# taz.de -- Bruch der Koalition in Brandenburg: Die nächste Stufe des BSW-Zerfalls
       
       > Mit dem Ende der Koalition in Brandenburg droht der Wagenknecht-Partei
       > das Aus. Ihre Regierungsbeteiligung hat die Protestpartei zerrissen.
       
 (IMG) Bild: Stehen vor einem Scherbenhaufen: Brandenburgs SPD-Ministerpräsident Dietmar Woidke und Robert Crumbach, der das BSW verlassen hat
       
       Am Ende ging alles ganz schnell. Die bundesweit erste und einzige
       [1][Koalition von SPD und BSW in Brandenburg ist geplatzt]. Das ist ein
       Debakel für das BSW, das immer noch „Bündnis Sahra Wagenknecht“ heißt.
       Gerade erst hat es seine neue Parteispitze gewählt, weil sich
       Ex-Parteichefin Sahra Wagenknecht aus der ersten Reihe zurückgezogen hat.
       Nun liegt ihre Partei in Brandenburg in Trümmern – der sichtbarste Ausdruck
       dafür, dass das BSW gerade insgesamt in sich zusammenfällt.
       
       Noch vor einem Monat wollte Robert Crumbach für den Bundesvorstand des BSW
       kandidieren. Nun hat Brandenburgs Vizeministerpräsident und Finanzminister
       hingeschmissen und damit eine Kettenreaktion ausgelöst. Am Montag ist der
       63-jährige Ex-Arbeitsrichter [2][aus seiner Partei und seiner Fraktion im
       Potsdamer Landtag ausgetreten, um in die SPD-Fraktion zu wechseln]. Dem
       BSW, dessen brandenburgischen Landesverband er mitgegründet und bis
       vergangenen Juli geleitet hat und dessen Gravitationszentrum er war, warf
       er hinterher, es sei „nicht regierungsfähig“ und habe „keinerlei
       Gestaltungswillen“: ein vernichtendes Urteil.
       
       Das knappe Scheitern bei der Bundestagswahl im Februar 2025 hat das BSW in
       eine Sinnkrise gestürzt. Monatelang haderte die Parteispitze mit dem
       Wahlergebnis, [3][zweifelte es an und forderte eine Neuauszählung]. Da all
       das nichts nützte, entschied sie in Todesangst, noch stärker als zuvor auf
       Konfrontationskurs zu den „Altparteien“ zu gehen – und das auch in den
       beiden Bundesländern, in denen das BSW seit Herbst 2024 mit ihnen koaliert,
       in Thüringen und in Brandenburg. Oppositions- und zugleich
       Regierungspartei?
       
       Den Landesverband in Brandenburg hat das nun zerrissen. Dabei war die
       Koalition dort vergleichsweise geräuschlos gebildet worden, und sie hatte
       zumindest anfangs auch den Segen von Sahra Wagenknecht.
       
       ## Zu viele Amateure und ein Zielkonflikt
       
       Es war Brandenburgs Zustimmung zum Rundfunkstaatsvertrag, die im November
       zum Riss führte. Wagenknecht und ihre Gefolgsleute in Brandenburg wollten,
       dass die Potsdamer Landtagsfraktion ihn ablehnt. Damit wäre schon im
       November nicht nur die Koalition mit der SPD, sondern das ganze
       Reformprojekt geplatzt. Denn bis dahin mussten alle Bundesländer die
       Medienstaatsverträge ratifizieren, damit sie in Kraft treten können.
       Wagenknecht wäre so ein Knall vermutlich recht gewesen: Er hätte ihrer
       Partei maximale Aufmerksamkeit beschert, und am öffentlich-rechtlichen
       Rundfunk liegt ihr ohnehin wenig. Crumbach aber scherte aus und stimmte
       staatstragend zu, um die Koalition nicht zu gefährden, und die CDU sprang
       ein, um der Regierung im Potsdamer Landtag zu einer Mehrheit zu verhelfen.
       
       Es mag sein, dass sich das BSW „zu früh“ an einer Regierung beteiligt hat,
       wie Crumbachs Kontrahentin, Brandenburgs BSW-Landeschefin und
       Wagenknecht-Loyalistin Friederike Benda im Dezember beim Parteitag in
       Magdeburg sagte. Das stimmt, denn in der Partei tummeln sich zu viele
       Amateure. Die wenigen Profis wie Thüringens BSW-Landeschefin Katja Wolf und
       Robert Crumbach, beides Pragmatiker, haben es schwer, sich gegen die
       Dogmatiker und Wagenknecht-Loyalisten in der Partei durchzusetzen, die den
       Kurs bestimmen und mehr auf Krawall als auf konstruktive Politik gebürstet
       sind. Sie spaltet ein Zielkonflikt: Will sich das BSW als regierungsfähig
       beweisen oder als Protestpartei profilieren?
       
       Mit Blick auf die kommenden Landtagswahlen in diesem Jahr hatten Wolf und
       Crumbach beim BSW-Parteitag im Dezember noch dafür geworben, mehr
       Ostdeutsche in den Parteivorstand zu wählen, in dem westdeutsche
       Wagenknecht-Fans dominieren. Vergebens. Bei den bevorstehenden
       Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin hätte
       das BSW so vielleicht noch eine Chance gehabt, sich als ostdeutsche
       Regionalpartei zu behaupten. Doch auch dafür stehen die Chancen nun
       schlechter denn je.
       
       Dem Projekt BSW, dem 2024 noch ein beispielloser Höhenflug vergönnt war,
       droht nun der Totalabsturz. Das Ende der Regierung in Brandenburg könnte
       auch das Ende des BSW einläuten.
       
       6 Jan 2026
       
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