# taz.de -- Feministisches Netzwerk in Sambia: „Wenn eine Frau spricht, dann verändert das alles“
       
       > Choolwe Nkwemu Jacobs ist Professorin für Gesundheitswissenschaften in
       > Sambia. Sie hat eine Plattform gegründet, auf der sich Frauen vernetzen
       > können.
       
       Als junge Frau hat sich Choolwe Nkwemu Jacobs lange nicht gezeigt. Obwohl
       sie etwas zu sagen hatte, erzählt die 49-Jährige heute, blieb sie in
       Gesprächen oft still. „Ich war eine von diesen Frauen, die dachten, sie
       sollte am besten noch dreimal in die Bibliothek gehen und recherchieren,
       bevor sie sich äußert“. Ihr fehlte schlicht das Selbstbewusstsein, für sich
       selbst einzustehen, sagt sie. Gerade in einer männerdominierten Domäne wie
       der Medizin und den Gesundheitswissenschaften.
       
       Wie hat es die Professorin aus Sambia dennoch geschafft, so erfolgreich zu
       sein? Nach ihrem Studium in Sambia und Neuseeland promovierte Jacobs in
       Südafrika, machte Stationen an US-amerikanischen Universitäten, und wurde
       schließlich als Professorin für Public Health an die Universität Sambia
       berufen. „Wie viel Kraft, wie viel Zeit mich das gekostet hat“, überlegt
       sie heute. Als Frau habe sie [1][hundertmal mehr tun müssen], um in einer
       Führungsrolle anerkannt zu werden, sagt Jacobs. „Während Männer immer noch
       mehr Aufmerksamkeit bekommen, wenn sie nur maskulin genug sind, gut
       sprechen und selbstbewusst herumlaufen.“
       
       Wie hat sich ihre eigene Unsicherheit gewandelt? Dazu erzählt Jacobs eine
       Anekdote. Roopa Dhatt, die langjährige Leiterin der Organisation Women in
       Global Health, hat sie einst eingeladen, zusammen bei der
       Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf zu sprechen. Jacobs war
       aufgeregt, während Dhatt sie immer wieder daran erinnerte, weshalb sie hier
       waren: Um für Geschlechtergerechtigkeit zu kämpfen, um die Frauen zu
       vertreten, [2][die sie versorgten] und mit denen sie arbeiteten. Während
       Jacobs noch an sich zweifelte, glaubte Dhatt schon lange an sie.
       
       „Irgendwann in dieser Sitzung nannte Roopa mich namentlich, alle Blicke
       waren auf mich gerichtet, und ich musste einfach etwas sagen, denn ich
       wollte Roopa ja nicht enttäuschen“, erzählt Jacobs und lacht laut. Dieses
       Meeting werde sie nie vergessen. „[3][Wenn eine Frau spricht, dann
       verändert das alles]“, sagt sie. Es verändere die Frau selbst und es
       verändere die anderen. Denn die gelebten Erfahrungen von Frauen, die
       öffentlich oft so unterrepräsentiert seien, werden dann endlich gehört.
       
       Heute will Jacobs, dass auch andere Frauen eine „Roopa“ haben. Deswegen hat
       sie Women in Global Health Sambia gegründet. Auf der Plattform können
       Frauen sich vernetzen und Mentorinnen und Jobangebote finden. Auch auf
       Führungsverantwortung bereitet die ehrenamtliche Organisation vor.
       
       Insbesondere im Gesundheitssektor ist die Diskrepanz weltweit nämlich
       besonders groß: Während Frauen rund 70 Prozent der Angestellten im
       Gesundheitswesen ausmachen, stellen sie nur 25 Prozent der
       Entscheidungsträger:innen. Mittlerweile hat die Organisation in Sambia über
       700 aktive Mitglieder, die als Pflegerinnen, Krankenschwestern, Ärztinnen,
       Physiotherapeutinnen oder auch Anwältinnen im Gesundheitsbereich arbeiten.
       
       Ob Chancengleichheit in Gesundheitsberufen, der Schutz vor Gewalt gegen
       Pfleger:innen oder die Geschlechtergerechtigkeit in der Wissenschaft –
       Jacobs hat noch Dinge zu tun. Neben Roopa Dhatt ist ihr dabei auch ihre
       Mutter ein Vorbild. Diese war früh verwitwet, hat als Grundschullehrerin
       gearbeitet, ihre Kinder großgezogen und abends, ohne Strom damals, für ihre
       Familie das Essen gekocht. „Heute, wenn ich mit meiner Schwester
       telefoniere und wir feststellen, wie müde wir sind, muss ich an meine
       Mutter denken. Sie muss bestimmt sehr müde gewesen sein“, sagt Jacobs,
       „doch ich habe nie gehört, dass sie sich beschwert hat.“
       
       6 Mar 2026
       
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