# taz.de -- Vorwürfe von Vetternwirtschaft in AfD: Es bleibt ja in der Familie
       
       > Die Skandale um Vetternwirtschaft reißen nicht ab: Die extrem rechte AfD
       > kämpft derzeit vor allem mit sich selbst. Nun gibt es zwei weitere Fälle.
       
 (IMG) Bild: Ulrich Siegmund ist der AfD-Spitzenkandidat für die bevorstehende Wahl in Sachsen-Anhalt und versucht, Vorwürfe wegzugrinsen
       
       Der Skandal um mutmaßliche Vetternwirtschaft in der AfD zieht weitere
       Kreise: Nach Informationen der taz gibt es im EU-Parlament weitere Fälle,
       in denen Abgeordnete enge Familienangehörige von anderen AfD-Politikern
       angestellt haben. Die AfD wirft den verhassten „Altparteien“ selbst gerne
       Vetternwirtschaft, Filz und Zweckentfremdung von Steuergeldern vor.
       
       So beschäftigt der rheinland-pfälzische EU-Abgeordnete Alexander Jungbluth
       nach taz-Informationen Reinhild Boßdorf, die Tochter seiner
       Fraktionskollegin Irmhild Boßdorf. Delikat ist das allerdings nicht nur
       wegen des Verwandtschaftsverhältnisses, sondern auch weil ihre Tochter
       langjährige Aktivistin der extrem rechten Identitären Bewegung und deren
       Frauenorganisation Lukreta ist. Offiziell steht die Identitäre Bewegung auf
       der Unvereinbarkeitsliste der Partei, die in der Praxis allerdings gern
       ignoriert wird.
       
       Jungbluth ist innerhalb der Partei und rechtsradikalen Burschenschaften gut
       vernetzt und sitzt selbst sogar als stellvertretender Bundesschatzmeister
       im Vorstand der Partei. Boßdorf junior arbeitet als „local Assistent“ für
       Jungbluth.
       
       Ein weiterer Fall betrifft die EU-Abgeordnete Mary Khan aus dem
       Landesverband Brandenburg. Bereits bei ihrer Aufstellung zur EU-Wahl gab es
       innerhalb der AfD Murren, weil sie die Partnerin des
       Bundesvorstandsmitglieds und Potsdamer Landtagsabgeordneten Dennis Hohloch
       ist. Und weil Khan es selbst bei ihrer Aufstellung mit der Wahrheit nicht
       ganz genau genommen und über ihren noch ausstehenden Studienabschluss
       geflunkert hatte. Auch damals gab es bereits Vorwürfe von Vetternwirtschaft
       gegen ihren Partner Hohloch.
       
       ## Nepotismusvorwürfe nicht nur in Sachsen-Anhalt
       
       Nun beschäftigt Khan selbst eine Ulrike Hohm. Die teilt sich wiederum den
       Nachnamen und das Ehegelübde mit [1][Jean-Pascal Hohm], den Chef der neuen
       AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland, ebenfalls aus dem
       Landesverband Brandenburg.
       
       Auf taz-Anfrage schrieb Khan, dass es sich um eine „Nebentätigkeit in
       begrenztem zeitlichen Umfang“ handele. Sie habe Frau Hohm ausgewählt, weil
       sie aus Brandenburg stamme und weil sie diese „fachlich wie persönlich
       schätze – nicht aufgrund ihrer familiären Verbindung zu Herrn Hohm“. Sie
       lehne Vetternwirtschaft und missbräuchliche Begünstigung ab – „andererseits
       dürfen familiäre Beziehungen allein kein pauschales Ausschlusskriterium
       darstellen, solange eine Anstellung aus nachvollziehbaren Gründen erfolgt“.
       Jungbluth wiederum antwortete bislang nicht auf eine taz-Anfrage.
       
       Jean-Pascal Hohm wiederum brachte auf taz-Anfrage das Kunststück fertig,
       die Anstellung seiner eigenen Frau im Europaparlament herunterzuspielen,
       aber zugleich ähnliche Praktiken in Sachsen-Anhalt zu kritisieren. Der
       Vorsitzende der AfD-Jugendorganisation sagte: „Natürlich darf eine
       Mitgliedschaft im selben Landesverband oder ein Verwandtschaftsverhältnis
       zu einem Parteikollegen nicht per se ein Ausschlussgrund für ein
       Arbeitsverhältnis sein“, sagte Hohm.
       
       Dann aber schränkte Hohm ein: „Wenn Leistung und Entlohnung jedoch in
       keinem angemessenen Verhältnis stehen und daraus gegenseitige
       Abhängigkeits- und Begünstigungsnetzwerke entstehen, wird dies zu einem
       Problem, das wir parteiintern ernsthaft diskutieren müssen.“ Solche
       Vorwürfe dürfe man nicht auf die leichte Schulter nehmen, weil sie den Kern
       der Glaubwürdigkeit berührten.
       
