# taz.de -- Greenpeace-Klage erfolgreich: Niederlande dürfen Karibik-Insel nicht einfach absaufen lassen
> Die Niederlande müssen ihre Karibikinsel Bonaire besser vor dem
> Klimawandel schützen. Ein Gericht sah eine Ungleichbehandlung gegenüber
> dem Festland.
(IMG) Bild: Die Kläger von Greenpeace bei der Urteilsverkündung in Den Haag
Der niederländische Staat beschützt die Bevölkerung der [1][Antillen-Insel
Bonaire] nicht ausreichend gegen Folgen des Klimawandels. Zu diesem Schluss
kam am Mittwoch ein Gericht in Den Haag. Acht Bewohner*innen Bonaires
und Greenpeace hatten die Klage eingereicht. Die Jury urteilte, der Staat
behandle die Bevölkerung der Insel ungerecht im Vergleich zu den Bürgern im
europäischen Teil der Niederlande. Dies verstoße gegen das
Diskriminierungsverbot und die Europäische Menschenrechtskonvention.
Bonaire, die größte und südlichste Insel im karibischen Teil der
Niederlande, zählt 26.000 Einwohner*innen. Das Gericht beruft sich auf
Studien zur Situation kleiner Karibik-Inseln. Diese sind besonders anfällig
für die Folgen der Erderwärmung: Überschwemmungen, geringe Größe und
wirtschaftliche Abhängigkeit von Tourismus und Importen machen sie
verwundbar. Auf Bonaire gilt offiziell jeder Dritte als arm. Die
Benachteiligung gegenüber dem niederländischen Kernland bleibt ein
zentrales Problem der ehemaligen Kolonie, die heute den Status einer
Besonderen Kommune der Niederlande hat.
Bis 2030 muss der niederländische Staat einen Aktionsplan vorlegen und
umsetzen, um Bonaire besser vor den Auswirkungen des Klimawandels zu
schützen. Dabei geht es um steigende Temperaturen, die bis 2050 auf
durchschnittlich 29,8 Grad und bis 2100 auf 31,8 Grad klettern könnten,
sowie um den Meeresspiegel. Dieser könnte bis Ende des Jahrhunderts bei
geringem CO2-Ausstoß um 16 bis 37 Zentimeter, bei hohem Ausstoß um 55 bis
127 Zentimeter steigen. Für die Bevölkerung der Vulkaninsel bedeute dies
„sehr wahrscheinlich ein erhöhtes Risiko für körperliche und mentale
Krankheiten“, die mit Hitzestress und Nahrungsunsicherheit verbunden seien.
## Niederlande müssen bis 2030 auch Klima-Aktionsplan vorlegen
In der Urteilsbegründung heißt es, Bonaire leide bereits unter
Überflutungen durch tropische Stürme und extreme Regenfälle. „Verschiedenen
Studien zufolge wird dies in den nächsten Jahren schlimmer.“ Während die
europäischen Niederlande, selbst durch ihre Küstenlage und Flussdeltas
stark gefährdet, mit spektakulärem Küsten- und Hochwasserschutz vorangehen,
bleibt das ungleich anfälligere Bonaire auf der Strecke zurück.
Der Historiker Arthur Sealy, auf Bonaire an vielen gesellschaftlichen
Initiativen beteiligt, sagte dem öffentlichen TV-Sender NOS nach dem
Urteil: „Alle wissen, dass Teile von Bonaire unter Wasser stehen werden.“
Trotzdem werde das Thema häufig aufgeschoben, als ob das Klima „etwas für
2050 und die nächste Generation“ sei. Das Urteil unterstreiche dagegen,
dass dieses Aufschieben nicht aufrechtzuerhalten sei. [2][Greenpeace
Nederland] sprach in einer Stellungnahme von einem „historischen Sieg“. Der
Kläger Onnie Emerenciana zeigte sich „sehr froh“ über das Urteil. „Endlich
kann Den Haag uns nicht mehr negieren. Heute hat das Gericht eine Grenze
gezogen. Unsere Leben, unsere Kultur und unser Land werden ernst genommen.
Der Staat kann nicht langer wegschauen.“
Das Gericht verpflichtete den niederländischen Staat nicht nur, seiner
Verantwortung gegenüber Bonaire nachzukommen, sondern auch innerhalb von 18
Monaten verbindliche Klimaziele in die Gesetzgebung aufzunehmen, um die
CO2-Emissionen zu senken. Beide Teile des Urteils bestätigen [3][frühere
Entscheidungen in niederländischen Klimaprozessen,] die den Staat in die
Pflicht nehmen, seine Bürger vor den Folgen der Erderwärmung zu schützen.
29 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://blogs.taz.de/niederlaendische_antillen_gibts_auch_nicht_mehr/
(DIR) [2] /Stickstoff-Ausstoss-der-Landwirtschaft/!6064305
(DIR) [3] /Im-Zweifel-fuer-das-Recht-der-Umwelt/!5937842/
## AUTOREN
(DIR) Tobias Müller
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