# taz.de -- Olympische Eröffnungsfeier: Ansehnliches Friedenstheater
       
       > Die Olympischen Winterspiele in Norditalien werden mit einer Popshow
       > heiter eröffnet. Doch nicht alles kommt gut an. Pfiffe gibt's für Israel
       > und JD Vance.
       
 (IMG) Bild: Feuer frei für die Winterspiele: Eröffnungsfeier im Mailänder San-Siro-Stadion
       
       Dann war es also doch geschafft. Nach dreieinhalb Stunden zähen Programms,
       brannte das Olympische Feuer endlich in Mailand und Cortina d’Ampezzo.
       Längst waren nicht mehr alle der zu Beginn anwesenden 67.000 Leute im
       Mailänder San-Siro-Stadion, als Italiens Skiheldinnen [1][Alberto Tomba]
       und [2][Deborah Compagnoni] das Feuer in Mailand entzündeten.
       
       In Cortina, wo die alpine Speedspezialistin [3][Sofia Goggia] die letzte
       Fackel trug, waren nur noch wenige Olympiafreunde auf der Straße. In
       Predazzo und Livigno, den beiden anderen Orten, an denen die Athletinnen
       ihre Parade abgehalten hatten, war die Show zu diesem Zeitpunkt um halb
       zwölf eh schon vorbei.
       
       Es ist gewiss nicht einfach, olympische Stimmung zu transportieren bei
       diesem Experiment, das da gerade in Italien stattfindet. Die Wettbewerbe
       sind [4][von Mailand bis über den ganzen italienischen Alpenraum verteilt].
       In Mailand zogen die Sportlerinnen ins Stadion, in Cortina, Predazzo und
       Livigno durch die Orte. Das brauchte eben seine Zeit.
       
       Stadt und Berge sollen in Harmonie die Welt beherbergen. „Armonia“, das war
       der Titel der Eröffnungsshow, die der erfahrene Eröffnungsfeiergestalter
       Marco Balich ins Stadion und die drei Alpenorte gebracht hat. Klar, eine
       Friedenstaube darf da nicht fehlen. Die wurde gegen Ende der Show von den
       Tänzern der Mailander Scala mit ihren Körpern auf den Boden gezeichnet.
       
       Dann redete Starschauspielerin [5][Charlize Theron in ihrer Rolle als
       UN-Friedensbotschafterin] der Welt noch ins Gewissen, indem sie [6][ihren
       Landsmann Nelson Mandela] zitierte. „Frieden ist nicht nur die Abwesenheit
       von Konflikten; Frieden ist die Schaffung eines Umfelds, in dem alle
       Menschen unabhängig von Rasse, Hautfarbe, Glaubensbekenntnis, Religion,
       Geschlecht, Klasse, Kaste oder anderen sozialen Unterschiedsmerkmalen zur
       Blüte gelangen können.“
       
       Nun soll also der Sport, den IOC-Präsidentin Kristy Coventry so gerne als
       völlig losgelöst von der Politik sähe, doch den Frieden auf der Welt
       bringen? Schön wär’s.
       
       ## Proteste vor der Feier
       
       Doch die Spiele können nicht einmal in den Gastgeberstädten für
       Zusammenhalt sorgen. Zwei Stunden vor der Eröffnungsfeier hatten sich gut
       300 linke Aktivistinnen unweit des Stadions versammelt, um auf die
       Umweltzerstörung, die Gentrifizierung und die Vertreibung der angestammten
       Bevölkerung für olympische Neubauprojekte aufmerksam zu machen. Auch die
       Anwesenheit der US-Miliz ICE in der Stadt wurde in Sprechchören kritisiert.
       Die hatte die US-Delegation um Vizepräsident JD Vance nach Italien
       mitgebracht, auf dass sie für Sicherheit sorge.
       
       Dessen Auftritt passt so gar nicht zu den olympischen Friedensbotschaften.
       Der Meinung war auch ein Großteil der bürgerlichen Olympiafreundinnen im
       Stadion. Als beim Einzug des US-Teams der Vizepräsident auf der
       Stadionleinwand eingeblendet wurde, hallten Pfiffe durch die Arena. Noch
       lauter wurde gepfiffen, als das Team aus Israel die Stadionrunde gemacht
       hat.
       
       Den sportlichen Vertreterinnen von wahren Schurkenstaaten wie der
       Islamischen Republik Iran, Saudi-Arabien oder der Volksrepublik China wurde
       dagegen höflich applaudiert. Immerhin schien sich die Menge einig gewesen
       zu sein, dass dem Team aus der Ukraine besonders große Unterstützung
       zusteht. Mehr und lauter wurde nur geklatscht, als das italienische Team
       den Laufsteg der Athletinnen betrat.
       
       So hat sich die kriegerische Welt eben doch abgebildet bei der olympischen
       Friedensshow. In der präsentierte sich Italien als popkulturelle
       Superpower. Die großen klassischen Komponisten Gioachino Rossini, Giuseppe
       Verdi und Giacomo Puccini tanzten da zu schlimmstem Italo-Diskopop, Andrea
       Bocelli zeigte, wie weit seine Stimme noch trägt und Mariah Carey, dass man
       auch als Weltstar um die Italianitá nicht herumkommt.
       
       Die ansehnlichsten Models des Landes trugen in Armani-Klamotten die
       italienische Fahne zum Mast und natürlich wurde auch der typischen
       Mokkakanne gehuldigt. Das alles war angenehm heiter. Die Ponchos im
       Schlafsackdesign, die man dem deutschen Team zum Einzug in die Arena über
       die Schultern geworden hatte, konnten angesichts der insgesamt sehr
       ansehnlichen Inszenierung gottlob keinen größeren Schaden anrichten.
       
       7 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://en.wikipedia.org/wiki/Alberto_Tomba
 (DIR) [2] https://en.wikipedia.org/wiki/Deborah_Compagnoni
 (DIR) [3] https://de.wikipedia.org/wiki/Sofia_Goggia
 (DIR) [4] /Olympische-Winterspiele-Nationalstolz-verhindert-Nachhaltigkeit/!6151751
 (DIR) [5] https://www.un.org/en/messengers-peace/charlize-theron
 (DIR) [6] /Nachruf-auf-Nelson-Mandela/!5053238
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Rüttenauer
       
       ## TAGS
       
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