# taz.de -- AfD streitet über Umgang mit den USA: Weidel und Chrupalla gehen auf Distanz zu Trump
       
       > Die extrem rechte AfD freut sich über die bröckelnde Weltordnung. Nach
       > dem US-Angriff auf Venezuela will sie aber weniger mit Trump kuscheln.
       
 (IMG) Bild: Alice Weidel (l.) und Tino Chrupalla (beide AfD) nehmen an einer Plenarsitzung des Bundestages in Berlin teil, am 5. Dezember 2025
       
       Das Grinsen war vielsagend: Der AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla freut
       sich offensichtlich zumindest ein bisschen darüber, dass Trumps
       imperialistische Ambitionen in Venezuela und Grönland die Nato entzweien
       und die alte Weltordnung weiter zu Klump hauen. Am Dienstag sagte er auf
       Fraktionsebene im Bundestag mit einem leicht hämisch wirkenden Lächeln:
       „Das ist eine Bedrohungslage auf einen Nato-Staat innerhalb der Nato. Wenn
       jetzt auch Briten davon sprechen, wir müssen Truppen nach Grönland
       entsenden, gilt dann die Bündnisverpflichtung?“
       
       Aber danach – und das ist bemerkenswert nach dem [1][Trump-Hype in der
       extrem rechten Partei und zahlreichen Abgeordnetenreisen] zur MAGA-Bewegung
       – äußert er auch zarte Kritik an den USA: „Klar ist, dass
       Wild-West-Methoden abzulehnen sind“, nicht alle Mittel seien
       gerechtfertigt, so Chrupalla.
       
       Parteichefin Alice Weidel wurde sogar noch etwas deutlicher: „Trump hat
       gegen ein elementares Wahlversprechen verstoßen – und zwar sich nicht in
       andere Staaten einzumischen. Und das muss er seinen eigenen Wählern
       erklären.“ Sie verwies auch darauf, dass Trump vor den Midterm-Wahlen nicht
       gut dastehe.
       
       Gleichzeitig zeigte Chrupalla aber auch Verständnis: Man sehe, dass das
       Völkerrecht immer wieder neu verhandelt werden müsse. Man müsse dabei
       Einflusssphären und Interessenslagen berücksichtigen, sagt Chrupalla, der
       gerade frisch zurückgekehrt ist von einem anderen autoritären Machtpol, mit
       dem die extrem rechte Partei bemerkenswert gut kann: China. Die
       Unipolarität ändere sich zur Multipolarität und Deutschland stehe am
       Spielfeldrand, sagt Chrupalla.
       
       ## AfD freut sich auf multipolare Weltordnung
       
       Die AfD bekannte sich in ihrem Wahlprogramm zwar noch zum Völkerrecht und
       schreibt, dass sich „kein Land in die inneren Angelegenheiten eines anderen
       einmischen darf“. Das hat aber offenkundig schon länger eher formalen
       Charakter. Ablesen lässt sich das seit Jahren nicht zuletzt an der
       aufgeschlossenen Haltung gegenüber Russland.
       
       Zu dessen legitimer Einflusssphäre zählt Chrupalla die Ukraine, die Putin
       seit fast vier Jahren mit einem Angriffskrieg und Kriegsverbrechen
       überzieht. Zugespitzt war die AfD-Position hier: Die Ukraine soll für
       billiges russisches Gas geopfert werden – zumal man mit Putin (wie auch mit
       Trump) ja ohnehin die Ablehnung des westlichen Liberalismus teilt.
       
       Auch deswegen propagieren AfD-Außenpolitiker und -Vordenker seit Jahren
       bereits eine multipolare Weltordnung im Sinne des NS-Staatsrechtlers Carl
       Schmitt, der bis heute Säulenheiliger der Neuen Rechten ist. Jede Großmacht
       soll in ihrer Einflusssphäre tun und lassen können, was sie will, lautet
       die Prämisse. Im Grunde handelt es sich um Großmachtpolitik aus dem 19.
       Jahrhundert, allerdings mit sich faschisierenden Atommächten – was soll da
       schon schiefgehen?
       
       Die Konsequenz in dieser Logik: Putin darf sich die Ukraine krallen, China
       das heiß ersehnte Taiwan einverleiben. Und die USA habe dann eben auch ein
       Vorrecht auf Venezuela und Grönland. Und wenn man schon mal dabei ist: Der
       völkisch-nationalistische Thüringer AfD-Landeschef Höcke hätte sicher
       [2][gern Ostpreußen zurück].
       
       So sind auch Jubelposts zu erklären, wie der von Maximilian Krah auf X kurz
       nach der US-Invasion in Venezuela: „Trump bringt den Wandel, den wir immer
       beschrieben, gefordert und erhofft haben. Großraumordnung statt
       regelbasiertes Losertum“, freute sich der immer wieder wegen Verbindungen
       nach China und Russland unter Korruptionsverdacht stehende sächsische
       Bundestagsabgeordnete. Hans-Thomas Tillschneider, Landtagsabgeordneter aus
       Sachsen-Anhalt, sprach gar davon, dass man weder die US-Intervention in
       Venezuela noch Russlands Krieg verurteilen dürfe.
       
