# taz.de -- AfD-Mann Tino Chrupalla bei Miosga: Mhmen und hmmen gegen rechts
> Tino Chrupalla war am Sonntag zu Gast bei Caren Miosga. Doch dass
> AfD-Politiker in Talkshows eingeladen werden, ist nicht das eigentliche
> Problem.
(IMG) Bild: ARD und AfD: Caren Miosga und Tino Chrupalla vor der Sendung
Mhm! Aus diesen drei Buchstaben besteht eine beliebte Antwort der
ARD-Journalistin Caren Miosga in ihrer gleichnamigen Talkshow. Mit „mhm“
und „hm“ will Miosga ihren Zuschauer*innen andeuten, dass sie die
Aussage ihres Gesprächspartners nicht so richtig gut findet.
Mhm oder hm aber sind keine Argumente, sondern kokett. Koketterie und
Süffisanz sind legitime Mittel der Kommunikation, auch in Talkshows, auch
mit Politiker*innen rechtsextremer Parteien. Doch sie wollen wohl
dosiert sein, genauso wie die Fragen gut präpariert.
Diesen Sonntag hatte [1][Miosga den AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla zu
Gast]. Auf dessen erwartbare Aussage „Wir brauchen einen Stopp von weiteren
illegalen Migranten (…) damit die innere Sicherheit wieder hergestellt
wird“, lautete die Antwort von Miosga: „Mhm“.
Dem vorausgegangen war ein Schlagabtausch zur Frage, ob die AfD so was wie
[2][die US-Einwanderbehörde ICE] auch in Deutschland will. Eine legitime
Frage, doch Miosga stellte sie schon mit einem süffisanten Unterton, der
andeutet, dass jede Antwort, die nicht „Nein“ lautet, Miosga nicht gefallen
wird.
Dabei ist das eigentliche Thema die inzwischen unhinterfragte Korrelation
von illegaler Migration mit innerer Sicherheit. Anstatt genau diese
Verbindung mit Zahlen anzugreifen, soll der AfD-Mann überführt werden,
[3][Erschießungen im ICE-Stil] in Kauf zu nehmen, was er natürlich in
diesem Format niemals sagen würde.
## „Das lass ich jetzt mal so stehen“
Vor genau einem Jahr hatte die gleiche Moderatorin die damalige
AfD-Kanzlerkandidatin Alice Weidel zu Gast. Damals mhmte Miosga in
ähnlichen Situationen oder sagte „Das lass ich jetzt mal so stehen“. In der
Sendung vor einem Jahr sorgte vor allem das Augenverdrehen von Alice Weidel
für Empörung.
Auf den Holocaust-Gedenktag angesprochen, hatte sie, von der Kamera auch
eingefangen, so reagiert, es jedoch auf Nachfrage der Moderatorin
geleugnet. Da hatte Miosga endlich live, in Farbe und vor Millionenpublikum
auf Kamera aufgenommen die Chance, Alice Weidel ins Gesicht zu sagen, dass
sie lügt. Doch Miosga sagte: „Ach so, dann hab ich das nur gesehen.“
Statt Chrupalla damit zu konfrontieren, dass es nachweislich russisch
gesteuerte Desinformations- und Hackerattacken gibt, dass hier
Wegwerfagenten Verbrechen verüben, die den Grünen in die Schuhe geschoben
werden, will Miosga den Chrupalla mit drölfzig Fragen zur Nato darauf
festnageln, dass die AfD sich vom Kreml einflüstern lässt.
Ja klar, gemein. Caren Miosga kann auch besser kontern. Trotzdem: Die
Debatte, wem es schadet, wem nützt, wenn der ÖRR die AfD zum Gespräch
einlädt, sollte nicht nur anhand der Eingeladenen geführt werden. Dass
AfD-Politiker*innen in Talkshows eingeladen werden und auch kommen, ist
nicht das Problem. Dort sagen die auch nur das, was sie an jedem Wahlstand
von Magdeburg bis Pforzheim zusammen mit kostenlosen Kugelschreibern
verteilen.
## Was hat die Sendung gebracht?
Das Problem ist, dass es nicht reicht, Suggestivfragen (allein schon im
Titel der Sendung: „Ist Trump ein Vorbild für Deutschland, Herr
Chrupalla?“) zu stellen, oder den Gast als Nazi überführen zu wollen qua
Begrifflichkeiten (Sie haben Schuldkult gesagt, das ist Nazi-Vokabular. Hab
ich nicht. Nein. Doch. Nein. Doch) und Mhmen und Hmmen als stilistisches
Mittel einzusetzen.
Was hat die Sendung am Sonntag gebracht? Wir wissen jetzt, was wir vorher
wussten: Chrupalla findet, illegale Ausländer müssen raus und Deutschland
sei nicht von Russland bedroht.
Talkshows des ÖRR sind überbewertet. Ihr Anteil im Vergleich zu dubiosen
und weniger dubiosen Internetkanälen an der Meinungsbildung lässt sich zwar
schwer einschätzen. [4][Aber eine Erhebung dazu ist doch aufschlussreich:]
Die AfD war im Jahr 2025 bei einem Stimmenanteil von 24 Prozent im
Bundestag bei ARD und ZDF in 2,8 Prozent der Talkshows, also wesentlich
weniger, als es ihrem prozentualen Anteil von Wähler*innen entspricht.
Die SPD hingegen saß mit einem Stimmenanteil von 19,1 Prozent im Bundestag
in 25,2 Prozent der Talkshows von ARD und ZDF.
Und? Hat es ihr genutzt?
9 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.ardmediathek.de/video/caren-miosga/ist-trump-ein-vorbild-fuer-deutschland-herr-chrupalla/ndr/Y3JpZDovL25kci5kZS8xMTY1NjU4YS00ZWMyLTQwMGUtYjFiZS0wOGFjOTUzZDkzNTNfZ2FuemVTZW5kdW5n
(DIR) [2] /Trumps-USA-als-Vorbild/!6148778
(DIR) [3] /Sebastian-Moll-ueber-Minneapolis/!6148573
(DIR) [4] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/954672/umfrage/parteizugehoerigkeit-der-politiker-in-talkshows-vs-sitzanteil-im-bundestag/
## AUTOREN
(DIR) Doris Akrap
## TAGS
(DIR) Rechtsextremismus
(DIR) AfD Niedersachsen
(DIR) Schwerpunkt AfD
(DIR) ICE
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