# taz.de -- Umgang mit rechtsradikaler Partei: Milchmilliardär Müller verklagt Campact wegen AfD-Äußerung
       
       > Müllermilch-Konzerngründer Theo Müller will der Organisation eine Aussage
       > über sein Verhältnis zur AfD verbieten lassen. Der Verein hält dagegen.
       
 (IMG) Bild: Machen solche Fotos die AfD salonfähig? Alice Weidel (hier Mitte, aber sonst rechts) mit Theo Müller und dessen Frau in Bayreuth
       
       Molkereimilliardär Theo Müller verklagt die Kampagnenorganisation
       [1][Campact], weil sie behauptet hatte, er „unterstützt die rechtsextreme
       AfD“. Müllers Anwalt Christian Schertz beantragte beim Landgericht Hamburg,
       dem Verein die Aussage zu verbieten. Der Antrag auf Erlass einer
       einstweiligen Verfügung liegt der taz vor. Eine Justizsprecherin
       bestätigte, dass das Schreiben eingegangen ist.
       
       Die Unternehmensgruppe Theo Müller ist eines der [2][weltweit größten
       Molkereiunternehmen], bekannt durch Marken wie Müllermilch, Landliebe und
       Weihenstephan. Campact wirft Konzerneigentümer Müller etwa auf Plakaten,
       Aufklebern oder im Internet vor, öffentlich Unterstützung für die
       „verfassungsfeindliche Partei“ zu zeigen und ihr so [3][„einen bürgerlichen
       Anstrich“] zu verleihen.
       
       „Theo Müller posiert für [4][Pressefotos] Seite an Seite mit Parteichefin
       Alice Weidel“, heißt es auf der Website von Campact. Tatsächlich ließen die
       beiden und Müllers Frau sich 2025 gemeinsam bei den Bayreuther Festspielen
       ablichten. Der [5][Neuen Zürcher Zeitung] (NZZ) antwortete er auf die Frage
       zur AfD „Was sind Sie: ein interessierter Beobachter oder ein
       Sympathisant?“: „Irgendwas dazwischen.“ Öffentlich nannte er Weidel eine
       [6][Freundin]. Er habe im Austausch mit ihr [7][„nicht den geringsten
       Anhaltspunkt“ gefunden], der auf eine nationalsozialistische Ideologie
       schließen lasse, zitierte das Handelsblatt Müller.
       
       Der CDU in Sachsen habe er sogar eine Koalition mit der AfD vorgeschlagen,
       obwohl deren Landesverband bereits vom Verfassungsschutz als gesichert
       rechtsextremistisch eingestuft sei, ergänzt Campact. Der NZZ hatte er auf
       die Frage „Würden Sie im Herbst nach einer der ostdeutschen Landtagswahlen
       gerne eine AfD-Regierung sehen?“ gesagt: „In Sachsen könnte die Partei auf
       eine parlamentarische Mehrheit kommen, wenn einige andere Parteien an der
       Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Wenn die CDU dann zweitstärkste Kraft wird,
       könnte sie der AfD anbieten, in einer Koalition mitzuwirken – unter der
       Voraussetzung, dass die CDU den Ministerpräsidenten stellt.“
       
       ## Kritik wegen Höcke-Zitat?
       
       Anwalt Schertz schreibt jedoch, sein Mandant „hat zu keinem Zeitpunkt die
       AfD unterstützt“. Es handele sich um eine „unwahre Tatsachenbehauptung“,
       gerade „aufgrund ihrer undifferenzierten blickfangartigen“ Darstellung auf
       den Plakaten. Die Öffentlichkeit würde darunter verstehen, „dass entweder
       Spenden geleistet worden sind oder sonstwie Ressourcen zur Verfügung
       gestellt worden sind“. Müller habe in dem NZZ-Interview gesagt, dass er
       Mitglied der CSU, aber nicht der AfD sei. Er habe der AfD auch kein Geld
       gespendet. Die „private Freundschaft“ zu Weidel sei von der Frage zu
       trennen, ob Müller ihre Partei unterstützt.
       
