# taz.de -- Geld für den Feminismus: Solidarität finanzieren, sodass sie gewinnt
> Der Black Feminist Fund finanziert Widerstand von Schwarzen
> Feminist*innen weltweit. Sie wollen sozialen Bewegungen Rückhalt
> geben.
(IMG) Bild: Tänzerisch die Welt verändern: auf einer Black Lives Matter Demo in Washington 2021
Die Welt wird sich jetzt der Schrecken bewusst, mit denen wir zu kämpfen
haben“, sagt Vanessa Thomas angesichts der aktuellen weltpolitischen Lage.
Schwarze feministische und queere Aktivist*innen stünden seit Langem an
vorderster Front im Kampf gegen patriarchalische, faschistische und
kapitalistische Macht. Thomas ist Programmmanagerin beim [1][Black Feminist
Fund] (BFF). Die philanthropische Stiftung finanziert seit der Gründung
2021 Schwarze feministische Gruppen weltweit. Die Idee: Bewegungen so zu
finanzieren, „dass sie gewinnen“, formuliert es Thomas.
Die Bewegungen von Schwarzen Feminist*innen und queeren Personen werden
vielfach zelebriert, aber nicht finanziert. So fehlt das Geld, um
nachhaltig Veränderung zu schaffen und neue Strukturen aufzubauen.
Laut [2][einer Analyse des BFF] gehen nur zwischen 0,1 und 0,35 Prozent der
weltweiten Stiftungsgelder an Schwarze Frauen, Mädchen und
Transgender-Personen, basierend auf [3][Daten aus dem Jahr 2018]. Eine
Schieflage gibt es auch in der Entwicklungshilfe von Regierungen.
[4][Statistiken der OECD zeigen], dass im Jahr 2024 von den gesamten
Mitteln, die direkt an zivilgesellschaftliche Organisationen gingen, nur 10
Prozent im Globalen Süden registriert sind – verglichen mit 63 Prozent, die
in Geberländern sitzen. Momentan sieht es so aus, als würde sich die Lage
für Schwarze feministische und queere Organisationen weiter verschlechtern.
Die größten staatlichen Geber haben ihre Gelder für Entwicklung und
humanitäre Hilfe drastisch gekürzt. Die USA haben die Entwicklungsbehörde
USAID komplett abgewickelt und sich aus internationalen Organisationen
zurückgezogen. Außerdem macht die Regierung unter Präsident Donald Trump
[5][Druck, dass kein Geld an Organisationen geht, die sich gegen Rassismus
einsetzten] oder für Geschlechtergerechtigkeit und queere Menschen. Einige
Stiftungen und NGOs haben schon Verweise auf Klima oder Diversität von
ihren Websites gestrichen. „Wir sehen jetzt, wer sich als Verbündeter
erweist und Widerstand leistet und wer nicht“, sagt Thomas.
## Zeit zu lernen, zu scheitern, es erneut zu versuchen
Den BFF gründeten 2021 Hakima Abbas, Tynesha McHarris und Amina Doherty, um
der Unterfinanzierung von Schwarzen feministischen Bewegungen etwas
entgegenzusetzen. Sie wollten aber auch ändern, wie die Finanzierung
aussieht: Während die Hilfsindustrie auf knappe Mittel mit Forderungen nach
mehr Effizienz, mehr Daten und mehr Kontrolle reagiert, geht der Black
Feminist Fund den entgegengesetzten Weg.
Ihre Finanzierung ist vertrauensbasiert und langfristig angelegt: Anstelle
der üblichen 3- bis 5-jährigen Förderung läuft sie über 8 Jahre. „Das
bedeutet, dass man Zeit hat, zu lernen, zu scheitern, es erneut zu
versuchen und die Richtung zu ändern“, sagt Thomas. Die Gruppen erhalten
zwischen 50.000 und 100.000 US-Dollar pro Jahr. Ein Komitee aus Schwarzen
Feministinnen entscheidet gemeinsam, welche Gruppen Fördermittel erhalten.
Die Gruppen entscheiden selbst, wie sie diese verwenden, sei es für
Projekte oder Gehälter. Und: Sie müssen nicht registriert sein.
Gleichzeitig werden die Feministinnen dabei begleitet, wie sie sich nach
Ablauf der Förderung finanzieren können. Dazu gehören beispielsweise
Workshops zu Fundraising oder sozialen Medien. Oder der BFF hilft dabei,
Bewegungen miteinander zu vernetzen. Während traditionelle Stiftungen lange
Berichte zum Ausfüllen verschicken, führen die feministischen
Geldgeberinnen regelmäßige „Check-ins“ durch, formlose Gespräche zum
Verlauf der Projekte.
Der BFF hat das Ziel, in zehn Jahren 100 Millionen US-Dollar zu
mobilisieren. Der Großteil wurde laut Thomas bereits erreicht, stammt von
anderen Stiftungen wie der Ford Foundation und auch aus Einzelspenden. 54
Millionen US-Dollar wurden seit der Gründung 2021 bereits an 126 Gruppen in
58 Ländern ausgezahlt. Für den BFF ist es ein großer Erfolg. Im Vergleich
mit den großen Stiftungen ist das nicht viel: Die Gates-Stiftung von
Tech-Milliardär Bill Gates hat ein Kapital von rund 48 Milliarden
US-Dollar.
## Die Vision: das Stiftungswesen umkrempeln
Die Vision der Schwarzen Feministinnen reicht aber um einiges weiter: Sie
wollen das Stiftungswesen umkrempeln. Dafür hat der BFF ein Netzwerk
Schwarzer feministischer Philanthropinnen geschaffen, die versuchen, die
Arbeitsweise des BFF in ihren Stiftungen zu verbreiten.
Ein Beispiel: Als sich in Sudan die schlimmste humanitäre Krise dieses
Jahrhunderts abzeichnete und die traditionelle humanitäre Hilfe nur minimal
reagierte, schaltete sich das Netzwerk ein und mobilisierte 2 Millionen
US-Dollar, um Frauengruppen in Sudan direkt zu finanzieren, darunter die
[6][„Emergency Response Rooms“]. Die Organisator*innen stellten
Lebensmittel, Wasser, Strom und medizinische Versorgung sowie Bargeld
bereit. Vor Kurzem wurden sie mit dem alternativen Friedensnobelpreis
ausgezeichnet.
Sudan ist auch ein Beispiel, was eine echte Unterstützung des Widerstands
im Land hätte bewirken können. Feministinnen hätten 2019 im Mittelpunkt des
Aufstands gegen den sudanesischen Diktator Omar Al-Bashir gestanden und
seien dafür gefeiert worden, sagt Thomas. Danach habe die Welt ihnen den
Rücken zugekehrt, statt sie darin zu unterstützen, einen lebenswerten,
würdigen und sicheren Staat für alle aufzubauen. Hätten sie damals
Solidarität erfahren, „um zu gewinnen“, wäre die Geschichte vielleicht
anders verlaufen.
7 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://blackfeministfund.org/
(DIR) [2] https://static1.squarespace.com/static/63e021d24b58945e72d0b01c/t/6455c25b760af64b44a3a2f9/1683341918324/Where+is+the+Money+for+Black+Feminist+Movements.pdf
(DIR) [3] https://humanrightsfunding.org/
(DIR) [4] https://www.oecd.org/en/data/dashboards/official-development-assistance-to-civil-society-organisations.html
(DIR) [5] /Globale-Knebelregel/!6157884
(DIR) [6] /Alternativer-Nobelpreis/!6117276
## AUTOREN
(DIR) Leila van Rinsum
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