# taz.de -- Spanien, Portugal, Marokko: Der Süden steht unter Wasser
       
       > Im westlichen Mittelmeerraum müssen wegen Überschwemmungen ganze Dörfer
       > evakuiert werden. In Portugal sind sogar die Präsidentschaftswahlen
       > betroffen.
       
 (IMG) Bild: Der Guadalquivir führt Hochwasser, Cordoba, Spanien, 5. Februar
       
       Grazalema ist zum Symbol für das Unwetter geworden, das Südspanien, aber
       auch Südportugal und Nordmarokko seit Tagen heimsucht. Ein Sturmtief nach
       dem anderen kommt seit Wochen vom Atlantik und sorgt für Regenfälle, die
       längst das übertreffen, was normalerweise weiter im Norden auf der
       Iberischen Halbinsel in einem Jahr fällt. Das Wasser bedroht Grazalema
       gleich doppelt.
       
       Der 1.900-Einwohner zählende Ort in Andalusien liegt mitten in einem
       Kalksteingebirge. Der Regen fließt nicht mehr schnell genug ab. Von unten
       füllen sich die Höhlen und Risse im Kalkstein mit Wasser. Das tritt dort
       aus, wo es nie zum Vorschein kam. Geologen vom Spanischen Wissenschaftsrat
       sprechen von einem „gigantischen Schwamm“. An manchen Stellen sei der
       Grundwasserspiegel schlagartig um 200 Meter angestiegen.
       
       Auf Straßen und in den Häusern öffnen sich Löcher. Selbst aus den Wänden
       der Häuser sprudelt es. Bewohner berichten von starkem Lärm, ein Grollen im
       Untergrund. Es ist das Wasser, das sich dort seinen Weg bahnt. Grazalema
       wurde komplett evakuiert. Wann die Bewohner zurückkehren können, steht
       nicht fest. Es regnet weiter und Experten schließen nicht aus, dass das
       Gelände nachgibt und sich riesige Senklöcher auftun.
       
       In ganz Andalusien haben mittlerweile über 11.000 Menschen ihre Wohnungen
       verlassen müssen. Die großen Flüsse wie der Guadalete oder der Guadalquivir
       sind über die Ufer getreten. Bedroht ist selbst die Provinzhauptstadt
       Cordoba. 33 Stauseen mussten bereits ihre Schleusen öffnen und Wasser
       ablassen, was die Überschwemmungsgefahr noch erhöht. Kleinere Bäche haben
       sich wie im Ort Ubrique zu reißenden Flüssen verwandelt und überfluten
       ganze Dörfer. Mehr als 10.000 Feuerwehrleute, Polizisten und Soldaten der
       Notfalleinheit UME sind im Einsatz.
       
       ## Einige Dörfer in Portugal müssen später wählen
       
       Über 200 Straßen sind gesperrt, 75 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche
       in Mitleidenschaft gezogen. Zwei Menschen kamen in den Fluten ums Leben.
       Die andalusische Regionalregierung schätzt die Schäden alleine bei den
       Straßen auf eine halbe Milliarde Euro. Die Landwirtschaftsverbände reden
       von drei Milliarden Euro Ausfällen. Vielerorts können die Oliven nicht
       geerntet werden.
       
       Im benachbarten Portugal sieht es nicht besser aus. Dort stehen viele Orte
       in der südlichen Hälfte des Landes unter Wasser. 13 Tote sind bereits zu
       beklagen. Über 1.000 Menschen mussten ihre Häuser bisher verlassen. 100.000
       sind ohne Strom. Der Schaden wird auf vier Milliarden Euro geschätzt.
       
       1.600 Soldaten sind in insgesamt 41 Dörfern im Einsatz. Der größte
       europäische Stausee, Alqueva, an der Grenze zwischen Portugal und Spanien
       musste die Schleusen öffnen. Das wiederum lässt den Fluss Guadiana stark
       ansteigen. Mehrere portugiesische Orte haben den an diesem Sonntag
       stattfindenden zweiten Durchgang der Präsidentschaftswahlen um eine Woche
       verschoben. Sie im ganzen Land auszusetzen, wie der rechtsextreme Kandidat
       Andrés Ventura, der in der Stichwahl auf den Sozialisten und Favoriten für
       das Amt des Staatschefs, António José Seguro, trifft, ist nicht möglich.
       Die Verfassung sieht dies nicht vor.
       
       Auch im Norden Marokkos fordern die Sturmtiefs ihren Preis. Ksar al Kebir,
       eine Stadt mit über 100.000 Einwohnern, musste, neben weiteren Orten,
       komplett evakuiert werden. Insgesamt warten 150.000 Menschen in
       Notunterkünften darauf, dass das Wasser zurückgeht. Mehrere Orte sind
       völlig abgeschnitten und werden von der Armee per Hubschrauber mit
       Lebensmitteln versorgt.
       
       Der ängstliche Blick auf die Wolken geht weiter. Noch mindestens eine Woche
       lang sagen die Meteorologen weitere Regenfälle vorher. Sie reden von einem
       „Zug der Sturmtiefs“. Durch eine Fragmentierung der kalten Luftschichten
       über der Arktis und die Erwärmung der Meere infolge des Klimawandels ziehen
       diese Tiefs nicht wie sonst durch Nord- und Mitteleuropa, sondern durch den
       Süden. Sie nehmen dabei wärmere Luftschichten aus der Karibik mit, die sehr
       viel Feuchtigkeit aufgenommen haben. Dadurch kommt es zu den ungewöhnlich
       starken Niederschlägen.
       
       8 Feb 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Reiner Wandler
       
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