       Schertz argumentiert weiter, sein Mandant habe „viele Aussagen“ der AfD
       „scharf“ kritisiert. Als Beleg nennt er, dass Müller in dem NZZ-Interview
       von 2024 frühere Parteipositionen für eine Direktwahl des Bundespräsidenten
       und gegen den Einsatz des Pestizids Glyphosat abgelehnt habe. Zudem habe
       der Milchmilliardär erklärt, dass es in der Partei „Einzelne“ gebe, die
       „dummes Zeug reden, rechtsextremistische Parolen verbreiten und zum
       Beispiel Deutsche, die woanders geboren wurden, abschieben wollen“.
       
       Und zu AfD-Hardliner Björn Höcke, der das Holocaust-Mahnmal in Berlin ein
       „[8][Denkmal der Schande]“ genannt hatte, habe Müller gesagt: „Wenn er es
       so gemeint hat, dass der Holocaust eine nationale Schande war, sehe ich
       kein Problem mit seiner Aussage. Wenn er jedoch den Holocaust verharmlost
       und somit die Erinnerung durch das Denkmal als Schande bezeichnet, ist das
       natürlich vollkommen inakzeptabel.“
       
       „Aus unserer Sicht ist das keine Distanzierung“, sagte Luise Neumann-Cosel,
       Leiterin Politik und Kampagnen von Campact, der taz. „Es ist ja sehr
       eindeutig, dass diese Aussage von Höcke ganz sicher nicht gemeint war als:
       Der Holocaust ist eine Schande gewesen. Die Tatsache, dass Müller das
       infrage stellt, verharmlost erneut die Aussage, die Höcke getätigt hat.“
       Schließlich habe Höcke in derselben Rede eine [9][„erinnerungspolitische
       Wende um 180 Grad“] gefordert. Müller verharmlose die AfD auch, indem er
       nur von „Einzelnen“ in der Partei spricht, die sich rechtsextremistisch
       äußerten, und dies als „dummes Zeug“ verniedliche.
       
       ## Campact sieht „ideelle“ Unterstützung
       
       Neumann-Cosel hielt Schertz „eine sehr, sehr kurzgegriffene Definition von
       Unterstützung“ vor. Die AfD gelte in den meisten Bundesländern als
       mindestens verfassungsfeindlicher Verdachtsfall oder bereits gesichert
       rechtsextremistisch. „Wenn jetzt ein sehr bekannter Unternehmer sich
       öffentlich äußert über diese Partei, sich mit der Chefin fotografieren
       lässt, dann ist das natürlich eine Unterstützung – keine finanzielle, aber
       eine ideelle, die noch wertvoller ist als eine Spende.“ Campact habe nie
       behauptet, dass Müller der AfD angehöre oder sie mitfinanziere.
       
       Der Verein sehe dem anstehenden Prozess gelassen entgegen, ergänzte
       Neumann-Cosel. Am Freitag starte Campact in Berlin eine Tour mit mehreren
       „LED-Trucks“, also Lastwagen mit großen Flachbildschirmen, die dann in mehr
       als 20 Städten die Kritik an dem Molkereieigentümer zeigen sollen.
       
       11 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Campact/!t5028637
 (DIR) [2] https://milchindustrie.de/wp-content/uploads/2023/08/TOP_Molkereien_Welt_2024_Homepage.pdf
 (DIR) [3] https://www.campact.de/rechtsextremismus/theo-mueller-muellermlich-afd/
 (DIR) [4] https://search.picture-alliance.com/search/images(popup:image/413990711)?page=1&is-filter-open=true&searchTerm=theo%20m%C3%BCller%20weidel#list-item-413990711
 (DIR) [5] https://www.nzz.ch/wirtschaft/milliardaer-theo-mueller-im-interview-alice-weidel-ist-eine-freundin-ld.1771740
 (DIR) [6] https://www.nzz.ch/wirtschaft/milliardaer-theo-mueller-im-interview-alice-weidel-ist-eine-freundin-ld.1771740
 (DIR) [7] https://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/muellermilch-molkerei-milliardaer-mueller-bestaetigt-kontakte-zur-afd-/29535086.html
 (DIR) [8] /Bjoern-Hoecke-und-das-Holocaust-Mahnmal/!5376704
 (DIR) [9] https://www.youtube.com/watch?v=sti51c8abaw
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jost Maurin
       
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