# taz.de -- Festnahmen in Iran: In der Islamischen Republik tobt der Machtkampf
> Das iranische Regime richtet sich gegen seine eigenen Kinder, nimmt
> mehrere bekannte Politiker der Reformfraktion fest. Doch warum
> ausgerechnet jetzt?
(IMG) Bild: Ajatollah Ali Khamenei spricht während eines Treffens in Teheran am 1. Februar 2026
[1][Zehntausende Protestierende wurden im vergangenen Monat in Iran
verhaftet oder getötet.] Nun geht die Islamische Republik gegen ihr eigenen
Kinder vor: Eine Reihe von Reformpolitikern wurden verhaftet, weitere
vorgeladen.
Innerhalb des iranischen Regimes gibt es hauptsächlich zwei Strömungen: die
Reformisten und die Prinzipalisten. Oberflächlich betrachtet gibt es
durchaus Konflikte zwischen diesen beiden Fraktionen. Diese Streitigkeiten
werden in den Medien öffentlichkeitswirksam ausgetragen. Doch letztlich
streben beide die Fortführung der Islamischen Republik an. Und am Ende
liegen wichtige Entscheidungen nach allgemeiner Einschätzung sowieso in den
Händen des Ajatollah Ali Khamenei und der ihm nahestehenden
sicherheitspolitischen und militärischen Kreise.
Die Reformisten betrachten sich selbst als die ursprünglichen Urheber der
Islamischen Revolution von 1979. Sie sollen es auch gewesen sein, die den
Grundstein für den Antiamerikanismus der Islamischen Republik legten.
Doch nun wurden prominente Vertreter verhaftet: etwa Ebrahim Asgharzadeh.
Laut historischen Dokumenten ist er unter den jenen, die hinter dem Angriff
auf die US-Botschaft am 4. November 1979 stand. Damals nahmen die radikalen
Angreifer Geiseln, deren Gefangenschaft dauerte über ein Jahr.
Unter den anderen Inhaftierten sind auch Anhänger des Regierungschefs
Masoud Pezeshkian, etwa Azar Mansouri und Ali Shakouri-Rad. Bemerkenswert
ist, dass [2][Masoud Pezeshkian] in seiner Rede am Tag nach den
Verhaftungen keinen Hinweis auf die Inhaftierung von Personen aus seinem
eigenen Lager machte.
## Drei Theorien zu den Festnahmen werden diskutiert
Doch warum wendet sich ausgerechnet jetzt der [3][Sicherheitsapparat der
Islamischen Republik] gegen seine eigenen Kinder? Drei
Erklärungsmöglichkeiten werden in Iran und unter Exil-Iranerinnen und
-Iranern diskutiert.
Die erste Option wird von Gegnern der Islamischen Republik vertreten.
Demzufolge ist der Sicherheitsapparat der Islamischen Republik damit
beschäftigt, innerhalb des iranischen Territoriums eine Alternative zur
Islamischen Republik zu schaffen. Dazu gehört auch, andere
Oppositionsfiguren – [4][etwa Schahsohn Reza Pahlavi] – ins Abseits zu
drängen. Möglicherweise werden nun also einige Insider verhaftet – um deren
Namen in Umlauf zu bringen und ihnen durch die Verhaftung Popularität und
öffentliche Anerkennung zu verschaffen.
Die zweite Erklärungsmöglichkeit wird von Reformern, die den Inhaftierten
nahestehen, vertreten. Sie behaupten, dass die Reformfront des Iran eine
Erklärung verfasst habe, in der Ali Khamenei aufgefordert werde, die Macht
abzugeben. Und die Autorität an den Präsidenten zu übergeben, um einen
Übergang vorzubereiten. Sie beziehen sich dabei auf eine angeblich
vorliegende, nicht verifizierte Audioaufnahme.
Das dritte Szenario wird ebenfalls von Reformern vertreten, die aber
offenbar unzufrieden mit Masoud Pezeshkian sind. Demzufolge hatten die
Inhaftierten eine Erklärung verfasst, in der sie Pezeshkian zum Rücktritt
aufforderten. Ein politischer Analyst in Iran, der die Reformer genau
beobachtet, sagte der taz: „Dieses Szenario scheint der Realität näher zu
kommen. In den mittleren Ebenen der Verwaltung besteht ein starkes
Interesse an Pezeshkians Rücktritt – allerdings in einer
sicherheitsorientierten und kontrollierten Weise.“
## Und was macht Ajatollah Ali Khamenei?
Den Namen des Analysten hält die taz zu seinem Schutz zurück. Er betont:
„Es gibt innerhalb der Reformer eine Tendenz, die Macht an Hassan Rouhani
übertragen zu wollen. Während auf der anderen Seite überzeugte Anhänger von
Khamenei und den Revolutionsgarden darüber nachdenken, wie sie Khameneis
Position schützen können. Und wie man ihn im Falle seiner Abwesenheit oder
seines Todes ersetzen könnte.“ Rouhani war einst Chefunterhändler der
Atomverhandlungen, und von 2013 bis 2021 – [5][also während des Abschlusses
des Atomdeals unter anderem mit den USA] – Präsident.
Die Reformisten und Prinzipalisten sind also derzeit in ihren eigenen
Machtkämpfen gefangen. Khamenei wacht derweil über die Krise, [6][in der
sich Iran auch auf wirtschaftlicher] und [7][gesamtpolitischer Ebene]
befindet. Und dürfte entschlossen sein, seine Macht um jeden Preis zu
erhalten.
11 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Mahtab Qolizadeh
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