# taz.de -- Regierungskrise in Brandenburg: Ende eines Koalitionsversuchs
> Brandenburgs Ministerpräsident Woidke kündigt das erste und einzige
> Regierungsbündnis von SPD und BSW auf. Was bleibt, ist eine
> Minderheitsregierung.
(IMG) Bild: Dann halt ohne Wagenknecht: SPD-Ministerpräsident Dietmar Woidke
Dietmar Woidke braucht etwas, um auf den Punkt zu kommen. Minutenlang lobt
Brandenburgs SPD-Ministerpräsident am Dienstag bei einer kurzfristig
anberaumten Pressekonferenz das „große Projekt“, für das er und sein
Stellvertreter und Finanzminister Robert Crumbach stehe. Irgendwann spricht
Woidke es endlich aus: Deutschlands erste und einzige Koalition von SPD und
BSW ist nach nur einem Jahr „nicht nur infrage gestellt, sondern beendet“.
Es ist ein Ende mit Ansage. Seit Monaten sind große Teile der Brandenburger
BSW-Fraktion auf Krawall gebürstet. Zuletzt [1][beklatschten mehrere
Abgeordnete im Landtag lieber die Redner:innen der AfD] als die des
eigenen Koalitionspartners. Erst am Wochenende lehnte die
Wagenknecht-Partei eine Forderung der SPD nach einem Treuebekenntnis zur
Koalition ab.
Am Montag warf deshalb schon Finanzminister Robert Crumbach vom BSW das
Handtuch und [2][trat aus Partei und Fraktion aus]. Am Dienstag verließen
zwei weitere, ohnehin seit November parteilose Abgeordnete die
BSW-Fraktion, nicht ohne den nun ehemaligen Kolleg:innen eine
„unverantwortliche Eskalation“ vorzuwerfen.
Ministerpräsident Woidke – der seit 2013 in wechselnden Koalitionen an der
Spitze der Landesregierung steht – sieht das offenkundig genauso. Zumindest
beruft er sich in seiner Begründung zum Aus der erst im Dezember 2024
gebildeten rot-lila Koalition vor allem auf den „Zerfall der BSW-Fraktion“
und die dadurch fehlende „Basis einer demokratischen Mehrheit“.
## Eile mit Weile
SPD-Mann Woidke will zunächst mit einer Minderheitsregierung weitermachen –
und den Kontakt mit der oppositionellen CDU für eine neue Koalition suchen.
Das werde „in den nächsten Wochen, Monaten“ geschehen.
„Bis es eine neue Koalition gibt, bleibt alles so, wie es ist“, gibt sich
Woidke tiefenentspannt. Dabei wird vorerst nicht nur der am Dienstag schon
mal zur SPD-Fraktion übergetretene Finanzminister Crumbach weiter der
Regierung angehören. Auch die verbliebenen beiden BSW-Minister:innen denken
nach taz-Informationen nicht daran, vorfristig ihr Amt abzugeben.
Eine eigentümliche Gemächlichkeit geht auch von CDU-Landes- und
Fraktionschef Jan Redmann aus, immerhin Woidkes Partner in spe.
Entsprechende Gespräche sollten gut vorbereitet und „in Ruhe geführt“
werden. „Brandenburg braucht jetzt Stabilität und Verlässlichkeit in der
Politik“, sagt Redmann, auf die Avancen Woidkes angesprochen. Und: „Wir
stehen selbstverständlich zur Verfügung, darüber zu sprechen, wie die CDU
dazu beitragen kann.“ Auch er sei, wiederum „selbstverständlich“, bereit,
in einer künftigen Regierung Verantwortung zu übernehmen.
Dem Vernehmen nach können Woidke und Redmann nicht besonders gut
miteinander. Stimmt nicht, sagt jetzt Woidke. Stimmt nicht, sagt auch
Redmann: „Das persönliche Verhältnis zwischen mir und Dietmar Woidke ist in
Ordnung, ist gut.“
## Mangel an Optionen
Antipathien, Sympathien, egal, Redmann kann sich auch deshalb locker
machen, weil es nach dem Bruch der SPD-BSW-Koalition in Brandenburg sowieso
nur zwei Optionen gibt: entweder eine wenig attraktive Minderheitsregierung
oder ein halbwegs solides schwarz-rotes Bündnis. Ohne Redmann und seine CDU
geht also nichts.
Der SPD-Nachwuchs warnt dann auch bereits davor, dass die
Sozialdemokrat:innen jetzt von einer gescheiterten Koalition in die
nächste stolpern. „Die SPD hat bei der letzten Wahl das stärkste Mandat
errungen und darf sich bei möglichen Sondierungen nicht kleiner verhandeln
lassen, als sie ist“, sagt Leonel Richy Andicane, der Vorsitzende der
Brandenburger Jusos.
Auch die Jusos können gleichwohl nichts daran ändern, dass es andere
potenzielle SPD-Koalitionspartner im Landtag nicht gibt. Grüne und Linke
waren bei der Wahl im September 2024 aus dem Parlament geflogen, auch weil
Woidke eine konsequenten „Ich oder die AfD“-Wahlkampf betrieben hatte,
[3][in dessen Folge alle demokratischen Parteien außer der SPD
abschmierten]. Und mit der AfD, der größten Oppositionspartei, will niemand
zusammenarbeiten. Mit dem BSW jetzt auch nicht mehr.
## BSW schwer empört
Die schwer empörte Reaktion der Wagenknecht-Partei auf den in Potsdam
gezogenen Schlussstrich lässt am Dienstag nicht lange auf sich warten. „Der
Bruch der Koalition durch Herrn Woidke ist verantwortungslos“, sagt
Parteichefin Amira Mohamed Ali. Das BSW sei nun mal „ein unbequemer
Koalitionspartner, weil wir für eine andere Politik stehen und nicht für
ein politisches Weiter-so, das die Bevölkerung zu Recht ablehnt“.
Ein wesentliches Detail bleibt bei Mohamed Ali dann aber unerwähnt: Die
BSW-Spitze selbst [4][verdammt Regierungsbeteiligungen der Partei schon
seit Längerem] als Teufelszeug. Die nach den Landtagswahlen 2024 in
Brandenburg und Thüringen eingegangenen Koalitionen seien
hauptverantwortlich für die miesen Umfrageergebnisse des BSW, lautet die
inzwischen gängige Interpretation.
Auch wenn Mohamed Ali gegen Woidkes nun eingeschlagenen, „von den Wählern
nicht legitimierten Weg“ wütet: Die Trauer über das Ende von Rot-Lila in
Potsdam dürfte sich folglich in Grenzen halten.
6 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /BSW-Fraktion-in-Brandenburg-in-der-Krise/!6139203
(DIR) [2] /Brandenburg-Koalition-von-SPD-und-BSW-vor-dem-Kollaps/!6142988
(DIR) [3] /Landtagswahl-in-Brandenburg/!6037857
(DIR) [4] /BSW-Bundesparteitag-in-Magdeburg/!6135794
## AUTOREN
(DIR) Rainer Rutz
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