# taz.de -- Feigenblatt-Beschluss der AfD: Keine Parteiveranstaltungen mit Sellner mehr
> Die AfD-Spitze will keine Schlagzeilen über Treffen mit dem als
> rechtsextrem eingestuften Österreicher Martin Sellner. Inhaltliche
> Distanzierung: Fehlanzeige.
(IMG) Bild: Große Aufmerksamkeit für Martin Sellner in Erfurt Ende Januar 2026
dpa/taz | AfD-Mitglieder sollen nach dem Willen der Parteispitze keine
Veranstaltungen mit der Führungsfigur der [1][als rechtsextremistisch
eingestuften Identitären Bewegung (IB)], Martin Sellner, mehr organisieren.
Ein entsprechender Beschluss wurde nach dpa-Informationen im Bundesvorstand
gefasst. [2][Alle Verbände und Mitglieder der AfD] würden dazu
aufgefordert, „keine Parteiveranstaltungen mit Sellner durchzuführen“, hieß
es in einem dazugehörigen Schreiben, das später an die Landes-, Bezirks-
und Kreisvorstände der Partei geschickt werden sollte.
## Sellner-Treffen nicht per se ausgeschlossen
Mit diesem Beschluss wären künftige Treffen von AfDlern mit Sellner nicht
per se ausgeschlossen, auf AfD-Ticket stattfinden sollen sie aber nicht
mehr. Thüringer AfD-Politiker hatten den Österreicher zuletzt
öffentlichkeitswirksam im Erfurter Landtag empfangen, nachdem wenige Tage
zuvor bereits [3][ein Treffen der Brandenburger AfD-Politikerin Lena Kotré
mit ihm Aufsehen erregt hatte]. Kotré hatte Sellner ursprünglich zu einem
Vortrag eingeladen, sagte die Veranstaltung nach Intervention der
AfD-Spitze aber wieder ab und trat dann ihrerseits als Gast bei einer
Sellner-Veranstaltung auf. Das Bundesverwaltungsgericht hat Sellners
rassistische Konzepte als klar verfassungswidrig eingestuft, die extrem
rechte AfD nutzt seinen Kampfbegriff „Remigration“ dennoch konsequent.
## Distanz zu Sellners Ideen signalisieren
In dem Schreiben der AfD-Spitze an die Landes-, Bezirks- und Kreisvorstände
verweist der Vorstand auf geltende Positionen in der Partei, die Distanz zu
Sellners Ideen signalisieren sollen, etwa auf eine AfD-Erklärung von 2021
zum „deutschen Staatsvolk und zur deutschen Identität“. Darin hatte die AfD
geschrieben, sie bekenne sich „vorbehaltslos zum deutschen Staatsvolk als
der Summe aller Personen, die die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen (…)
Staatsbürger erster und zweiter Klasse gibt es für uns nicht“.
Außerdem wird auf ein im Januar 2024 verabschiedetes AfD-Positionspapier
zur sogenannten Remigration verwiesen. Darin heißt es: „Die AfD
unterscheidet nicht zwischen deutschen Staatsangehörigen mit und ohne
Migrationshintergrund. Alle Deutschen sind ohne Ansehen von Herkunft,
Abstammung, Weltanschauung oder Religionszugehörigkeit Teil unseres
Staatsvolks.“
## Gericht: Sellner-Konzept verstößt gegen Grundgesetz
Die Rechercheplattform „Correctiv“ hatte 2024 über ein Treffen rechter
Kreise in Potsdam berichtet. In die Schlagzeilen geriet es unter anderem
wegen des Begriffs Remigration, den Sellner nach eigenen Angaben dort
verwendet hatte. Nach Auffassung des Bundesverwaltungsgerichts verstößt
sein Konzept gegen die vom Grundgesetz geschützte Menschenwürde. Es erkenne
nicht jeden Staatsbürger als gleichberechtigt an.
Sellner bezieht auch Staatsbürger mit Migrationshintergrund in sein Konzept
ein, wenn diese sich nicht assimiliert (angeglichen oder angepasst) hätten.
Er will sie nach eigenen Angaben zwar nicht abschieben lassen, aber mit
Druck dazu bewegen, zu gehen.
9 Feb 2026
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