad Mansour und der TV-Kabarettist Florian Schröder, und so
       war es auch schon in der taz zu lesen.
       
       Viele vergleichen die Proteste gegen den Genozid in Gaza mit der Empörung
       über das bisher größte Massaker des iranischen Regimes an der eigenen
       Bevölkerung und kommen dabei zu dem Schluss, Linke würden „bei Gaza
       schreien und beim Iran schweigen“, wie es etwa Schreiber formulierte.
       
       Wenn man eine Behauptung nur oft genug wiederholt, wird sie für wahr
       gehalten. Dieses Phänomen ist psychologisch gut belegt und als
       „Wahrheitseffekt“ bekannt. Demagogen wie Donald Trump, Wladimir Putin und
       Benjamin Netanjahu bedienen sich dieser Methode gerne. Manchmal verbreitet
       sich eine Behauptung aber auch ganz von selbst, weil sie beliebten Annahmen
       entspricht und Vorurteile bestätigt. Deshalb lohnt es sich zu hinterfragen:
       Tut sich die Linke wirklich schwer damit, sich mit den Protesten im Iran zu
       solidarisieren?
       
       Sicher, es gibt linke Splittergruppen, die sich hinter das iranische Regime
       stellen, weil sie glauben, es würde einen irgendwie gearteten
       „antikolonialen Kampf“ gegen die USA führen. Es gibt Prominente wie Roger
       Waters, der zu wissen meint, dass die meisten Iraner keinen „Regime Change“
       wollten, sondern nur nach wirtschaftlichen Reformen verlangten. Und von
       Greta Thunberg hat man zum Iran bisher tatsächlich wenig gehört. Aber
       sonst? Ist diese Behauptung in dieser Pauschalität einfach falsch.
       
       Die taz und andere linke und linksliberale Medien haben von Anbeginn
       ausführlich und emphatisch über die jüngste Protestwelle berichtet, die
       sich im Januar im Iran ausbreitete. Auch Linke und Grüne stellten sich früh
       und entschieden auf ihre Seite. Die Linken-Chefs Jan van Aken und Heidi
       Reichinnek nahmen schon am 11. Januar in Berlin [1][an einer Iran-Demo teil
       und erklärten sich solidarisch mit den „Menschen im Iran, die mutig gegen
       das Mullah-Regime auf die Straße gehen“], wie sie sagten.
       
       Die künftige Regierung des Iran sitze „nicht im Exil, sondern im
       Gefängnis“, setzte van Aken einen Seitenhieb gegen [2][Reza Pahlavi] hinzu
       – den Schah-Sohn, der sich Hoffnungen macht, auf den Thron zurückzukehren,
       von dem sein Vater einst gestürzt wurde. Es gibt gute Gründe, ihn und seine
       Anhänger mit Skepsis zu sehen. Aber sie sind nicht die einzigen Gegner des
       iranischen Regimes.
       
       ## Von praktischer Solidarität bei Konservativen keine Spur
       
       Die taz-Autorin Daniela Sepehri initiierte Mitte Januar [3][einen offenen
       Brief], indem mehr als 30 Prominente – darunter Luisa Neubauer und Katja
       Riemann – die Bundesregierung aufforderten, mehr Druck auf den Iran
       auszuüben. Und Linken-Chefin Ines Schwerdtner forderte von der
       Bundesregierung bereits am 6. Januar [4][einen sofortigen Abschiebestopp,
       „damit niemand an das Folterregime im Iran ausgeliefert wird“] – eine
       Forderung, der sich die Grünen anschlossen und die in einigen
       Bundesländern, in denen sie mitregieren, inzwischen umgesetzt wird.
       CSU-Innenminister Alexander Dobrindt dagegen lehnt einen generellen
       Abschiebestopp in den Iran bis heute ab: so viel zur praktischen
       Solidarität von Konservativen und Rechten.
       
