# taz.de -- SPD-Politiker zum Schah-Sohn: „Er ist die einzige Option“
> Als Hoffnungsträger für Iran ist Reza Pahlavi umstritten. Am Samstag ist
> er in München. SPD-Politiker Danial Ilkhanipour will mit ihm
> demonstrieren.
(IMG) Bild: Fans von Reza Pahlavi auf einer Kundgebung in Frankfurt/Main
taz: Herr Ilkhanipour, am Samstag kommt Reza Pahlavi, der Sohn des letzten
Schahs, zur Sicherheitskonferenz nach München. Er soll auch bei einer
großen Irandemo sprechen, die nachmittags stattfindet und [1][zu der er
selbst über Social Media aufgerufen hat]. Fahren Sie hin?
Danial Ilkhanipour: Auf jeden Fall! Es ist sehr wichtig, dass viele kommen.
Ich fürchte, die meisten westlichen Politiker haben noch nicht ansatzweise
das Ausmaß dessen begriffen, was bei der letzten [2][Protestwelle im
Januar] geschehen ist. Diese Dimension der Gewalt ist eine Zäsur! Und wir
müssen jetzt die Stimme der Iranerinnen und Iraner sein und deutlich
machen, dass der Westen wirklich alles dafür tun muss, um den Menschen im
Iran zu helfen, sich selbst zu befreien.
taz: Sie haben Pahlavi mehrfach getroffen. Was halten Sie von ihm?
Ilkhanipour: Ich habe Prinz Pahlavi bei verschiedenen Veranstaltungen mit
Exiloppositionellen als sehr bescheidenen und aufrichtigen Mann erlebt. Er
betont seit Jahren, dass er einen demokratischen Iran möchte. Und er ist
der Einzige, der einen detaillierten Übergangsplan vorgelegt hat, wie Iran
dorthin kommen kann. Dieser Plan wurde vorigen Sommer in München
vorgestellt, da war ich auch dabei. Nach diesem [3][„Iran Prosperity
Project“] sollen die Iraner in einem Referendum über die Staatsform
entscheiden, also ob sie eine parlamentarische Monarchie möchten oder eine
Republik. So oder so – es soll ein demokratischer Iran sein.
taz: Aber ist es glaubwürdig, wenn der Sohn des Schahs sagt, er wolle nur
den Übergang zur Demokratie organisieren?
Ilkhanipour: Wir haben in Deutschland auf unterschiedlichen Ebenen ein
verzerrtes Bild. [4][Die Debatten sind häufig unterkomplex.] Zum einen
denken im Fall Iran viele sofort: Monarchie gleich Diktatur. Aber wir in
Europa haben doch selbst Monarchien, die demokratisch sind, etwa in
Schweden, England oder Dänemark.
Zweitens wird gleich unterstellt, dass Prinz Pahlavi eine Monarchie möchte.
Dabei steht genau das zur Debatte. Er will das demokratisch vom Volk
entscheiden lassen. In einer Debatte hat er mal zu jemandem gesagt: „Ich
kämpfe dafür, dass du morgen gegen mich stimmen kannst.“ Dass wir darüber,
was er sagt, überhaupt nicht diskutieren, sondern ihm mit Vorurteilen
begegnen, finde ich befremdlich. Gerade in Deutschland und gerade aus
linker Perspektive sollte man Menschen nach ihren Worten und Taten
beurteilen, nicht aufgrund ihres Stammbaums.
taz: Aber wenn er einmal am Ruder ist und die Macht nicht mehr abgibt?
Ilkhanipour: Ich verstehe das Argument – aber nicht, dass es exklusiv bei
ihm angeführt wird. Diese Gefahr besteht doch immer! Ein Oppositionsführer
Hans Mayer, der den Menschen in Iran zur Demokratie verhilft, könnte sich
auch zum Autokraten entwickeln. Ich würde sogar so weit gehen, dass dies
bei Prinz Pahlavi weniger wahrscheinlich ist, weil man bei ihm ganz genau
hinguckt. Jede einzelne seiner Handlungen wird – von den Iranern und der
Weltöffentlichkeit – unter die Lupe genommen. Der Demokratiemaßstab wird
bei ihm besonders streng sein. Das spricht sogar eher für ihn. Aber das
Wichtigste ist vielleicht: Alle Leute, die nun Kritik äußern, beantworten
eine wesentliche Frage nicht.
taz: Nämlich?
