# taz.de -- US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy: Er ist kein Berliner und kein Mediziner
> Gesundheitsministerin Warken weist die Kritik ihres US-Kollegen Robert F.
> Kennedy zurück. Doch die Querdenken-Szene feiert den Anti-Impf-Ideologen.
(IMG) Bild: Die Vorwürfe von Robert F. Kennedy Jr. (im Bild) weist Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) entschieden zurück
Während die Verschwörungsszene feiert, kontert Gesundheitsministerin Nina
Warken (CDU) die Kritik von US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy.
Wobei: Kritik ist ein großes Wort. Bei den von Kennedy gemachten Punkten
handelte es sich eher um eine Reihe verschwörungsideologischer Angriffe.
Kennedy hatte am vergangenen Wochenende einen Brief an Warken geschrieben
und ein Video dazu veröffentlicht. Dabei schrieb er nicht nur den Namen der
Ministerin („Workin“, inzwischen korrigiert) falsch, sondern stellte auch
viele unbelegte Behauptungen auf. Es ist nicht der erste Angriff der
Trump-Administration auf die Bundesrepublik.
Die Behauptungen des 71-jährigen RFK Jr. ähneln den Posts von
Telegram-Kanälen der deutschen Impfskeptiker- und Querdenken-Szene: Er
suggeriert, dass mehr als 1.000 Ärzte und Tausende Patient*innen zu
Unrecht politisch verfolgt würden, weil sie Atteste für Ausnahmen vom
Tragen von Masken oder gegen die Covid19-Impfung ausgestellt oder erhalten
hätten. Deutschland verletze die „Autonomie von Patienten“. Belege nennt er
in dem Video keine.
In der Vergangenheit behauptete Kennedy Jr. bereits, dass etwa die überaus
erfolgreiche Polio-Impfung [1][mehr Leute getötet als gerettet hätte], dass
Impfungen Autismus verursachten oder krebserregende Stoffe enthielten –
oder dass HIV und die Spanische Grippe aus der Impfstoffforschung
resultierten.
Kennedy ist langjähriger Lobbyist der amerikanischen Anti-Impf-Bewegung.
Konträre Fakten blendet er aus, über eine medizinische oder
naturwissenschaftliche Ausbildung verfügt er nicht. Schon seine
Wahlkampfveranstaltungen waren ein Sammelbecken für
Coronaleugner*innen und Impfgegner*innen. Als Gesundheitsminister in
den USA feuerte er seit seinem Amtsantritt im Februar 2025 Expert*innen,
stampfte Forschung und Impfprogramme ein – und strich mal eben den Impfplan
für Kinder zusammen.
## Warken kontert, Lauterbach stichelt
Die deutsche Gesundheitsministerin Warken hatte vergleichsweise scharf auf
den Angriff Kennedys reagiert. Gern wolle sie dem amerikanischen
Gesundheitsminister auch persönlich erläutern, dass seine Einlassungen
faktisch falsch seien, so Warken. Zu keiner Zeit habe es während der
Coronapandemie eine Verpflichtung der Ärzteschaft gegeben, zu impfen. Auch
Patient*innen seien in ihrer Entscheidung für eine Therapie frei.
Entsprechend habe es auch keine Sanktionen bei impfunwilligen Ärzt*innen
gegeben – wohl aber Strafverfolgungen in Fällen von Betrug und
Urkundenfälschung – bei Ärzt*innen, die [2][falsche Impfpässe oder
Maskenatteste ausstellten].
Auch der ehemalige Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) stichelte in
Richtung der USA: „Kennedy sollte sich um Gesundheitsprobleme im eigenen
Land kümmern“, und verwies auf die kurze Lebenserwartung, extremen Kosten
und Zehntausende Drogentoten. In Deutschland würden Ärzte für falsche
Atteste nicht von der Regierung bestraft, die deutschen Gerichte seien
unabhängig.
