# taz.de -- Brandenburger Landespolitik: Raus aus der Fraktion, rein in die Gruppe
> Drei Ex-BSWler basteln an einem neuen Zuhause für sich im Landtag.
> Währenddessen bereiten SPD und CDU Koalitionsverhandlungen vor.
(IMG) Bild: Im Landtag in Potsdam könnte es im März schon eine neue Koalition aus SPD – verstärkt durch zwei Ex-BSWler – und CDU geben
SPD und CDU bereiten in Potsdam Verhandlungen über eine Koalition und eine
neue brandeburgische Landesregierung vor. In diese Richtung haben sich am
Dienstag führende Vertreter beider Fraktionen im Landtag geäußert. Die
[1][bisherige Koalition der SPD mit dem Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) war
Anfang voriger Woche zerbrochen].
Die für ein solches rot-schwarzes Bündnis nötige Mehrheit haben beide erst,
[2][nachdem sich zwei frühere Mitglieder der BSW-Fraktion der SPD
angeschlossen haben. Drei weitere aus dem BSW ausgetretene Abgeordnete]
wollen sich im Parlament zu einer eigenständigen Gruppe formieren. In der
BSW-Fraktion selbst verblieben sind damit nur 9 jener 14 im September 2024
gewählten Mitglieder.
Eine rot-schwarze Landesregierung gab es in Brandenburg zuletzt zwischen
2004 und 2009. Von 2019 bis 2024 arbeiteten beide Parteien in einer
Kenia-Koalition mit den Grünen zusammen. Schon nach der Landtagswahl vor
rund eineinviertel Jahren hätte Ministerpräsident Dietmar Woidke, zugleich
SPD-Landesvorsitzender, gerne mit der CDU koaliert. Dafür fehlte im Landtag
aber ein einziger Sitz – zusammen kamen SPD und CDU nur auf 44 der 88
Mandate. [3][Die Sozialdemokraten schlossen daher ein Bündnis] mit dem
damals noch vom heutigen Finanzminister Robert Crumbach geführten BSW, dem
ersten dieser Art überhaupt bundesweit.
Nach monatelangen vorrangig internen Querelen verließ Crumbach, schon
früher 41 Jahere Sozialdemokrat, zu Jahresbeginn das BSW und schloss sich
der SPD-Fraktion an. Diesen Schritt machte auch Landtagsvizepräsidentin
Jouleen Gruhn. Sie hatte das BSW bereits Mitte November verlassen, war aber
vorerst Mitglied der Fraktion geblieben. Mit ihr traten damals drei weitere
Abgeordnete aus dem BSW aus – wobei zwei davon [4][vier Wochen später
erneut ein und jüngst wieder austraten].
## Rot-schwarze Koalition vielleicht noch im März startklar
Diese drei wollen nun eine parlamentarische Gruppe gründen. Das
[5][kündigte der Abgeordnete André von Ossowski an]. Damit hätten sie
deutlich mehr Rechte und Möglichkeiten denn als einzelne Parlamentarier. Am
Dienstag blieb aber offen, ob es dazu kommen wird. Nach Darstellung von
SPD- und CDU-Fraktion in ihren jeweiligen Pressekonferenzen ist dazu eine
Änderung des Fraktionsgesetzes nötig.
Eine neue Koalition könnte in zwei Monaten stehen. Angeblich plant die SPD
bereits für den 14. März einen Landesparteitag, um daraüber abzustimmen.
Konkrete Termine mochten auf Journalistenfragen weder SPD-Fraktionschef
Björn Lüttmann noch sein CDU-Kollege Jan Redmann nennen.
Redmann kündigte an, mit einer neuen Regierung möglichst alle Menschen in
dem 2,5-Millionen-Einwohner-Land ansprechen zu wollen. Denn eines sei klar:
„Nur rund die Hälfte der Brandenburger hat zuletzt CDU oder SPD gewählt,
die andere Hälfte eben gerade nicht.“ Darum gehörten „auch die Anliegen der
anderen Hälfte mit auf den Verhandlungstisch“, sagte Redmann. Die andere
Hälfte, das sind laut Wahlergebnis von 2024 die Wähler von AfD und BSW.
Konkreter mochte Redmann trotz Nachfragen nicht werden.
AfD und BSW erneuerten währenddessen ihre Forderung nach Neuwahlen, weil
die Wählerschaft SPD und CDU im September 2024 eben keinen
Regierungsauftrag erteilt habe. In der Pressekonferenz der BSW-Fraktion
fiel mit Blick auf ihre ausgetrenenen vormaligen Mitglieder der Begriff
„Abtrünnige“.
## BSW: Keine gemiensamen Anträge mit der AfD
Der parlamentarische Geschäftsführer des BSW, Falk Peschel, wies Vorwürfe
einer Annäherung seiner Fraktion an die AfD zurück: „Es gibt keinesfalls
einen Rechtsruck innerhalb des BSW.“ Dieser Vorwurf war unter anderem
entstanden, nachdem das BSW vorige Woche mit dem AfD im Landtag vergeblich
für Neuwahlen stimmte. Peschel erinnerte daran, dass man eine Brandmauer
zur AfD stets abgelehnt habe. Wenn die AfD sage, der Himmel sei blau, werde
das BSW nicht deshalb sagen, der Himmel sei grün, sagte Peschel.
Wer im gemeinsamen Abstimmen einen Rechtsruck sehe, „war von Anfang an bei
uns an der falschen Stelle“, sagte der BSW-Abgeordnete. Man wolle eine
„konstruktive Opposition“ sein und werde alle Anträge und Gesetzentwürfe
mittragen, die vernünftig seien. Klar „Nein“ sagte Peschel auf die Frage
hin, ob es gemeinsame Anträge seiner Fraktion mit der AfD geben werde.
13 Jan 2026
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