       ## Zwischen Jubel und „grenzdebilem Vasallentum“
       
       Demgegenüber gibt es in der extremen Rechten lange eingeübte
       antiamerikanische Reflexe. Compact-Herausgeber Jürgen Elsässer schimpfte
       angesichts solcher Reaktionen über „grenzdebiles Vasallentum gegenüber dem
       US-Imperialismus“ von rechts. In eine ähnliche Kerbe schlägt für gewöhnlich
       Björn Höcke: Die USA ordnet er regelmäßig als „raumfremder Hegemon“ ein,
       während ihm Russland als „natürlicher Verbündeter“ gilt.
       
       Während Höcke selbst allerdings schwieg, positionierten sich seine engen
       Vertrauten zum Thema. Beispielhaft: Torben Braga, rechte Hand von Höcke im
       Bundestag, lehnte in einer [3][Bürgeranfrage auf Abgeordnetenwatch] die
       Militäraktion der USA „entschieden“ ab: „Die Souveränität von Staaten ist
       unteilbar und nicht verhandelbar.“
       
       In der Kakophonie blieb die Parteispitze zunächst bemerkenswert still.
       Weidel und Chrupalla äußerten sich in den zehn Tagen nach dem Angriff zu
       allem möglichen Klein-Klein, aber nicht zur omnipräsenten geopolitischen
       Lage. Eher überraschend kam da die Kritik der Parteichefs an den
       Militärschlägen und Drohgebärden der USA. Interessant ist, dass sich bei
       ihnen jetzt eher die Höcke-Linie durchsetzt, obwohl der zum Thema
       öffentlich ebenfalls bemerkenswert still ist.
       
       ## In der AfD-Fraktion wird über schwache Führung gemäkelt
       
       Nach taz-Informationen kam das plötzliche und nicht abgesprochene Abrücken
       von Trump innerhalb der Fraktion nicht bei allen gut an – auch dort war man
       offenbar überrascht. Hinter vorgehaltener Hand heißt es frustriert, dass
       die Parteichefs nicht einmal richtig verstanden hätten, wie die Nato
       funktioniert. Man beklagt fehlende Linie und mangelnde Führung.
       
       In der Fraktionssitzung am Dienstag sei nicht einmal über Venezuela
       gesprochen worden. Eigentlich sei der Sachstand auch im „Arbeitskreis
       Außen“ gewesen, dass man Trump nicht zu stark kritisieren wolle – das
       hätten die Parteichefs mal eben ohne Absprache kassiert.
       
       Zur Erinnerung: Vor wenigen Wochen hatte sich die AfD noch im Trump-Hype
       mit regelrechtem USA-Tourismus an die autoritäre MAGA-Administration
       angebiedert. Die wiederum pamperte die extrem rechte Partei im Wahlkampf,
       auch mit ihrer neuen Sicherheitsstrategie, die sich gegen die EU richtet
       und im AfD-Sprech gegen den westlichen Liberalismus hetzt.
       
       Das Dilemma der AfD: Trump verfolgt beinharte Interessenspolitik mit einer
       Zolldoktrin, die der deutschen Wirtschaft schadet. Wer will der AfD das
       „Deutschland zuerst“ abnehmen, wenn ihre Politiker als nützliche Idioten
       mit autoritären Oligarchen in aller Welt kuscheln?
       
       ## Ost-AfD wettert gegen „Westextremisten“
       
       Hinter den Kulissen streitet die Partei weiter über ihre Außenpolitik. Die
       Konflikte sind hier noch lange nicht ausgetragen. Da ist etwa Rüdiger
       Lucassen. Dem AfD-Abgeordneten aus Nordrhein-Westfalen drohen
       Ordnungsmaßnahmen, weil er es gewagt hatte, [4][Höckes Ablehnung der
       Wehrpflicht in einer Rede zu kritisieren].
       
       Eine umso größere Genugtuung müsste es jetzt Lucassen verschaffen, dass
       ausgerechnet er zur im Februar stattfindenden Münchner Sicherheitskonferenz
       eingeladen ist – der ehemalige Bundeswehr-Oberst gilt besonders innerhalb
       der Ost-AfD als Transatlantiker oder gleich „Westextremist“. Chrupalla und
       Weidel haben bislang keine Einladung bekommen.
       
       Bevor Lucassen nach München fahren kann, muss er nach der Höcke-Kritik in
       der kommenden Sitzungswoche aber erst einmal zum Rapport im
       Fraktionsvorstand.
       
       14 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [2] /Bjoern-Hoecke-Ein-planvoll-agierender-Ideologe/!6119168
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 (DIR) [4] /Hoecke-will-nicht-fuer-BRD-kaempfen/!6136447
       
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