       Beim Thema Iran betreiben Konservative gerne „Virtue Signalling“: sie
       inszenieren sich als vermeintlich moralisch integre Menschen, denn es
       kostet sie wenig. Denn wer die blutige Unterdrückung der Proteste im Iran
       kritisiert und Sanktionen fordert, der stellt sich nicht gegen die
       Staatsräson. Im Gegenteil: Die Bundesregierung straft, gemeinsam mit den
       USA und der EU, das Regime in Teheran [5][schon lange mit Sanktionen], um
       sein Atomprogramm zu behindern.
       
       Es ist viel schwieriger, gegen den Strom zu schwimmen und sich für die
       Menschenrechte auszusprechen, wenn es der Staatsräson widerspricht. Die
       Bundesregierung liefert keine Waffen an den Iran, mit denen bereits
       Tausende von Kindern und Hunderte von Journalisten getötet wurden.
       Deutschland ist aber – nach den USA – der [6][wichtigste Waffenlieferant
       Israels, und mit der EU der größte Handelspartner]. Das macht einen großen
       Unterschied – und wäre ein zusätzlicher Grund, gegen die deutsche
       Komplizenschaft zu protestieren. Doch das hat einen höheren Preis.
       
       ## Good protest, bad protest
       
       Wer bei der Berlinale für die Menschenrechte im Iran demonstriert, bekommt
       dort den roten Teppich ausgerollt. Wer dagegen Menschenrechte für
       Palästinenser einfordert muss damit rechnen, dass sich die Festivalleitung
       von ihm distanziert. Denn die Berlinale wird vom deutschen Staat
       finanziert, und Kulturstaatsminister [7][Wolfram Weimer hat dafür kein
       Verständnis].
       
       Wer gegen das Massaker im Iran auf die Straße geht, wird von der Polizei
       freundlich begleitet, über fragwürdige Slogans [8][wie „Tod den Linken“]
       hört sie geflissentlich hinweg. Wer gegen den Genozid in Gaza auf die
       Straße geht, muss damit rechnen, von der Polizei verprügelt und schikaniert
       zu werden – selbst Bagatellen werden als mögliche Straftat verfolgt.
       
       Der Berliner Senat ließ, als Zeichen der Solidarität mit den Protesten im
       Iran, das Brandenburger Tor jüngst sogar in den iranischen Nationalfarben
       und dem Slogan „Freiheit für Iran“ anstrahlen. Berlins CDU-Bürgermeister
       Kai Wegner weigert sich aber strikt, als Zeichen der Solidarität mit allen
       Opfern im Nahen Osten neben der Israelflagge auch eine palästinensische
       Flagge vor dem Roten Rathaus zu hissen, wie es Linke und Grüne fordern.
       
       Wem es um universelle Menschenrechte geht, der muss Freiheit und
       Gerechtigkeit für alle Menschen forden – ganz egal, ob sie nun vom
       iranischen Regime oder von Israel unterdrückt werden. Die Kritik [9][an
       einem angeblichen „Schweigen der Linken“] ist ein durchsichtiges Manöver,
       um vom eigenen Schweigen zu den Verbrechen in Gaza und im Westjordanland
       abzulenken. Dieser Vorwurf wird meist von Leuten vorgebracht, die zum
       Grauen in Gaza geschwiegen haben.
       
       20 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.youtube.com/shorts/AqpU8NnJwWY
 (DIR) [2] /Iranische-Opposition/!6155059
 (DIR) [3] https://www.deutschlandfunkkultur.de/taten-statt-worte-zum-iran-prominente-appellieren-an-bundesregierung-100.html
 (DIR) [4] https://www.tagesspiegel.de/politik/proteste-im-iran-linken-chefin-fordert-sofortigen-abschiebestopp-15105215.html
 (DIR) [5] /Proteste-in-Iran/!6146309
 (DIR) [6] /Deutschland-kauft-Ruestungsgueter-aus-Israel/!6107998
 (DIR) [7] https://www.morgenpost.de/kultur/article411255842/nach-offenem-brief-zu-gaza-weimer-stellt-sich-hinter-wenders.html
 (DIR) [8] https://jacobin.de/artikel/iran-protest-linke-solidaritaet-schah
 (DIR) [9] /Massaker-in-Iran/!6152368
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Daniel Bax
       
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