# taz.de -- Autokrise in Sachsen: VW auf der Suche nach der Zukunft
> In Sachsen entstehen mit modernster Produktionstechnik E-Autos,
> eigentlich sollte der Laden brummen. Aber die Krise schlägt im Freistaat
> besonders zu.
(IMG) Bild: Nach 24 Jahren Autoproduktion rollte im Dezember 2025 der letzte ID.3 im Dresdner VW-Werk vom Band
Zum 35. Geburtstag im Dezember servierte Volkswagen in Sachsen feierlich
eine große Torte mit Schleife. Der sächsische Wirtschaftsminister Dirk
Panter (SPD) kam vorbei, verteilte Stücke an die Beschäftigten des größten
privaten Arbeitgebers im Freistaat. Ein heiterer Moment in Krisenzeiten.
Vier Tage später beendete der Autokonzern seine Produktion in der Gläsernen
Manufaktur in Dresden, einem Vorzeigeprojekt für Elektromobilität. Noch ein
glänzend roter VW ID.3 rollte am 16. Dezember vom Band, danach war Schluss.
Über 20 Jahre wurden in der Gläsernen Manufaktur Dresden vor den Augen der
Kund:innen VW-Autos zusammengesetzt. Mit zuletzt 230 Beschäftigten war es
VWs kleinstes Werk in Deutschland, aber es sollte als „Leuchtturm“ den Weg
weisen. 2017 wurde Dresden zum ersten Standort, den [1][VW vollständig auf
Elektromobilität umstellte]. Der Konzern plante damals unter dem Titel
„Roadmap E“ bis 2025 „zur weltweiten Nummer eins in der Elektromobilität“
aufzusteigen. Doch unterwegs wurde VW von anderen überholt.
Thomas Schäfer, Chef der Marke VW, erklärte nun im Dezember zum Ende der
Fahrzeugproduktion in der Gläsernen Manufaktur, die Entscheidung sei nicht
leicht gefallen. Aber „unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten“ sei der
Schritt „zwingend erforderlich“ gewesen. Der [2][Konzern baut mehr E-Autos
als er verkauft] und büßt dabei viel Geld ein.
Es ist einer der Gründe, die VW in die Krise geleitet haben. Anderen
deutschen Automobilherstellern geht es ähnlich. Das liegt vor allem [3][an
E-Autos aus China]. Die sind effizienter, billiger und deshalb beliebter.
Obwohl Elektroautos vom Zukunfts- zum Gegenwartsgeschäft werden, fällt es
der deutschen Autoindustrie schwer, damit Geld zu verdienen. Welche Folgen
das hat, zeigt sich besonders in Sachsen, wo noch ein weiteres
Leuchtturm-Projekt von VW steht.
## Verbrenner bringen mehr Geld
Im großen [4][VW-Werk in Zwickau] arbeiten aktuell etwa 8.500 Beschäftigte.
Seit 2020 fertigen sie ausschließlich E-Autos. Der Standort wurde zum
„Leitwerk für die Elektromobilität“. Mit modernster Produktionstechnik
entstehen dort aktuell der VW ID.3, der Audi Q4 e-tron und der Seat Cupra
Born. Aber weil der Verkauf schlechter läuft als gedacht, will der
VW-Konzern die Produktion drosseln. Im vergangenen [5][Oktober standen die
Maschinen deshalb sogar für eine Woche] still.
Für deutsche Autohersteller ist es nicht nur wegen der ausbleibenden
[6][Nachfrage nach ihren Stromern attraktiver], Verbrenner zu bauen. Noch
bringen Verbrenner auch höheren Gewinn. Der Grund: Bei E-Autos lässt sich
das meiste Geld mit der Batterie verdienen. Aktuell kommt die allerdings
meistens China – und ist teuer.
Auf [7][Wunsch der Autohersteller, vor allem aus Deutschland, hat die
EU-Kommission] im Dezember vorgeschlagen, die bisherigen Klimaziele
aufzuweichen. Sie möchte weg vom geplanten Verkaufsverbot für neue
Verbrenner 2035, fossil betriebene Neuwagen sollen noch länger zugelassen
werden dürfen.
Aus industriepolitischer Perspektive ergebe sich daraus aber kein Vorteil,
kritisiert der Industrie-Experte Maximilian Paleschke vom
Wirtschaftsinstitut Dezernat Zukunft. Nicht die Klimaziele verursachten die
Absatzprobleme der deutschen Autohersteller. „Die chinesischen Hersteller
bauen jetzt einfach bessere Autos“, so Paleschke. Das sei vor zehn Jahren
noch fundamental anders gewesen.