Ilkhanipour: Was die Alternative zu Prinz Pahlavi sein soll. Dass diese
nicht benannt, sondern einfach nur nach potenziellen Fehlern bei ihm
gesucht wird, finde ich gefährlich in der jetzigen Situation.
taz: Muss eine Revolution überhaupt eine Führungsfigur haben?
Ilkhanipour: Gegenfrage: Welche Revolution, die geglückt ist, hatte keine?
Das wird manchmal sehr romantisch diskutiert, aber ich bin da für
knallharte Realpolitik. Das Argument mit den [5][oppositionellen Kräften in
Iran, die in den Gefängnissen sitzen,] geht doch fehl, wenn man
weiterdenkt. Wenn wir heute wissen, dass der Westen intervenieren muss,
damit die Iraner sich befreien können, braucht es doch Ansprechpartner im
Exil. Wie soll man mit einer Waffe am Kopf mit Trump oder Merz sprechen
können? Naiv! Zudem hat Prinz Pahlavi auch nach innen offensichtlich eine
große Bindungswirkung.
taz: Wie groß? Seine Anhänger sagen, die Mehrheit der Iraner stehe hinter
ihm. Seine Kritiker bezweifeln das. Wie kann man das beurteilen?
Ilkhanipour: Endgültig findet man das erst bei demokratischen Wahlen
heraus. Aber Fakt ist: Sein Name wurde bei den Protesten im Januar vielfach
gerufen – kein anderer. Als er für den 8. und 9. Januar aufrief, auf die
Straße zu gehen, sind dem besonders viele Menschen gefolgt. Dass Prinz
Pahlavi im Land eine relevante Größe ist, scheint mir inzwischen
unstrittig.
Fakt ist auch, dass er einen breiteren und heterogeneren Unterstützerkreis
hat, als häufig dargestellt wird. Es gibt durchaus diejenigen, die eine
demokratische Monarchie wollen, andere wollen eine Republik und sehen in
ihm den Weg, dorthin zu gelangen. Wieder andere stehen ihm zwar skeptisch
gegenüber, unterstützen ihn aber, weil sie sagen: Er ist die einzige
Option, dieses Regime loszuwerden.
taz: Um die Skeptiker zu überzeugen, wäre es doch hilfreich, dass er sich
distanziert von den Verbrechen, die im Namen seines Vaters begangen wurden
– etwa durch den damaligen Geheimdienst?
Ilkhanipour: Wenn man sich seine Interviews anschaut, er wird ja immer
wieder darauf angesprochen, wird sehr deutlich, dass er eine eigene
Persönlichkeit ist. Das, wofür er steht, ist nicht eins zu eins identisch
mit dem, wofür sein Vater stand. Ich hatte eine spannende Begegnung mit
einem Mann, dessen Eltern zu Schahzeiten im Gefängnis waren. Er unterstützt
heute Prinz Pahlavi in der Hoffnung, dass das Land so zur Demokratie kommt.
Dieser Mann sagt: Wir brauchen irgendwann eine echte historische
Aufarbeitung. Damit das aber gelingt, brauchen wir erst einen freien,
demokratischen Iran.
taz: Sie fordern von der Bundesregierung, sie solle Kontakt zu Pahlavi
aufnehmen. Jetzt wurde er zur Sicherheitskonferenz eingeladen. Ein Zeichen,
dass die Bundesregierung nun mit dem Richtigen reden will?
Ilkhanipour: Ich hoffe es. Es geht aber viel zu langsam voran. Da spreche
ich nicht nur als iranischer Aktivist, der emotional mit dem Thema
verbunden ist, sondern das sage ich auch als deutscher Politiker. Es ist
doch Irrsinn, dass der Kanzler zu Recht sehr klar sagt, dieses Regime hat
keine Zukunft – sich dann aber nicht mit den demokratischen Prozessen
auseinandersetzt, wie es weitergehen kann nach der Revolution.
