# taz.de -- Mit Schweigegelübde: EU-Abgeordnete sieht Posten-Kartell in Niedersachsens AfD
       
       > Aus der AfD gibt es Kritik am Landesvorsitzenden Ansgar Schledde, auch
       > „der Pate“ genannt. Interne Briefe deuten Kungeleien um Jobs und Gelder
       > an.
       
 (IMG) Bild: Großer Strippenzieher? Niedersachsens AfD-Landeschef spricht beim Parteitag zur Aufstellung der Landesliste für die Bundestagswahl
       
       In der niedersächsischen AfD soll eine „Allianz“ um den Landesvorsitzenden
       Ansgar Schledde über Posten und Karrieren, Macht und Geld entscheiden. Eine
       Partei in der Partei. Ein AfD-Mitglied sprach zur taz von „Drohungen,
       Erpressungen und Veruntreuungen“. Im Landesverband werde Schledde, der auch
       stellvertretender Vorsitzender der Landtagsfraktion ist, auch als der „Pate
       der AfD Niedersachsen“ bezeichnet.
       
       Ganz offen prangerte Anja Arndt die Zustände im Landesverband an. In einem
       Brief an die Bundesspitze Alice Weidel und Tino Chrupalla behauptet die
       Europaabgeordnete aus Niedersachsen, dass Schledde und seine Mitstreitenden
       die Partei als ein Geschäftsmodell betrachteten, um sich „dauerhaft
       persönlich“ zu bereichern. Das Schreiben umfasse 15 Seiten plus 78 Seiten
       Anhang, berichtet die Bild.
       
       Arndt zufolge wurde die Allianz am 10. Februar 2024 im Landtag gegründet.
       In Hannover sollen neben Schledde, die heutigen Bundestagsabgeordneten Dirk
       Brandes, Mirco Hanker, Jörn König, Danny Meiners und Angela Rudzka
       zusammengefunden haben – mit vor Ort auch Arndt selbst. Die 48-Jährige will
       aber den Raum verlassen haben, als alle Anwesenden aufgefordert worden
       seien, die rechte Hand zu heben und zu schwören, nichts über das Netzwerk
       verlauten zu lassen.
       
       „Ich dachte bei mir:,Das mache ich nicht mit. Das ist verboten'“, wird sie
       zitiert. Das sei „der falsche Weg“. In ihrem Brief gibt sie zudem Main
       Müller wieder. Bis vergangenen Jahres soll der AfD-Kreisvorsitzende in
       Goslar der Allianz angehört haben. „Jeder gibt dort jedem einen Job – und
       wer keinen Job will, so wie ich, der ist nicht gern gesehen“, wird er
       zitiert. Durch diese Methode würden Leute abhängig und gefügig gemacht.
       
       ## Kampf um Macht und Einfluss
       
       An die 80 Prozent der Kreisvorsitzenden sollen der Allianz angehören.
       Kommuniziert werde über Whatsapp, behauptet Arndt. Ein Gruppenname:
       „Allianz-Hauptquartier“.
       
       Interne Materialien aus der AfD, die der taz vorliegen, zeigen allerdings
       auch, wie Müller selbst versuchte, seine Macht auszubauen. Screenshots aus
       einer parteiinternen Whatsapp-Gruppe legen nahe, dass er Mitglieder aus der
       Parteikommunikation ausschloss. Mit der stellvertretenden Kreisvorsitzenden
       Olga Grabo, die mit Müller liiert ist, gründete er eine neue „AfD
       Privatgruppe“.
       
       Unter dem der taz zugespielten Material sind auch Rechnungen. Ein
       Gaststättenbesuch von Müller und Grabo zusammen mit dem
       AfD-Bundestagsabgeordneten Maximilian Krah 2024 in Osterode kostete 533
       Euro. In jenem Jahr war Krah noch AfD-Europaabgeordneter.
       
       Das fast 50 Seiten umfassende Material soll dem Landesvorstand am 25.
       August vergangenen Jahres übersandt worden sein, in der Hoffnung auf eine
       „Ordnungsmaßnahme“. Auch der Bundestagsabgeordnete Brandes soll den Brief
       erhalten haben, mit der Bitte, den Bundesvorstand zu informieren.
       
       Passiert sei aber nichts, beklagt sich das AfD-Mitglied bei der taz und
       vermutet: Müller haben was gegen Schledde „in der Hand“. Die
       AfD-Bundestagsabgeordnete Micha Fehre sagte der taz, dass gegen Müller ein
       „Ausschlussverfahren wegen parteischädigendem Verhalten“ laufe.
       
       Beide Briefe belegen, dass interne Machtkämpfe mit verschiedensten Mitteln
       im Landesverband laufen. Brandes schrieb der taz, dass sich Arndt und
       Müller aus „persönlicher Frustration“ zu solchen Behauptungen verstiegen
       hätten. Die „Story“ sei „frei erfunden“. Am Landesverband perle sie ab,
       behauptet der Bundestagsabgeordnete.
       
       Schledde sagte der taz: „Anja Arndt und Main Müller waren schon für sich
       enorm ambitionierte, aber schwierige Charaktere innerhalb unserer
       niedersächsischen AfD.“ Nachdem die beiden sich zusammengetan hätten, sei
       es immer absurder geworden. „Ich wünsche beiden ein gesundes und
       erfolgreiches Leben, doch vielleicht außerhalb unserer Partei“, sagt
       Schledde.
       
       Gegen Schledde gibt es aber noch andere Vorwürfe: Seit 2023 ermittelt die
       Staatsanwaltschaft Hannover gegen den 48-Jährigen wegen des Verdachts,
       48.000 Euro Parteispenden auf sein Privatkonto gelenkt zu haben. 2024
       wurden seine Geschäftsräume durchsucht.
       
       Im Nachbar-Landesverband Sachsen-Anhalt sieht es nicht viel besser aus.
       Dort geriet Fraktionsvorsitzende Ulrich Siegmund wegen der Vergabe von Jobs
       in die Kritik. Mehrere Familienmitglieder sollen in Büros vom
       Mandatstragenden angestellt worden sein. Siegmund, der [1][Spitzenkandidat
       zur Landtagswahl] ist, versucht diese Einstellungspraxis mit dem Verweis zu
       legitimieren, Familienmitgliedern könne man trauen.
       
       Auch im eigenen Milieu wird dieses Verhalten kritisiert. Götz Kubitschek
       [2][greift die Vorwürfe auf sezession.net auf]: Kaum etwas könne der AfD
       gefährlich werden, fast nichts von außen, „keine [3][Remigration-Debatte],
       keine [4][Rußland-Debatte], kein Verfassungsschutz, keine Verleumdung“,
       schreibt der Gründer des von ihm selbst aufgelösten rechtsextremen
       Instituts für Staatspolitik. Nun sei der Schaden da. „Die Glaubwürdigkeit
       hat einen Riß“, schreibt Kubitschek. „Tünche reicht nicht, aufräumen muß
       man.“
       
       9 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Sven-Schulze-folgt-Reiner-Haseloff/!6149416
 (DIR) [2] https://sezession.net/
 (DIR) [3] /AfD-Abgeordnete-und-die-Identitaeren/!6148076
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       ## AUTOREN
       
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