Wenn sich der Trend zur E-Mobilität durch den Vorschlag der EU-Kommission
verlangsame, [8][sei das ein Nachteil für den sächsischen Standort],
erklärt Paleschke. Aber was braucht die deutsche Autoindustrie dann? „Es
müsste Planungssicherheit für Investoren geben, statt ständig über
Klimaziele zu diskutieren oder Scheindebatten über vermeintlich andere
klimaneutrale Technologien zu führen“, sagt Paleschke. E-Fuels oder
Wasserstoff, das sei für den Individualverkehr nicht relevant.
Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter nennt im Zusammenhang mit dem
[9][Vorschlag der Europäischen Kommission], ebenfalls das Stichwort
„Planungssicherheit“. Allerdings sei der Freistaat technologieoffen. Er
unterstütze auch, „aber nicht ‚nur‘ im Bereich der E-Autos“, erklärt er der
taz. Sachsen biete Herstellern und Zulieferern „hervorragende Bedingungen“.
Ein Beispiel dafür sei das BMW-Werk in Leipzig. Dort produzieren etwa 6.600
Mitarbeiter:innen drei Verbrenner-Modelle und eins mit
Elektro-Antrieb. Anders als das VW-Werk in Zwickau sind die Kapazitäten
voll ausgelastet. 2025 erreichte das Werk einen neuen Produktionsrekord:
Über 259.000 Autos fertigten die Arbeiter:innen.
Nicht nur in Leipzig kommt BMW besser durch die Transformation als die
anderen deutschen Autokonzerne. Laut Expert:innen liegt [10][das an der
langfristigen Strategie] des bayerischen Autobauers. Von der Krise bekommen
sie nun weniger mit.
Im Gespräch mit der taz warnt der Betriebsratschef des Leipziger BMW-Werks,
Jens Köhler, jedoch davor, sich auf diesem Erfolg auszuruhen. „Es ist
schön, dass es bei uns brummt. Aber ich hätte gerne mehr E-Autos in der
Fabrik, um die Beschäftigten abzusichern“, sagt Köhler.
Wie die Leipziger Volkszeitung berichtet, bereitet BMW das Werk auf den Bau
neuer elektrischer Modelle vor. „Dafür investieren wir einen dreistelligen
Millionenbetrag“, erklärte Werksleiterin Petra Peterhänsel.
## Investitionen und Innovationen
Auch VW investiert trotz Krise in Sachsen, allerdings nicht direkt in die
Produktion weiterer E-Autos. Im Zwickauer Werk soll ein Recycling-Bereich
entstehen, um [11][Rohstoffe und Teile wiederzuverwenden. „Circular
Economy“.] Wie genau die in Zwickau aussehen soll? Da will VW Ende Januar
mehr preisgeben. Es wäre ein neues Geschäftsfeld für den Konzern, das aber
weniger Arbeitsplätze bieten würde als die Auto-Produktion derzeit.
Max Paleschke vom Dezernat Zukunft sagt, die Circular Economy sei sinnvoll,
etwa um die teuren Batterien aufzubereiten. Er hält es zudem für geboten,
dass die deutschen Autohersteller Knowhow und Innovationen fördern. Die
Lithium-Batterie sei nicht das Ende. „Da gibt es noch viel Raum, wo
Deutschland wieder eine Vorreiterrolle einnehmen könnte.“
Vielleicht wird dieser Raum in der Gläsernen Manufaktur entdeckt. Zwar
entstehen in Dresden keine roten VW ID.3 mehr, aber es soll [12][weiterhin
um E-Autos gehen]. VW, der Freistaat Sachsen und die Technische Uni Dresden
wollen einen „Innovationscampus“ aufbauen. In den kommenden sieben Jahren
stellen sie dafür mehr als 50 Millionen Euro bereit – und bei der Eröffnung
hoffentlich eine große Torte mit Schleife.
12 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /VW-setzt-auf-Elektromobilitaet/!5475996
(DIR) [2] /VW-in-der-Krise/!6138780
(DIR) [3] /Schwere-Zeiten-fuer-Tesla/!6141977
(DIR) [4] /VW-Zwickau-stellt-auf-E-Autos-um/!5617566
(DIR) [5] https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/volkswagen-dresden-zwickau-auto-elektro-zukunft-104.html
(DIR) [6] /Guenstiger-und-umweltfreundlicher/!6089514
(DIR) [7] /Aus-vom-Verbrenner-Aus/!6136108
(DIR) [8] http://www.transportenvironment.org/uploads/files/2025-02-Potential-und-Jobanalyse-E-Mobilitat-Ostdeutschland_2025-03-03-091259_aqzn.pdf
(DIR) [9] /Industrie-soll-laenger-Verbrenner-bauen/!6133353
(DIR) [10] /Ueberraschend-gute-Verkaufszahlen-bei-BMW/!6123136
(DIR) [11] /Roadmap-fuer-die-Circular-Economy/!5616671
(DIR) [12] /Ab-wann-ist-ein-E-Auto-klimafreundlicher-als-ein-Verbrenner/!6123411
## AUTOREN
(DIR) David Muschenich
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