# taz.de -- Olympische Winterspiele vor dem Start: Frieden, Liebe und viel Asphalt
       
       > Die Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina d’Ampezzo sollen
       > nachhaltig sein. Eine neue Bobbahn gibt es trotzdem und die Distanzen
       > sind groß.
       
 (IMG) Bild: Auf eine eigene Bobbahn wollte der olympische Gastgeber nicht verzichten
       
       Snoop Dogg ist wieder auf olympischen Pfaden unterwegs. Der mit den Jahren
       so drollige gewordene Rapper von der Westküste ist wie schon vor anderthalb
       Jahren bei den Sommerspielen von Paris als Gaudibursch für den US-Sender
       NBC in Mailand und Cortina d’Ampezzo unterwegs. Diesmal hat er noch einen
       weiteren Job. Er ist „Ehrentrainer“ des US-Teams und schüttelt fleißig
       Hände von US-Olympionikinnen und Olympioniken.
       
       Am Mittwoch hat er sich als hochoffizieller Fackelträger eingereiht und das
       olympische Feuer, das im September in Griechenland entzündet worden ist,
       ein paar Meter weiter Richtung Mailand getragen, wo am Freitagabend die
       große Feuerschale erstrahlen soll. Brav salbaderte er irgendwas von Frieden
       und Liebe, den „darum geht’s bei Olympia“, wie er sagte. Kirsty Coventry
       hat das gewiss gefallen.
       
       [1][Die IOC-Präsidentin, die vor ihren ersten Olympischen Spielen] als
       Oberolympierin steht, würde wahrscheinlich gerne mit Snoop Dogg durch die
       olympischen Dörfer und Anlagen spazieren, statt unangenehme Fragen zu
       beantworten. So richtig hat sie dann auch nichts gesagt, als sie gefragt
       wurde, was sie von den Protesten in Mailand gegen [2][die Präsenz der
       US-Miliz mit der winterlichen Abkürzung ICE hält.] Die ist vor allem für
       die Sicherheit der US-Delegation um US-Vizepräsident JD Vance rund um die
       Eröffnungsfeier zuständig. Es sei doch traurig, wenn mit derartigen Fragen
       von den Spielen abgelenkt würde. Bald aber würden „Zauber und Geist“ in die
       olympische Welt einziehen.
       
       Sie hofft gewiss, dann keine weiteren Fragen mehr zu Casey Wasserman
       beantworten zu müssen. Der Name des Cheforganisators der Olympischen
       Sommerspiele 2028 in Los Angeles [3][findet sich in den Epstein-Files].
       Demnach hat er auf äußerst anzügliche Weise mit der wegen Sexhandels
       verurteilten Ghislaine Maxwell kommuniziert, der Vertrauten des
       pädokriminellen Netzwerkers Jeffrey Epstein.
       
       ## Knapp 3.000 Sportlerinnen und Sportler
       
       Nein, sie hat nicht mit Wasserman gesprochen, sie sei ganz bei den Spielen,
       die am Freitagabend mit der großen Eröffnungsfeier im
       Giuseppe-Meazza-Stadion von Mailand eröffnet werden. Bis zum 22. Februar
       messen sich in Norditalien knapp 3.000 Sportlerinnen und Sportler in 16
       Disziplinen. Will Coventry alle Wettkampfstätten mit ihrem Besuch beehren
       wird sie jede Menge Reisekilometer zurücklegen müssen.
       
       Um von Mailand nach Cortina d’Ampezzo, dem zweiten namensgebenden Ort der
       Spiele, zu kommen, ist man mit Bahn und Bus gute 5 Stunden unterwegs. Mit
       dem Auto geht es auch nicht viel schneller. Es wurden zwar unter dem
       Olympialabel über drei Milliarden Euro in Infrastrukturprojekte gesteckt,
       doch die sind zu einem guten Teil noch nicht abgeschlossen. Aber auch wenn
       der Asphalt in den Bergen verstrichen ist, wird eine Reise quer durch die
       Alpen von Livigno, wo der Snowpark für die Spaßsportarten auf Snowboard und
       Skiern steht, ins Fleimstal, wo die nordischen Skisportler unterwegs sind,
       mehrere Stunden dauern.
       
       Es ist das erste Mal, dass Olympische Spiele zwei offizielle
       Austragungsorte haben und die Ausdehnung der Spiele über mehrere Regionen
       in den Alpen kennt auch kein Beispiel in der Geschichte. Möglich macht das
       die Agenda 2020, mit der das IOC einen Schritt Richtung Nachhaltigkeit
       gehen wollte. Olympia sollte mit seinen Sportarten dahingehen, wo diese
       ohnehin zu Hause waren. Dass für Olympia Straßen und Skiarenen in die Berge
       gesprengt werden, so wie es bei den unfassbare 33 Milliarden Euro teuren
       Spielen im russischen Sotschi war, sollte es nicht mehr geben.
       
       Jetzt stehen Olympischen Spiele der langen Wege an, was sich bestimmt nicht
       positiv auf die Klimabilanz auswirkt. Und dann ist da noch [4][die Sache
       mit der Bob- und Rodelbahn in Cortina d’Ampezzo.] Wieder einmal steht ein
       Eiskanal für den ökologischen Irrsinn bei Winterspielen. Italien hatte sich
       ohne intakte Schlittenanlage für die Spiele beworben. Der Eiskanal von
       Cesana, wo 2006 bei den Spielen von Turin gerodelt wurde, war jahrelang
       ungenutzt und soll in diesem Sommer ganz abgerissen werden. Die Rodelbahn
       von Cortina, wo bei den Spielen von 1956 gerodelt worden ist, hatte sich
       die Natur mit den Jahren längst zurückgeholt.
       
       Das IOC hätte nichts dagegen gehabt, die Rodelwettbewerbe etwa im
       österreichischen Innsbruck auszutragen. Im Ausland? Das schmeckte dem
       rechtsextremen italienischen Infrastrukturminister Matteo Salvini gar
       nicht. Flugs erklärte er die Rodelbahn zum nationalen Anliegen und ließ sie
       für über 100 Millionen Euro aus dem Boden stampfen. Bei Olympia geht es
       eben nicht nur um Medaillen, es geht um die Selbstdarstellung des
       Gastgeberlandes. Mal sehen, was in dieser Hinsicht die Eröffnungsfeier zu
       bieten hat.
       
       5 Feb 2026
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Rüttenauer
       
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