# taz.de -- Im Auftrag Gottes bei Olympia: Ganz sicherer Pin
> Bei den Olympischen Spielen sind sehr viele mit einer Akkreditierung und
> ganz eigenen Mission unterwegs. Unterwegs mit einem Bibelversteher.
(IMG) Bild: Pins erfreuen sich bei Olympia großer Beliebtheit: Hier zeigt ein Mann in Mailand, was er alles hat
[1][Bei Olympischen Spielen] gibt es traditionell einen inoffiziellen
Wettbewerb der Anstecknadelsammler. Rund um die Arenen laufen Leute rum, an
deren Jacken Hunderte von Pins stecken. Als hätten sie sich in kleine
Kühlschrankmagneten gekleidet, so sehen diese Menschen – meist sind es
Männer – aus.
Sie tragen die offiziellen Anstecknadeln Olympischer Spiele spazieren, die
von Olympischen Komitees, Sportfachverbänden, Ausrichterstädten, Skiklubs
oder anderen Organisationen, die irgendwas mit Sport oder Olympia zu tun
haben – oder auch nicht. Auch Randall Hamer läuft so rum. In der U-Bahn
[2][auf dem Weg zur Eröffnungsfeier] tauscht er mit einem Journalisten aus
Kasachstan Anstecknadeln.
„Danke!“, sagt er, als er sich den Pin aus Alamty ansteckt. „Aber ich habe
mehr als einen Pin. Ich habe einen Pin, der die größte Geschichte erzählt,
die man sich nur vorstellen kann“, hebt der Mann an, der um die 60 Jahre
alt sein dürfte. Das höre ich und blöderweise blicke ich derart
interessiert drein, dass der gute Mann auch in meine Richtung zu predigen
beginnt.
Jetzt muss auch ich mir die Geschichte anhören, die angeblich die
großartigste aller Zeiten ist. Bei Olympia gehe es um Gold. Und diesmal sei
man in Italien. Die Farben Italiens seien ja grün, weiß und rot. Rot, das
sei ja klar, stehe für das Blut, das Jesus vergossen habe, um uns von den
Sünden zu befreien. Daher weht also der Wind.
Der gute Randall kann mir nicht ansehen, was ich denke und redet weiter.
Weiß stehe für die Reinheit und grün für das Wachstum, dafür, dass man
Jesus immer ähnlicher werde. Oder so. Gold stehe für das ewige Leben und um
das gehe es ja auch bei Olympia, um Unsterblichkeit. Der kasachische
Kollege war weit vor dem Ende der Geschichte schon ausgestiegen. Nun war
ich das alleinige Opfer von Randall.
Der hatte wie ich eine Art Akkreditierung um den Hals hängen. Ausgestellt
war sie nicht vom Internationalen Olympischen Komitee, sondern vom „Olympic
Ministry“. Was das denn sei, frage ich. Das könne ich im Netz nachlesen,
sagt er und drückt mir eine Visitenkarte in die Hand. Was er denn mache bei
den Spielen. „Ich helfe den Menschen“, sagt er. Wobei? „Dabei die Bibel zu
verstehen“. Oh je!
Bei der nächsten Station steige ich aus. Randall drückt mir noch den Pin in
die Hand, bevor sich die Türen schließen. Jetzt habe ich also auch so eine
Anstecknadel. „Jesus“ steht ganz groß drauf und [3][„International Sports
Chaplains“], was auch immer das sein mag. Zum Sammler werde ich, glaube
ich, nicht.
8 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Andreas Rüttenauer
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