Bei der „Frau, Leben, Freiheit“-Revolte 2022 wurde oft gefragt: Was kommt
nach den Mullahs? Wird es kein Chaos geben, keine neue Flüchtlingswelle?
Jetzt gibt es Antworten, es gibt einen schriftlich fixierten Plan von Prinz
Pahlavi und seinem Team. Es ist doch grob fahrlässig, wenn man sich nicht
damit auseinandersetzt und Gespräche führt: Wie stellt er sich das vor, wie
kann man helfen? Ich fürchte, Deutschland wird wieder als Letztes
begreifen, wohin die Reise geht.
taz: Was sollte Deutschland jetzt tun, um das Mullahregime zu schwächen?
Ilkhanipour: Zuerst ist zu sagen: Amerika hat eine Schlüsselrolle, weil es
– anders als Europa – militärische Hilfe geben kann. Und die erwarten die
Iranerinnen und Iraner ganz klar.
taz: Sie auch?
Ilkhanipour: Anders wird es nicht gehen. Damit sind übrigens keine breiten
Angriffe gemeint, sondern etwa Cyberattacken, um Kommunikationskanäle des
Regimes zu beschädigen oder um gezielt Regimekräfte zu zerschlagen, ähnlich
wie beim 12-Tage-Krieg im Juni. Was aber Deutschland als traditioneller
Partner Irans machen kann, ist, den Zerfallsprozess und die Fliehkräfte
innerhalb des Regimes zu unterstützen, indem es klar zeigt, dass man dieses
Mal endgültig die Scheidung will.
taz: Wie?
Ilkhanipour: Konkret bedeutet das, die Botschaft zu schließen und den
Botschafter auszuweisen. Ein Regime, das keine Legitimation hat, wie der
Kanzler sagt, braucht keinen Botschafter. Es bedeutet, dass Innenminister
Dobrindt erklärt, dass Sicherheitskräfte, die auf Menschen geschossen
haben, sich keine Hoffnung auf Asyl in Europa machen dürfen. Damit sie
wissen, sie können nur die Waffen strecken und sich auf die Seite der
Menschen stellen – dass es keinen Plan B für sie gibt. Man könnte die Visa
für Familienmitglieder des Regimes aussetzen. Und: Deutschland ist nach wie
vor ein Eldorado der Geldwäsche für das Regime. Es wurde ja gerade erst
publik, dass zwei hessische Hilton-Hotels über Firmenkonstruktionen im
Eigentum von regimenahen Akteuren sind.
taz: Manche sagen, US-Präsident Trump habe die Iraner verraten, weil er
ihnen Hilfe versprochen hat, die nicht kam. Jetzt verhandelt er mit den
Mullahs über einen neuen Atomdeal. Glauben Sie, da kommt noch was?
Ilkhanipour: Alle machen sich Sorgen, aber wir haben gleichzeitig alle noch
Hoffnung. Trump kann man nicht einschätzen, es kann auch trotz
Verhandlungen einen Militärschlag geben. Das hatten wir schon in der
Vergangenheit. Fakt ist: Es darf keinen Deal mehr geben. Auch um das
deutlich zu sagen, werden viele Menschen nach München kommen. Dieses Regime
darf nicht schon wieder lebensverlängernde Maßnahmen bekommen. Das ist zu
häufig geschehen seitens der USA und Europas.
taz: Letzte Frage: Warum bezeichnen Sie Herrn Pahlavi als „Prinz“?
Ilkhanipour: Er selbst besteht ja gar nicht darauf, er ist sehr
bodenständig. Ich nenne ihn so, weil er eben ein Prinz ist. In Deutschland
würden die meisten ja auch Prinz August aus Hannover ohne zu zögern Prinz
nennen. Er ist nun mal einer, ob man will oder nicht. Das ist aber kein
Indiz für eine Staatsform. Ich würde auch jeden mit seinem akademischen
Titel ansprechen. Für mich ist das eine Frage des Respekts.
12 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Susanne Memarnia
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