# taz.de -- Regierungskrise in Brandenburg: Koalition von SPD und BSW vor dem Kollaps
       
       > Brandenburgs Vize-Ministerpräsident Robert Crumbach tritt mit Knall aus
       > der Wagenknecht-Partei aus. Das Ende der Koalition aus SPD und BSW rückt
       > damit näher.
       
 (IMG) Bild: „Das ist nicht mehr meine Partei“: Brandenburgs BSW-Ex-Landeschef und Finanzminister Robert Crumbach
       
       Brandenburgs Vize-Ministerpräsident und Finanzminister Robert Crumbach hat
       die Nase voll. Am Montag erklärte der ehemalige BSW-Landeschef mit
       sofortiger Wirkung seinen Austritt aus der Wagenknecht-Partei und der
       Landtagsfraktion – und seinen Wechsel in die Reihen der SPD von
       Ministerpräsident Dietmar Woidke. Dieser Schritt sei „unausweichlich, um
       weiteren Schaden vom Land abzuwenden“, sagte Crumbach am Nachmittag in
       Potsdam.
       
       Zur Begründung verwies Crumbach auf die anhaltenden „internen
       Auseinandersetzungen über Kurs, Ausrichtung und Selbstverständnis“ des
       Bündnisses Sahra Wagenknecht. Das BSW sei nicht an „konstruktiver
       Sacharbeit“ interessiert, sondern versuche, „Oppositionspolitik aus der
       Regierung heraus zu betreiben“. Auch sehe er gegen ihn gerichtete „Versuche
       einer Parteisäuberung“. Das sei nicht mehr sein Laden.
       
       Der Aus- und Übertritt von Crumbach markiert den vorläufigen Höhepunkt in
       der seit Monaten andauernden Krise in Deutschlands einziger Koalition aus
       SPD und BSW. Entzündet hatte sich der Konflikt im Herbst an einem
       BSW-internen Streit um die von Parteigründerin Sahra Wagenknecht und ihren
       Getreuen bekämpften Medienstaatsverträge. Die auf Kriegsfuß mit dem
       öffentlich-rechtlichen Rundfunk stehende dogmatische BSW-Fraktionsmehrheit
       lehnte die Verträge folglich ab, die wenigen Pragmatiker:innen um
       Crumbach stimmten zu – auch um den Koalitionsfrieden nicht zu gefährden.
       
       Seither kommt die Wagenknecht-Partei nicht mehr zur Ruhe. Auf dem
       Bundesparteitag des BSW Anfang Dezember ließ es sich Wagenknecht nicht
       nehmen, [1][in einer Wutrede wenig vorteilhafte Kopfnoten an Crumbach zu
       verteilen]. Die Regierungsbeteiligung in Brandenburg wurde dabei wie die in
       Thüringen hauptverantwortlich gemacht für die schwachen Umfrageergebnisse
       des BSW. Crumbach hörte sich die Tiraden kopfschüttelnd an. Nun macht er
       Schluss.
       
       ## Koalition von SPD und CDU in Sichtweite
       
       SPD-Ministerpräsident Dietmar Woidke beschwerte sich zuletzt öffentlich
       über den „politischen Klamauk“, mit dem der Koalitionspartner Schlagzeilen
       macht. Brandenburgs SPD-Generalsekretär Kurt Fischer forderte die
       Wagenknecht-Partei dann auf, eine „klare Zusicherung“ abzugeben, „dass die
       gesamte BSW-Landtagsfraktion zu 100 Prozent hinter der Koalitionsregierung
       und unserem Koalitionsvertrag steht“.
       
       Kann die SPD gern wollen, [2][holzte am Wochenende
       BSW-Landesgeschäftsführer Stefan Roth zurück]. Aber: „Wir werden auf die
       Forderung der SPD nicht eingehen.“ Umgekehrt fordere seine Partei die SPD
       ja auch nicht auf, „eine Klarstellung eines jeden SPD-Abgeordneten darüber
       einzuholen, ob er nicht lieber in eine Koalition mit der CDU möchte und ob
       er daran nicht bereits im Hintergrund arbeitet“.
       
       Genau diese Erklärung dürfte beim Vize-Ministerpräsidenten das Fass zum
       Überlaufen gebracht haben. Mehr noch: „Das hat das Ende der Koalition
       besiegelt“, sagte Robert Crumbach. Die „Geschäftsgrundlage“ der
       Zusammenarbeit von SPD und BSW sei offenkundig „entfallen“. Er stelle sich
       darauf ein, dass die SPD nun eine Koalition mit der CDU bilden werde.
       
       Möglich wäre es, so sich die CDU darauf einlässt. Mit Crumbach an Bord
       hätte Schwarz-Rot, anders als zuvor, eine extrem knappe Mehrheit von einer
       Stimme im Brandenburger Landtag, die aber in den kommenden Tagen auch noch
       größer werden könnte.
       
       Denn bereits im November hatten vier Abgeordnete das BSW verlassen, blieben
       aber Teil der Wagenknecht-Fraktion. Zwei von ihnen traten zwar wieder ein,
       [3][die anderen beiden blieben aber beim Parteiaustritt] und werden seither
       von den eigenen Fraktionskolleg:innen massiv angefeindet. Sollten
       auch diese jetzt Crumbach folgen, die BSW-Fraktion verlassen und Richtung
       SPD schwenken, hätte Schwarz-Rot eine halbwegs solide Basis.
       
       ## BSW-Abtrünnige wollen reinen Tisch machen
       
       SPD-Landtagsfraktionschef Björn Lüttmann hat am Montag bereits
       signalisiert, dass er alle BSW-Abtrünnigen mit offenen Armen empfange. Die
       SPD freue sich, „wenn Mitglieder des Landtages, die konstruktiv
       Regierungsarbeit machen wollen, in unsere Fraktion eintreten“. Zugleich
       erneuerten die Sozialdemokrat:innen ihre Forderung nach einem
       Treueschwur des BSW zur bisherigen Koalition. Die Wagenknecht-Fraktion will
       sich am Dienstag beraten.
       
       André von Ossowski, einer der beiden verbliebenen BSW-Abtrünnigen in der
       Fraktion, kündigte an, dass er und seine partei-, aber eben noch nicht
       fraktionslose Kollegin bei der BSW-Sitzung am Dienstag „klaren Tisch
       machen“ wollen. „Am Ende wird dann wohl der Fraktionsaustritt stehen“,
       sagte von Ossowski zur taz.
       
       Im Gegensatz zu Crumbach will von Ossowski aller Voraussicht nach vorerst
       als Fraktionsloser weitermachen. Alles andere werde man dann sehen. „Aber
       ich werde eine neue Koalition unterstützen, wenn sie dem Wohle der
       Bürgerinnen und Bürger dient, und das wäre dann wohl eine
       SPD-CDU-Regierung.“
       
       5 Jan 2026
       
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