# taz.de -- AfD-Verbot: Hört doch endlich zu!
> Seit Jahren wird diskutiert, ob man die AfD verbieten kann oder sollte.
> Warum nicht einfach auf jene hören, die die NS-Zeit erlebt haben?
(IMG) Bild: Menschen protestieren gegen die AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“ in Berlin
Schon seit über zehn Jahren wird in Deutschland darüber diskutiert, ob man
die rechtsextreme AfD verbieten sollte. In NRW haben sich
[1][zivilgesellschaftliche Gruppen nun zusammengeschlossen, um die
Landespolitik endlich zum Einlenken zu bewegen]. Kritiker:innen der
Partei war schon früh nach ihrer Gründung 2013 klar, dass nicht
unwesentliche Teile der AfD aus Rechtsextremen bestehen.
Erst Jahre später, 2019, reagierte der Verfassungsschutz mit der Einstufung
des sogenannten „Flügels“ um Björn Höcke als rechtsextremen Verdachtsfall.
[2][Seit Anfang 2025 gilt die Gesamtpartei als gesichert rechtsextrem],
selbst wenn der Verfassungsschutz diese Bezeichnung bis zum Ende der
AfD-Klage nur intern nutzt.
Solange die Debatte schon dauert, wird sie auch von Stimmen begleitet, die
ein AfD-Verbot entweder fälschlicherweise für nicht möglich oder aber sogar
für falsch halten. Für Letzteres sind die Argumente verschieden: Manche
sagen, man müsse die AfD wegen der relevanten Zahl an
Wähler:innenstimmen miteinbeziehen. Dem Opfernarrativ der Partei die
Grundlage zu entziehen funktioniert aber nicht. Ihm zu folgen, mündet, wie
wir sehen, zwangsläufig in einem Rechtsruck.
Manche linken Gegner:innen eines Verbots wiederum führen an, dass das
Verbot einer Oppositionspartei nicht nur autoritär, sondern auch ein
Eingeständnis des Scheiterns der liberalen Demokratie ist. Damit haben sie
sicher recht. Dass CDU, CSU und SPD eine große Mitschuld am Erstarken der
Rechtsextremen haben, liegt auf der Hand. Und auch der Einwand, ein
AfD-Verbot würde die Rechtsextremen in Deutschland nicht verschwinden
lassen, ist korrekt.
## Zeit für „letzte Mittel“ wie das Parteiverbot
Wir befinden uns in einer Zeit, in der die liberale Demokratie einerseits
immer häufiger enttäuscht, weil sie illiberaler wird und sie andererseits
massiven Angriffen durch die AfD & Co. ausgesetzt ist. Ein Parteiverbot
sollte das letzte Mittel sein. Doch wir befinden uns in der Zeit der
letzten Mittel. Es kann jetzt nur noch darum gehen, Schlimmeres zu
verhindern.
Hören wir doch auf jene, die den Nationalsozialismus erlebt haben. Erst vor
wenigen Tagen warnte der Holocaustüberlebende Leon Weintraub vor der AfD:
„Die Verbrechen der Nazis begannen nicht in Auschwitz. Sie begannen mit
Ausgrenzung, Erniedrigung und mit Verächtlichmachung der Jüdinnen und Juden
und weiterer Minderheiten.“ Das Gleiche tut heute die AfD.
Sich gegen die Feinde der Demokratie zu wehren, sei die entscheidende Lehre
aus dem Holocaust, sagt Weintraub. Ja, es gibt Unterschiede zwischen den
Nationalsozialisten und der AfD. Doch die Parallelen sind zu zahlreich. Das
sagen neben Historiker:innen auch Holocaustüberlebende wie Leon
Weintraub, Albrecht Weinberg oder Sally Perel. Wenn
Bundespolitiker:innen „Nie wieder“ sagen, wie können sie dann jene
ignorieren, die es selbst erlebt haben und sagen, es geht wieder los?
Daher, hören Sie ihnen zu, wenn sie sagen: „Leiten Sie ein Verbotsverfahren
gegen die AfD ein. Die Geschichte wird es Ihnen danken.“
8 Feb 2026
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