# taz.de -- Proteste gegen Trump und ICE: Minneapolis gibt nicht auf
       
       > Erneut gingen Zehntausende am Freitag in der Stadt auf die Straße. Und
       > auch andernorts in den USA fanden Demos statt. Die vorübergehende
       > Festnahme zweier Journalist:innen sorgte für zusätzlichen Unmut.
       
 (IMG) Bild: In Minneapolis haben die Menschen klare Botschaften an die Trump-Administration – wie hier auf der Demo am Freitag
       
       afp/dpa/taz | In Minneapolis haben am Freitag Zehntausende Menschen
       friedlich gegen die Einwanderungspolitik von US-Präsident Donald Trump
       protestiert. Anders als bei vorherigen Protesten gab es keine Festnahmen,
       Verletzungen oder Sachbeschädigungen, wie die Polizei von Minneapolis der
       Nachrichtenagentur AFP mitteilte. [1][Nach den tödlichen Schüssen auf zwei
       US-Bürger bei Abschieberazzien] in der Stadt im Bundesstaat Minnesota war
       zu einem landesweiten Aktionstag unter dem Motto „Nationaler Shutdown“
       aufgerufen worden.
       
       Die Demonstrationen weiteten sich auf 46 Bundesstaaten aus. Auch in New
       York, Los Angeles und San Francisco gingen Menschen gegen das harte
       Vorgehen der Einwanderungsbehörde ICE auf die Straße. In Aurora im
       Bundesstaat Colorado und in Tucson in Arizona blieben Schulen geschlossen,
       ⁠da massenhaft Lehrer und Schüler dem Unterricht fernblieben.
       
       In Minneapolis wurde der Protest von Rockstar Bruce Springsteen
       unterstützt. Er sang am Freitagmittag bei einem vom ehemaligen
       Rage-Against-the-Machine-Gitarristen Tom Morello mitinitiierten
       Benefizkonzert für die Familien der beiden Getöteten Alex Pretti und Renée
       Good im traditionsreichen Musikclub [2][First Avenue] [3][seinen neuen
       Protestsong „Streets of Minneapolis“]. Springsteen hatte ihn als Reaktion
       auf die tödlichen Schüsse komponiert. „Dies ist für die Menschen von
       Minneapolis, die Menschen in Minnesota und die Menschen in unserem guten
       Land, den Vereinigten Staaten von Amerika“, sagte Springsteen bei seinem
       Auftritt.
       
       In seinem Lied wendet sich der 76-jährige Rockstar gegen „König Trumps
       Privatarmee“, die „Besatzerstiefel“ trägt und „Pistolen an ihre Mäntel
       geschnallt hat“. Er spielt damit auf die rund 3.000 Bediensteten der
       Einwanderungsbehörde ICE und der Grenzschutzagentur CBP an, die die
       Trump-Regierung nach Minneapolis entsandt hatte, um Zuwanderer ohne
       Aufenthaltserlaubnis aufzuspüren.
       
       Am vergangenen Samstag war der 37-jährige Krankenpfleger Alex Pretti am
       Rande einer Abschiebe-Razzia in Minneapolis erschossen worden. Das
       US-Heimatschutzministerium sprach zunächst von „Abwehrschüssen“ der
       Einsatzkräfte. Videoaufnahmen zeigen den bereits überwältigten Pretti
       jedoch am Boden, als die tödlichen Schüsse fielen. Das Vorgehen der
       Einsatzkräfte in Minneapolis, die dort bereits am 7. Januar die
       unbewaffnete Autofahrerin Renée Good erschossen hatten, [4][löste
       landesweit Empörung und in einigen Städten Proteste aus].
       
       Inzwischen haben die Herausgeber:innen des linken US-Magazins The
       Nation die Stadt Minneapolis und ihre Einwohner beim norwegischen
       Nobelpreiskomitee [5][offiziell für den Friedensnobelpreis nominiert]. In
       ihrer Begründung heißt es unter anderem: „Durch unzählige Akte des Mutes
       und der Solidarität haben die Menschen in Minneapolis die Kultur der Angst,
       des Hasses und der Brutalität herausgefordert, die die Vereinigten Staaten
       und zu viele andere Länder erfasst hat. Ihr gewaltfreier Widerstand hat die
       Fantasie der Nation und der Welt beflügelt.“
       
       ## Früherer CNN-Moderator und freie Journalistin festgenommen
       
       Im Zusammenhang mit vorherigen Protesten wurden am Freitag zwei
       Journalisten festgenommen: der frühere CNN-Moderator Don Lemon und die
       freie Journalistin Georgia Fort.
       
       US-Justizministerin Pam Bondi begründete die Festnahmen damit, dass Lemon
       und andere einen „koordinierten Angriff“ auf eine Kirche im Bundesstaat
       Minnesota verübt hätten. Demonstranten hatten am 18. Januar einen
       Gottesdienst in einer Kirche in St. Paul, der Hauptstadt von Minnesota,
       gestört, weil sie dort den stellvertretenden Leiter des örtlichen ICE-Büros
       vermuteten.
       
       Laut CNN übertrug Lemon mit einer weiteren Journalistin an dem Tag live,
       wie Dutzende gegen die Einwanderungsbehörde ICE Demonstrierende eine Kirche
       stürmten und einen Gottesdienst unterbrachen.
       
       Der Sender CBS berichtete unter Berufung auf Gerichtsunterlagen, Lemon und
       acht Mitangeklagten würden Verschwörung gegen die Religionsfreiheit an
       einem Gotteshaus sowie Verletzung, Einschüchterung und Behinderung der
       Ausübung der Religionsfreiheit an einem Gotteshaus vorgeworfen. Dem Sender
       CNN zufolge sagte ein Bundesstaatsanwalt vor Gericht, Lemon habe sich
       „wissentlich einem Mob angeschlossen, um eine Kirche zu stürmen“.
       
