# taz.de -- Iranische Demo in München: Ein Aufgebot für den Prinzen
> Bei einer der größten Demos der Münchner Geschichte bereiten Exiliraner
> dem Sohn des Schahs einen begeisterten Empfang. Und setzen auf Trump.
(IMG) Bild: Ja servus, die Pro-Schah-im Iran-Demo in München
So viele Artgenossen auf einmal hat er wohl lange nicht gesehen: Der
bayerische Löwe, der an der Leine der Bavaria über der Münchner
Theresienwiese thront, sieht dort am Samstagnachmittag ein einziges
Fahnenmeer. Die meisten Flaggen sind grün-weiß-rot, iranisch. Aber nicht
die Variante, die die Mullahs nach der Machtübernahme eingeführt haben,
sondern die alte, eben die mit dem Löwen. Ein Löwe, der ein Schwert in der
Pranke hält und hinter dem eine Sonne aufgeht.
Die echte Sonne zeigt sich an diesem Samstag zwar nicht mehr, dennoch
strömen immer mehr Menschen auf den Platz. Es ist eine von mehreren
Iran-Demos, die während der Sicherheitskonferenz in München stattfinden –
wenn auch die bei weitem größte. Viele waren skeptisch. 100.000 Teilnehmer?
Das ist eine ganze Menge, die der Veranstalter, die gemeinnützige
Organisation The Munich Circle, da angemeldet hatte.
Am Ende wird die Polizei von bis zu 250.000 Teilnehmern sprechen. Damit ist
es eine der größten Demos in München überhaupt. [1][In derselben Liga der
Großdemo gegen Rechts], die vor ziemlich genau einem Jahr am selben Ort
stattfand.
Die größte Fahne flattert auf der gegenüberliegenden Seite der
Theresienwiese im Wind. Die Veranstalter haben eigens zwei Kräne
angeschleppt, um sie in der Luft zu halten. Unter die grün-weiß-roten
Fahnen haben sich aber auch noch andere Nationalitäten gemischt. Vor allem
deutsche, israelische und US-amerikanische Flaggen, aber auch französische,
schottische, griechische, ukrainische, österreichische und schwedische
Fahnen sieht man, sowie den Union Jack. Die Menschen hier, überwiegend
Exiliraner, sind zum Teil von weit angereist. Viele haben sich die
iranische Trikolore auch auf die Wangen gemalt.
## MAGA als Vorbild
Manche halten auch nur Bilder in die Höhe. Von Ermordeten des Regimes etwa
oder von solchen, denen die Hinrichtung droht. So wie Mona Noroozi. Oder
Saleh Mohammadi. Oder Melika Azizi. Das Schild mit ihrem Bild hält ihre
Mutter hoch.
Doch trotz der Trauer, der Angst um Angehörige, Freunde, Landsleute: Die
Stimmung ist gut, fast ausgelassen. Ein Hauch von Aufbruch weht über die
Theresienwiese – sei es aus Zweckoptimismus oder Überzeugung. Als seien es
nur noch die letzten Meter auf dem Weg zur Demokratie, die zu bewältigen
seien.
Das demokratische Vorbild freilich mag zu denken geben. Das Kürzel „MIGA“
ist allgegenwärtig. Auf Plakaten, auf Käppis. „Make Iran Great Again!“ Die
Anleihe ist offensichtlich. Und als etwas später das MAGA-Original in Form
des republikanischen US-Senators Lindsey Graham auf die Bühne tritt, ist
der Jubel groß. Graham zitiert seinen Chef Donald Trump: Hilfe sei auf dem
Weg. „U – S – A“, skandieren die Demonstrierenden.
## Sie wollen ihren König
Fünf Stunden harren sie hier aus – und tun lautstark ihren Wunsch nach
einem Regimewechsel im Iran kund. Fast scheint es als sei die Demonstration
nichts als ein einziger, nur hin und wieder durch einen Redebeitrag oder
ein Musikvideo unterbrochener Sprechgesang. Manchmal werden die Parolen auf
Englisch oder Deutsch skandiert: „Regime Change“, rufen die
Demonstrierenden dann, „Chamenei ist ein Terrorist“, „Democracy for Iran“
oder „Weg, weg, weg, die Mullahs müssen weg“. Das meiste jedoch ist Farsi.
Und man muss der Sprache nicht mächtig sein, um ein paar Wörter regelmäßig
herauszuhören: Iran, Shah, Reza Pahlavi. Und immer wieder der Ruf „Javid
Shah!“. Lang lebe der Schah! Denn wer auf die Mullahs folgen soll, darüber
ist man sich hier völlig einig: der Schah.
Ist er natürlich nicht. Reza Pahlavi, 65, ist lediglich der Sohn von
Mohammad Reza Pahlavi, dem letzten iranischen Schah, der sein Land fast 38
Jahre mit brutaler Hand als Monarch regiert hatte, bis ihn das Volk 1979
davonjagte.
Im Juni 1967 war Pahlavi senior mal als Staatsgast in Berlin. Auch damals
gab es eine Demonstration – allerdings gegen den autoritären Herrscher. Im
nationalen Gedächtnis ist der Protest vor allem deshalb hängengeblieben,
weil die Demonstrierenden brutal niedergeschlagen wurden, und der Polizist
Karl-Heinz Kurras den wehrlosen Studenten Benno Ohnesorg erschoss.