Der gesundheitspolitische Sprecher der Grünen, Janosch Dahmen, sieht in den
Einlassungen Kennedys „weniger eine sachliche Kritik an deutscher
Gesundheitspolitik als einen Hinweis darauf, wie aggressiv Teile der
amerikanischen Rechten versuchen, vernunftgeleitete, liberale Demokratien
in Europa zu delegitimieren“. Solche Botschaften knüpften erkennbar an
Argumentationsmuster aus AfD-nahen und verschwörungsideologischen Milieus
an.
Kennedy wissenschaftsfeindliche Politik wirft nicht nur ein Schlaglicht
darauf, was auch hier mit Verschwörungsideologen an der Regierung drohen
könnte. Seine Vorwürfe zeigen auch, dass es offenbar noch immer Kontakte
zur hiesigen Szene der Impfgegner*innen gibt. In ähnlicher Form
kursieren Kennedys Vorwürfe auch auf diversen Telegram-Kanälen.
## Querdenken-Kennedy in Berlin 2.0
Gleichzeitig stellen Kennedys Falschbehauptungen nur das [3][jüngste
Kapitel in einer Reihe von amerikanischen Angriffen auf die Bundesrepublik]
dar. Der rechtsradikale Tech-Oligarch Elon Musk hatte mit seiner
[4][Wahlkampfhilfe für die AfD] den Ton gesetzt, Vize-Präsident J. D. Vance
fabulierte auf der Münchener Sicherheitskonferenz von einer angeblich
bedrohten Meinungsfreiheit. Die neue US-Strategie, in Europa
rechtsautoritäre Parteien und Organisationen zu stärken, fixierte das Weiße
Haus kürzlich auch schriftlich – die neue Doktrin liest sich wie eine
Anleitung für den „Regime-Change von rechts“.
Kennedy ist in der deutschen Verschwörungsszene schon lange eine große
Nummer – schon vor der Übernahme seines Amts. So hielt er noch während der
Pandemie 2020 eine Rede auf der Straße des 17. Juni in Berlin – bei einer
der größeren Demos der Coronaleugner*innen und Impfgegner*innen.
In seiner Rede behauptete er, dass unter anderem Bill Gates die Pandemie
geplant habe. Mit Angst wolle die Regierung ihre Bürger zu Sklaven machen.
Er bezog sich dabei auch auf seinen Onkel John F. Kennedy – die
Querdenken-Bewegung sei wie damals Berlin im Kalten Krieg die Front gegen
globalen Totalitarismus, rief er von der Bühne, und wiederholte: „Ich bin
ein Berliner“ – nur um kurz danach Panik vor 5G-Strahlung zu schüren.
Später am selben Tag wurde von einem Mob aus Verschwörungsideologen die
Reichstagstreppe gestürmt.
Folgerichtig bedankte sich Querdenken-Gründer Michael Ballweg nun für
Kennedys Einschalten in die deutsche Politik, auf den entsprechenden
Kanälen wurde Kennedys Videobotschaft gefeiert. Aber auch die
„gesundheitspolitische Sprecherin“ der extrem rechten AfD, Christina Baum,
sprach von „berechtigter Kritik“ und behauptete: Merkel, Spahn und
Lauterbach hätten Corona genutzt, um „ein in der Geschichte der
Bundesrepublik einmaliges Repressionssystem gegen die Bevölkerung
aufzubauen“. Was sie allerdings nicht daran hindert, auf Steuerzahlerkosten
aus dem Bundestag Falschnachrichten zu verbreiten.
13 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.spiegel.de/gesundheit/robert-f-kennedy-jr-die-wirren-anti-impf-thesen-des-us-gesundheitsministers-a-01fcf57f-b2ae-4a96-bf0c-18d1e7d45d9d
(DIR) [2] https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2025/2025175.htm
(DIR) [3] /Schattenaussenpolitik-der-AfD/!6134633
(DIR) [4] /Weidel-Musk-Talk-auf-X/!6061470
## AUTOREN
(DIR) Manuela Heim
(DIR) Gareth Joswig
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