# taz.de -- Aktivistin über Doppeldiskriminierung: „Man steht da immer mit Boxhandschuhen“
       
       > Das Landesnetzwerk Migrant*innen-Organisationen lädt zum Dialog
       > ein. Das Ziel: Gemeinsam sichere Räume für Frauen of Color schaffen.
       
 (IMG) Bild: Frau sein und dazu noch Frau of Color kann eine doppelte Last sein
       
       taz: Jimena Färber, mit wem soll die Macht geteilt werden? 
       
       Jimena Färber: Mit Gruppen, die weniger Zugang zu Macht haben, seien es
       jetzt Frauen, Frauen of Color, Menschen mit Behinderung, queere Menschen.
       Insbesondere Migrant*innen. Macht teilen ist auch in diesem Fall ein
       treffender Ausdruck, weil es da eben um Gerechtigkeit geht.
       
       taz: Was bedeutet es, als Frau doppelte Last zu tragen? 
       
       Färber: Zum einen erlebt man immer wieder Misogynie als Frau. Es wird einem
       nicht so viel zugetraut. Ich würde auch sagen, wenn man Wut äußert oder
       Ungerechtigkeiten anspricht, dann wird einem das schnell als emotionaler
       Ausbruch zur Last gelegt. Gleichzeitig stellt sich für eine Frau of Color
       oft die Frage, ob einem auch dann nicht geglaubt wird, wenn man Rassismus
       benennt. Das sind ähnliche Mechanismen, die zusammenwirken und zu einer
       spezifischen Diskriminierungsform werden. Das bedeutet doppelte Last.
       
       taz: In welchen Situationen wird diese doppelte Last besonders spürbar? 
       
       Färber: In der Arbeitswelt ist es manchmal ein Problem, da einem aus
       verschiedenen Gründen weniger zugetraut wird. Man muss öfter beweisen, dass
       man eine gute Migrant*in ist und eine gute Deutsche, die die Sprache kann
       und den eigenen Abschluss oder die Führungsposition auch wirklich verdient
       hat.
       
       taz: Wie äußert sich Alltagsrassismus in Ihrem Leben, zum Beispiel in
       sozialen Situationen oder im Berufsleben? 
       
       Färber: Ich hab das Privileg, dass mir das nicht so oft passiert und ich
       ein gutes Deutsch habe. Allerdings gibt es Situationen beim Feiern, in
       denen Menschen meinen Vornamen hören und dann oft die Frage nach der
       Herkunft folgt. Ich rede da, ehrlich gesagt, ganz ungern drüber. In
       Bewerbungsgesprächen ist das manchmal Thema und es ist eine ganz unschöne
       Situation, weil man sich sehr ausgeliefert fühlt. Gerade wenn man eine
       [1][bestimmte Wohnung], einen bestimmten Job haben möchte. Rassistische
       oder sexistische Begriffe anzusprechen, ist dann einfach doppelt schwierig,
       weil man weiß: Ich bin eine Frau und ich bin auch Migrantin. Das wird
       einfach nicht gerne gehört. Man steht da immer mit Boxhandschuhen und muss
       irgendwie gewappnet sein.
       
       taz: Haben Sie das Gefühl, manchmal bewusst in Szene gesetzt zu werden? 
       
       Färber: Ja, wahrscheinlich wegen des Konzepts von [2][Tokenismus]. Also,
       dass Unternehmen oder Institutionen wie Schulen und Ämter sich einfach als
       besonders offen darstellen möchten und damit eigentlich ihr eigenes Image
       aufpolieren wollen. Das geht eben sehr leicht über Bilder und ein bisschen
       Werbung, ohne dabei echte Strukturen zu verändern.
       
       taz: Waren Sie schon mal in so einer Situation? 
       
       Färber: Ich hab das schon erlebt, dass ich dann schön in den Vordergrund
       geschoben wurde, obwohl meine Organisation, in der ich damals war,
       eigentlich nur aus weißen Menschen bestand. Aber ich bin dann auf dem Foto
       gelandet, weil sich das eben gut macht. Das ist je nachdem, welche
       Institution das ist, eben ein wirtschaftlicher Vorteil.
       
       taz: Wie können sichere Räume geschaffen werden? 
       
       Färber: Für sicherere Räume allgemein ist es wichtig, sich zum Beispiel mit
       Rassismus, Sexismus und Queerfeindlichkeit auseinanderzusetzen, sodass
       Menschen ein allgemeines Bewusstsein haben, wann etwas diskriminierend oder
       verletzend ist. Ich bin Teil der [3][Hochschulgruppe Empowerment von und
       für Black, Indigenous, People of Color] und da versuchen wir, explizit
       Safer Spaces zu kreieren. In denen kommen wir als Betroffene zusammen und
       können nur unter uns geschützt darüber sprechen, was uns passiert. Wir
       teilen Wissen und Erfahrungen und wie wir mit bestimmten Dingen umgehen
       können. Manchmal machen wir auch Filmabende, bei denen wir dann Filme über
       Geschichten von Frauen of Color, von migrantischen Frauen zeigen und wir
       einfach unter uns sind. Das sind Räume, wo man empowern kann und Austausch
       stattfindet.
       
       11 Mar 2026
       
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