# taz.de -- Vorschlag der SPD-Fraktion: Neue Arbeitsgruppe soll internationale Zusammenarbeit retten
> Die SPD-Bundestagsfraktion will die in der Regierung vereinbarte
> Nord-Süd-Kommission voranbringen. Grüne und Linke zweifeln an der
> Glaubwürdigkeit.
(IMG) Bild: Willy Brandt stellte 1983 den zweiten Bericht der Nord-Süd-Kommission vor: „Hilfe in der Weltkrise“
Deutschland will unabhängiger von den USA sowie China werden und schielt
dabei auf den Globalen Süden. Dazu will Schwarz-Rot [1][laut
Koalitionsvertrag] die sogenannte Nord-Süd-Kommission wiederbeleben. Jetzt
ist die [2][SPD-Bundestagsfraktion vorgeprescht und hat ein Papier zur
Ausgestaltung vorgelegt.]
Während es aus der Union Murren wegen des Alleingangs gibt, erklärt die
entwicklungspolitische Sprecherin der SPD, Sanae Abdi: „Die Kommission soll
ein Zeichen dafür sein, dass Deutschland in die multilaterale Ordnung
investiert und auf Kooperation baut.“
Das geplante Gremium knüpft an die historische Nord-Süd-Kommission an, die
damals Willy Brandt (SPD) leitete. Sie wurde 1977 vom damaligen
Weltbankpräsidenten Robert McNamara einberufen und versammelte zahlreiche
Expert*innen aus verschiedenen Teilen der Welt.
Laut SPD-Papier soll die unabhängige Kommission erneut Expertinnen und
Experten aus Politik, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Forschung aus allen
Teilen der Welt zusammenbringen. Sie arbeitet dann Leitlinien und
Handlungsempfehlungen für die Bundesregierung, aber auch für die EU, G20
oder UN aus. Formal berichtet sie dem Bundestag, sie soll aber laut Papier
kein nationales Projekt bleiben.
Ein konkretes Anliegen der Sozialdemokrat*innen ist die Ausarbeitung
von Vorschlägen für eine neue Agenda der UN-Nachhaltigkeitsziele, die 2030
auslaufen. Die Kommission soll sich auch in die Debatte um Reformen
multilateraler Organisationen und der globalen Finanzarchitektur
einbringen. Sicherheit, Klimagerechtigkeit, Migration und Menschenrechte
sind ebenso Themen.
Die zuständigen Ministerien für Finanzen, Außenpolitik und Entwicklung
wollten sich auf Anfrage nicht zu dem Vorschlag aus der SPD-Fraktion
äußern. Eine Sprecherin des Bundesentwicklungsministeriums (BMZ)
bekräftigte aber gegenüber der taz, man sei in engem Austausch mit dem
Außen- und Finanzministerium. Die Vorbereitungen auf die Kommission „laufen
unter Hochdruck“, erklärte sie. Mit Bewerbungsfrist bis Anfang Februar
hatte das BMZ bereits eine Stelle für die „Leitung des Sekretariats der
Nord-Süd-Kommission“ ausgeschrieben.
## Linke: „Etikettenschwindel“
Nicolas Zippelius, entwicklungspolitischer Sprecher der Union, ist
irritiert: „Solange die ressortübergreifenden Abstimmungsprozesse noch
nicht abgeschlossen sind, können keine abschließenden Festlegungen
getroffen werden. Vor diesem Hintergrund betrachte ich die Veröffentlichung
des Papiers der SPD-Bundestagsfraktion mit Verwunderung und äußerster
Zurückhaltung.“
Von der fachpolitischen Sprecherin der Grünen, Claudia Roth, hieß es, die
Kommission könne ein „wichtiges Signal für mehr globale Gerechtigkeit, für
Partnerschaften im gemeinsamen Interesse und für eine starke Rolle der
Vereinten Nationen“ sein. Glaubwürdig werde es aber nur, wenn die
Bundesregierung parallel konkret handelt – etwa bei Entschuldung, fairen
Steuerregeln sowie einer verlässlichen Finanzierung von Entwicklungs- und
Klimapolitik – „statt [3][ausgerechnet hier weiter zu kürzen]“, so Roth.
Auch Charlotte Neuhäuser von der Linksfraktion kritisiert die Kürzungen und
führt an: „Die neue Kommission ist ein Etikettenschwindel“. Sie sei kein
internationales Gremium, sondern eine „rein deutsche Selbstmandatierung“.
Deutschland wolle „unter dem Deckmantel der fairen Partnerschaft vor allem
Zugang zu neuen Märkten, billigen Arbeitskräften und Rohstoffen“
ermöglichen.
1977 war der Nord-Süd-Fokus ein bewusstes Aufbrechen einer
Ost-West-Polarisierung und richtete sich auf gemeinsame Interessen, erklärt
die Wissenschaftlerin Anna-Katharina Hornidge vom Deutschen Institut für
Entwicklung und Nachhaltigkeit (Idos). Heute würde „Nord-Süd“ aber eher
eine Konfliktlinie benennen. Sie plädiert daher für eine
„Süd-Nord“-Kommission, um zu zeigen, was die Richtung der Debatte ist – wer
von wem beraten werden möchte.
Hornidge begrüßt jedoch grundsätzlich die Idee einer solchen Kommission:
„Wir brauchen Räume, wo gemeinsam über Zukunftsgestaltung nachgedacht
wird.“ Sie verweist auf einige Initiativen mit ähnlichem Anliegen, die
bereits ins Leben gerufen wurden, Südafrikas Ubuntu-Kommission etwa. Eine
Nord-Süd-Kommission müsse sich mit diesen Initiativen vernetzen, um die
Ausgestaltung einer Neuordnung systematisch voranzubringen. Und: „Wichtig
ist jetzt, die Kommission möglichst schnell zu installieren“, sagt
Hornidge.
19 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Neue-Entwicklungsministerin-fordert/!6084838
(DIR) [2] https://www.spdfraktion.de/system/files/documents/position-nord-sued-kommission-21-jahrhundert.pdf
(DIR) [3] /Haushalt-des-Entwicklugsministeriums/!6133432
## AUTOREN
(DIR) Leila van Rinsum
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