       Lemon hatte den Pastor der betroffenen Kirche in einem Interview gefragt,
       ob der Protest nicht durch die Meinungsfreiheit gedeckt sei, die im ersten
       Zusatzartikel der US-Verfassung festgeschrieben ist. Der Geistliche
       verurteilte die Aktion in seinem Gotteshaus dagegen als „schändlich“.
       
       Lemon verbrachte die Nacht zum Samstag in Los Angeles in einer Zelle, wie
       sein Anwalt erklärte. Nach einer kurzen Gerichtsanhörung kam er US-Medien
       zufolge ohne Kaution wieder auf freien Fuß. Er soll demnach am 9. Februar
       erneut vor Gericht erscheinen, dann in Minneapolis. Georgia Fort wurde
       ebenfalls wieder aus dem Gewahrsam entlassen. Gegenüber CNN erklärte Fort,
       [6][ihre und Lemons Festnahme anlässlich ihrer Berichterstattung über den
       Kirchenprotest sei alarmierend]. Die Meinungsfreiheit werde zur Disposition
       gestellt.
       
       „Ich habe in meiner ganzen Karriere über Nachrichten berichtet. Ich werde
       jetzt nicht aufhören“, [7][sagte Lemon nach seiner Freilassung vor
       Reportern]. Er betonte, es gebe keinen wichtigeren Zeitpunkt für die freien
       und unabhängigen Medien, um die Wahrheit ans Licht zu bringen und die
       Mächtigen zur Rechenschaft zu ziehen. Der Journalist weist die
       Anschuldigungen gegen seine Person zurück.
       
       Journalistenverbände und auch die Demokraten im Kongress hatten das
       Vorgehen gegen die Journalisten als eklatanten Angriff auf die
       Pressefreiheit verurteilt.
       
       ## Trump übt erneut scharfe Kritik an Pretti
       
       [8][Nachdem er zuvor einen versöhnlicheren Ton angeschlagen hatte], übte
       Trump am Freitag erneut scharfe Kritik an Pretti. Er schrieb in seinem
       Onlinedienst Truth Social, der Krankenpfleger sei ein „Unruhestifter und
       möglicherweise ein Aufständischer“ gewesen. Trump verwies auf ein Video,
       das Pretti anderthalb Wochen vor seinem Tod zeigen soll. Darin beschädigt
       der Krankenpfleger offenbar das Rücklicht eines Wagens von
       Bundesbediensteten und spuckt in Richtung der Einsatzkräfte aus.
       
       Nach der großen Empörung über die Todesfälle hatte Trump angekündigt, die
       Lage zu beruhigen. Er entsandte seinen Grenzbeauftragten Tom Homan nach
       Minneapolis, der inzwischen einen Teilabzug der Einsatzkräfte der Regierung
       in Aussicht stellte. Wann dieser erfolgen soll und wie viele der rund 3.000
       ICE-Mitarbeiter abgezogen werden, sagte Homan jedoch nicht.
       
       Minnesotas Gouverneur Tim Walz, der sich zuvor mit Homan getroffen hatte,
       zeigte sich dementsprechend skeptisch. Auf X postete er: „Taten sagen mehr
       als Worte. Tom Homan sagt, er wolle die Dinge anders angehen, aber bisher
       sind noch keine bedeutenden Veränderungen zu erkennen.“ [9][Erneut forderte
       er von der Bundesregierung den Abzug der ICE-Agenten aus Minnesota, damit
       die Sicherheit der Menschen dort gewährleistet sei].
       
       Das US-Justizministerium kündigte derweil weitere Untersuchungen zu einem
       möglichen Verstoß gegen die Grundrechte von Pretti an. Diese sollen die
       bereits laufenden Untersuchungen des Heimatschutzministeriums sowie der
       Bundespolizei FBI zu den Umständen der tödlichen Schüsse auf Pretti
       ergänzen, erklärte der stellvertretende Justizminister Todd Blanche.
       
       Die Regierung in Washington trat derweil um Mitternacht in eine kurzzeitige
       Haushaltssperre. Im Streit um schärfere Auflagen für die
       Einwanderungsbehörde ICE zwischen dem Weißen Haus und den Demokraten hatte
       sich der US-Senat am Freitag zwar auf einen zuvor ausgehandelten Kompromiss
       geeinigt. Der Text muss jedoch vom Repräsentantenhaus bewilligt werden, das
       erst am Montag wieder tagt. Demokraten wie Republikaner äußerten sich
       hoffnungsvoll, dass der Shutdown höchstens wenige Tage andauert.
       
       31 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Toedliche-ICE-Schuesse/!6148497
 (DIR) [2] https://first-avenue.com/
 (DIR) [3] /Protest-Song-von-Bruce-Springsteen-Eine-Hymne-gegen-ICE/!6149768
 (DIR) [4] /Toedliche-ICE-Schuesse/!6148499
 (DIR) [5] https://www.thenation.com/article/activism/the-nation-nominates-minneapolis-for-the-nobel-peace-prize/
 (DIR) [6] https://edition.cnn.com/2026/01/30/us/video/georgia-fort-interview-anderson-cooper-digvid
 (DIR) [7] https://edition.cnn.com/2026/01/30/us/video/ac360lemon
 (DIR) [8] /Trump-nennt-toedliche-ICE-Schuesse-in-Minneapolis-ploetzlich-furchtbar/!6149461
 (DIR) [9] https://x.com/GovTimWalz/status/2017362574338089093
       
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