Aber lang ist das alles her, und Pahlavi junior ist nicht sein Vater – auch
wenn Kritiker ihm vorwerfen, sich nie wirklich von dessen Untaten
distanziert zu haben. Geschenkt. „Wir wollen unseren König“, steht auf
manchen der Schilder, die die Demonstrierenden mit sich tragen. Und das
Beste: Der Mann, dem sie – zumindest fürs Erste – die Geschicke ihres
Herkunftslandes anvertrauen wollen, hat sich höchstpersönlich als Redner
auf der Demo angemeldet.
Zuvor stehen aber noch etliche andere auf der Bühne, Iraner, Deutsche,
internationale Gäste. Der Publizist Michel Friedman etwa. „Die Welt schaut
seit 47 Jahren zu“, schimpft er. „Jetzt ist die Stunde der Wahrheit
gekommen.“ Keinen Handel dürfe es mit diesem Regime mehr geben, das er vor
einem internationalen Strafgericht sehen will. Und dass Botschafter des
Irans in Europa noch erwünscht seien, sei ein Skandal.
Und Belgiens Verteidigungsminister Theo Francken versichert der Menge: „You
are not alone!“ Während ein Hip-Hopper auftritt, sieht man, wie Helfer
hinter ihm eifrig eine Panzerglasscheibe putzen.
Und dann steht Reza Pahlavi plötzlich, nach einem weiteren eingespielten
Musikclip, hinter dieser Scheibe und verteilt Luftküsse. Er legt die Hand
aufs Herz. „Wir wissen, wir sind nicht allein“, sagt er und dankt der
internationalen Gemeinschaft dafür, dass sie an der Seite der iranischen
Bevölkerung stehe.
Die Mullahs hätten sie vor 47 Jahren als Geisel genommen. Ein Ende des
Mullah-Regimes sei aber nicht nur gut für die Iraner, sondern im Interesse
der ganzen Welt. Ein Post-Mullah-Iran werde beste nachbarschaftliche
Beziehungen zu den arabischen Ländern haben, auch zu Israel. Er werde einen
Übergang zu einer säkularen Zukunft des Landes garantieren, und „eines
Tages“ werde das Schicksal des Landes in freien Wahlen entschieden.
## Nur für den Übergang?
Tags zuvor hatte er noch versichert, er strebe im Iran keine Führungsrolle
an. „Ich habe keine persönlichen Ambitionen“, sagte er auf der Münchner
Sicherheitskonferenz. „Ich strebe nicht nach Macht. Ich möchte keine Krone
auf dem Kopf oder einen Titel.“
Und wie viele Iraner ihm tatsächlich die Macht überlassen wollen, ist trotz
der eindrucksvollen Demonstration auf der Theresienwiese ungewiss. Selbst
viele seiner Fans betonen, dass Pahlavi der Mann des Übergangs sei. Und
andere wollen ihm überhaupt keine Rolle im neuen Iran zubilligen.
Am Freitag demonstrierten am Münchner Odeonsplatz ebenfalls Exiliraner
gegen das Mullah-Regime. Die umstrittenen Volksmudschaheddin hatten unter
der Parole „No to the Shah, no to the Mullahs“ zu der Kundgebung
aufgerufen. Es kamen ein paar hundert Menschen.
15 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Muenchner-Grossdemo-gegen-Rechts/!6068033
## AUTOREN
(DIR) Dominik Baur
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Iran
(DIR) Reza Pahlavi
(DIR) Demonstration
(DIR) Sicherheitskonferenz
(DIR) München
(DIR) Benno Ohnesorg
(DIR) Karl-Heinz Kurras
(DIR) Proteste in Iran
(DIR) GNS
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Proteste in Iran
(DIR) Sicherheitskonferenz
(DIR) Visa
(DIR) Proteste in Iran
(DIR) Iranische Revolutionsgarden
(DIR) Iranische Revolution
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Iranische Opposition: Der Schah-Sohn ist kein Hoffnungsträger
Die Menschen in Iran brauchen unsere Solidarität. Auf Reza Pahlavi zu
setzen, der von rechtsextremen Kräften unterstützt wird, ist der falsche
Weg.
(DIR) Münchner Sicherheitskonferenz: Es war einmal der Westen
US-Außenminister Rubio erhält in München Applaus für rechts-identitäre
Ansagen. Auch die US-Opposition reagiert ratlos. Merz beeindruckt die SPD.
(DIR) Deutsche Botschaft im Iran: Visastelle geschlossen, Wiedereröffnung nicht in Sicht
Wegen der Gewalt des Regimes nimmt die Bundesrepublik in Iran keine
Visumsanträge mehr an. Die Grünen üben Kritik und fordern Hilfe speziell
für Studierende.
(DIR) Politischer Wandel im Iran: Die Stunde der Opposition
Das iranische Regime wirkt verwundbar wie lange nicht. Doch die
entscheidende Frage lautet nicht, ob es stürzt – sondern wer bereitsteht,
wenn es fällt.
(DIR) Europäische Iranpolitik: Die Sanktionen gegen die iranischen Revolutionsgarden wirken
Wer die jüngst beschlossene EU-Maßnahme als Symbolpolitik abtut, übersieht
ihre Folgen. Die entscheidende Frage ist: Was ist der nächste Schritt?
(DIR) SPD-Politiker zum Schah-Sohn: „Er ist die einzige Option“
Als Hoffnungsträger für Iran ist Reza Pahlavi umstritten. Am Samstag ist er
in München. SPD-Politiker Danial Ilkhanipour will mit ihm demonstrieren.