# taz.de -- Abschlussfeier der Winterspiele: Großer Pomp und bald Probleme
> Beim letzten olympischen Akt wird die antike Arena in Verona zum Star.
> Ansonsten das übliche nationale Gedöns und schauerliche Aussichten.
(IMG) Bild: Furioses Finale: Olympiainszenierung im Amphitheater von Verona
Was für ein Fest! Das Organisationskomitee der Winterspiele von Mailand und
Cortina hat zum Abschluss des zweiwöchigen Sportfests eine Party
geschmissen für die Sportlerinnen und Sportler. In der fast 2.000 Jahre
alten Arena von Verona gab es italienische Oper, Italopop von gestern und
Beats aus der italienischen Musikszene von heute. Die antike Kulisse
verlieh der pompösen Show eine Würde, die sie in einem modernen Stadion
gewiss nicht ausgestrahlt hätte.
Ja, die Schlusszeremonie der Spiele mit ihrer imposanten Lichtshow wird
wohl bei allen, die da waren, in Erinnerung bleiben. Beeindruckend
erschütternd war es, wie leicht es den Olympiamachern gefallen ist, ein
antikes Bauwerk mit dem Logo der Spiele so auszustatten, dass es vor der
Arena auch nicht anders aussah als im Zielraum des Abfahrtsrennens der
Männer in Bormio. Doch so sehr man sich bemüht hatte, die Arena mit
olympischem Branding zu verschandeln, so sehr Alfredo Accatino und Adriano
Martella, die künstlerischen Leiter des Abends mit ihrer Inszenierung unter
dem Motto „Beauty in Action“ versuchten, Emotionen zu erzeugen, der Star
des Abends war das antike Amphitheater.
Das sah eine Leistungsschau der Pop- und Hochkultur, bei der von Giuseppe
Verdis „Rigoletto“ bis zu den Ohrwurmbeats von Major Lazer eine Bandbreite
geboten war, die bei manchem zu einer wahren Reizüberflutung geführt haben
mag. Die üppigen Kostüme, von denen etliche so voluminös waren, dass
darunter gut und gerne eine vierköpfige Familie leben könnte, verliehen der
Show einen Pomp, wie er sich gehören mag für eine Inszenierung an einem
Ort, an dem in jeden Sommer die große Oper zu Hause ist. Das hat schon
gepasst.
Allumfassend ist die Macht der künstlerischen Leitung bei einer olympischen
Schlussfeier indes nicht. Die Zeremonie ist für das Internationale
Olympische Komitee, die Weltregierung des Sports, so etwas wie ein
Staatsakt. Es gibt feste Programmpunkte. Das olympische Feuer wird
ausgemacht und die Fahne den Gastgeber der nächsten Spiele übergeben. Die
finden 2030 in Nizza und den französischen Alpen statt.
## Nationaler Stolzkult
Doch zu Beginn des offiziellen Teils wird erst einmal die Fahne des
Gastgeberlandes gehisst. Mit welcher Ernsthaftigkeit da das Stück Stoff mit
der italienischen Trikolore zuerst getragen und dann zur italienischen
Hymne gehisst wurde, als sei es ein Heiligtum, lieferte einen Moment des
Schauderns. Da war zu sehen, wie leicht es das Protokoll des IOC einem
Gastgeberland macht, die eigene Nation über alles andere zu erheben.
Giorgia Meloni, die anwesende Regierungschefin und Anführerin der
nationalistischen Partei Fratelli d'Italia, dürfte sich pudelwohl gefühlt
haben in diesem Moment des Stolzkults. Weniger glücklich dürfte sie darüber
gewesen sein, dass sie viel weniger Applaus vom Olympiapublikum in Verona
erhielt als Staatspräsident Sergio Mattarella, nachdem sich IOC-Präsidentin
Kirsty Coventry bei beiden bedankt hatte. Die stellte in ihrer Rede unter
Beweis, dass sie nach nur gut einem halben Jahr im Amt beinahe schon so
einschläfernde Reden halten kann wie ihr in dieser Hinsicht berüchtigter
Amtsvorgänger Thomas Bach.
Dass sie wie dieser genauso haltungslos durch die olympischen Aufreger
waten kann, das hatte sie während der Spiele schon unter Beweis gestellt.
Der Ausschluss des ukrainischen Skeletonathleten Wladyslaw Heraskewytsch
von den Spielen war dabei wohl der größte. „Moment of Remembrance“ heißt
traditionell ein Programmpunkt im Schlussfeierprotokoll des IOC. „Nach
diesem Freudenfest gedenken wir denen, die nicht mehr unter uns sind“, hieß
es dazu im Programmheft.
Nichts anderes hatte der Skeletoni im Sinn, als er mit Bildern von
Sportlern, die dem russischen Krieg gegen die Ukraine zum Opfer gefallen
waren, auf seinem Helm in den Eiskanal gehen wollte. Er durfte nicht – der
russischen Föderation zuliebe, deren Rückkehr in den Weltsport mit allen
Hoheitszeichen nach vierjährigem Bann gerade vorbereitet wird,
In zwei Wochen schon wird die russische Fahne in der Arena von Verona
wehen. Bei der Eröffnungsfeier der Paralympics am 4. März sind russische
Sportlerinnen und Sportler wieder willkommen – nicht als ausgewählte
neutrale Sportlerinnen und Sportler, sondern als Vertreter und
Vertreterinnen ihres angriffskriegsführenden Landes.
Die Delegation der Ukraine findet diese Vorstellung derart unerträglich,
dass sie ihre Teilnahme an der Eröffnungsfeier schon abgesagt hat. Auch die
Tschechen wollen die Auftaktparty boykottieren. Die kann dann noch so
heiter inszeniert werden – es wird eine traurige Veranstaltung werden.
23 Feb 2026
## AUTOREN
(DIR) Andreas Rüttenauer
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