       Vor allem die AfD Sachsen-Anhalt sorgte zuletzt für zahlreiche ähnliche
       Schlagzeilen, weil der Vater des AfD-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl
       Ulrich Siegmund bei dem Bundestagsabgeordneten aus Sachsen-Anhalt Thomas
       Korell arbeiten soll. Und Siegmunds Vater dafür offenbar ein stattliches
       Salär von über 7.000 Euro kassiert, wie das [2][ZDF-Magazin „Frontal“
       recherchiert hat]. Siegmund ist das wiederum reichlich egal, er zerknüllte
       als Reaktion die ausgedruckte Presseanfrage grinsend in einem
       Social-Media-Video. Man habe nichts gegen die Einstellung von Verwandten,
       schließlich müsse man diesen vertrauen können, so der Tenor.
       
       Es sind nicht die einzigen Vorwürfe dieser Art in Sachsen-Anhalt: Ein
       parteiinterner Machtkampf dort wächst sich derzeit zu einer regelrechten
       Schlammschlacht aus. Der Landesvorstand strebt gegen den
       Bundestagsabgeordneten Jan Wenzel Schmidt wegen Bereicherung und Untreue
       ein Parteiausschlussverfahren an. Der wiederum wehrt sich seinerseits,
       indem er dem Landesvorstand Vetternwirtschaft und Privatreisen aus
       Staatskosten vorwirft.
       
       ## Belastendes Schreiben
       
       In einem der taz vorliegenden 15-seitigen Brief von Schmidt spricht er über
       eine „Pokerrunde“, die ihn innerhalb des Landesverbands gezielt
       dämonisiere, nachdem er in Ungnade gefallen sei. Auch hier wirft er
       mehreren Parteifreunden vor, Familienmitglieder mit Posten versorgt zu
       haben. Diese bestätigten die Anstellungen teilweise gegenüber der Zeit,
       [3][die zuerst über den Brief berichtete]. Eingestellt habe man diese aber
       wegen ihrer Kompetenz und nicht wegen Verwandtschaftsverhältnissen, heißt
       es.
       
       Ebenso ist im Schreiben die Rede von Reisen auf Steuerzahlerkosten nach
       Griechenland, Disneyland bei Paris und auf eine Gala der Young Republicans
       nach New York. Konkretere Belege für die Reisen enthält das Schreiben
       nicht. Allerdings lässt sich das durchaus als Drohung interpretieren, denn
       er könne weitere „detaillierte Belege“ vorlegen, schreibt Schmidt. Der
       AfD-Landesverband gibt sich dennoch bislang gelassen.
       
       Im extrem rechten Vorfeld findet man die jüngsten Verwicklungen allerdings
       alles andere als witzig. So schreibt der neurechte Ideologe Götz Kubitschek
       aus Sachsen-Anhalt angesichts der jüngsten Enthüllungen: „Aber es gibt eben
       nichts schönzureden.“ In gewohnt autoritärem Duktus schimpft er über
       „drittklassiges Personal aus den Altparteien selbst“, „Glücksritter“,
       „Schlaumeier“ und „solche, die der allzumenschlichen Tendenz zur
       Verhausschweinung nicht viel Disziplin entgegenzusetzen hätten“. Er
       resümiert, dass der Schaden bereits entstanden sei und die Glaubwürdigkeit
       einen Riss habe – „Tünche reicht nicht, aufräumen muß man.“
       
       Hinweis, 10.2.: Der Text wurde um die Aussagen von Jean-Pascal Hohm
       ergänzt, d. Red.
       
       9 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Neugruendung-der-AfD-Jugend-in-Giessen/!6129882
 (DIR) [2] https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/afd-sachsen-anhalt-vetternwirtschaft-vorwurf-familienangehoerige-angestellt-100.html
 (DIR) [3] https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-01/afd-sachsen-anhalt-jan-wenzel-schmidt-tobias-rausch-untreue-scheinanstellungen-landtagswahl/komplettansicht
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gareth Joswig
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt AfD
 (DIR) Schwerpunkt Antifa
 (DIR) Rechtsextremismus
 (DIR) Vetternwirtschaft
 (DIR) Schwerpunkt Korruption
 (DIR) EU-Parlament
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Rechtsextremismus
 (DIR) AfD Niedersachsen
 (DIR) Schwerpunkt AfD
 (DIR) Schwerpunkt AfD
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) AfD in Sachsen-Anhalt: Mitglieder-Brandbrief aus Angst vor Absturz
       
       Die AfD streitet weiter über Vetternwirtschaft in Sachsen-Anhalt. Nach
       einem Brandbrief von der Basis will der Bundesvorstand schlichten.
       
 (DIR) Mit Schweigegelübde: EU-Abgeordnete sieht Posten-Kartell in Niedersachsens AfD
       
       Aus der AfD gibt es Kritik am Landesvorsitzenden Ansgar Schledde, auch „der
       Pate“ genannt. Interne Briefe deuten Kungeleien um Jobs und Gelder an.
       
 (DIR) Feigenblatt-Beschluss der AfD: Keine Parteiveranstaltungen mit Sellner mehr
       
       Die AfD-Spitze will keine Schlagzeilen über Treffen mit dem als
       rechtsextrem eingestuften Österreicher Martin Sellner. Inhaltliche
       Distanzierung: Fehlanzeige.
       
 (DIR) Chef der neuen AfD-Jugend in Brandenburg: Blitzkarriere statt Rausschmiss
       
       Fabian Jank, Vorsitzender der „Generation Deutschland“ in Brandenburg,
       kommt aus dem Identitären-Milieu. Für seinen Aufstieg war das kein
       Nachteil.