# taz.de -- Autoindustrie und Klima: Kritik an Vorschlag zu Mindestpreis für E-Autos aus China
> Die EU-Kommission hat einen neuen Plan vorgelegt, wie sie mit
> chinesischen E-Auto-Herstellern umgehen will. Warum der nicht alle
> überzeugt.
(IMG) Bild: Für den Export zwischengeparkte Elektrofahrtzeuge im Hafen von Hangzhou in China
Die EU-Kommission hat Pläne für einen Mindestpreis für chinesische E-Autos
vorgelegt – und muss dafür nun Kritik einstecken. „Ein Mindestimportpreis
ist die schlechteste aller Lösungen“, [1][findet Julian Heinz], Leiter der
Forschungsgruppe Handelspolitik am Institut für Weltwirtschaft in Kiel.
Statt den Druck der chinesischen Hersteller auf europäische Autobauer
abzufedern, „lädt das Instrument Chinas E-Auto-Hersteller dazu ein,
weiterhin große Mengen in den EU-Markt zu drücken“.
Am Montag hatte die Kommission in Brüssel ein Papier vorgelegt. In dem
skizziert sie, wie ein Mindestpreis für Elektroautos, die aus chinesischer
Herstellung nach Europa importiert werden, aussehen könnte. Die
Mindestimportpreise könnten die aktuellen Strafzölle auf chinesische
Stromer ersetzen, sagte ein Sprecher der Kommission – das Papier aber sei
erst mal nur ein Leitfaden, weitere Schritte müssten folgen.
Trotzdem lässt sich der Vorstoß der Kommission als Entgegenkommen in
Richtung der chinesischen Regierung deuten, die mit Europa im Streit über
die bisher geltenden Strafzölle lag. Das Handelsministerium in China sprach
dann auch gleich von einer „Einigung“ und freute sich über die „gesunde
Entwicklung“ der Wirtschaftsbeziehungen zwischen China und der EU.
Nachdem die chinesischen Autobauer den europäischen Herstellern im
internationalen Wettbewerb, aber auch auf dem EU-Markt und besonders im
Bereich batterieelektrischer Fahrzeuge immer größere Konkurrenz machten,
hatte die Europäische Union im Herbst 2024 [2][bis zu 35 Prozent Zoll für
E-Autos aus der Volksrepublik] verhängt.
## „Bürokratisches Monster“
Der Grund, laut den Behörden in Brüssel: Das chinesische Regime pumpe
ordentlich Staatsgeld in die dortigen Firmen – ein Verstoß gegen die Regeln
der Welthandelsorganisation WTO. Chinas Konzerne könnten den europäischen
Markt dann mit preiswerten Modellen fluten – und die Autohersteller aus der
EU, die keine derartigen Subventionssummen erhalten, blieben auf der
Strecke.
Andererseits haben viele europäische Autoproduzenten, besonders die
deutschen Konzerne, den Wandel von der Verbrennertechnologie zu
Batterieantrieben lange unterschätzt. Und so im internationalen Wettbewerb
an Boden verloren.
Forscher Julian Hinz kritisiert, dass ein Mindestimportpreis ein
„bürokratisches Monster“ sei. Die Kommission wolle je nach Modell und
Ausstattung unterschiedliche Preise einführen und Umgehungen der
Preispflicht, zum Beispiel durch Rabatte, vermeiden. Das sei nicht nur
kompliziert, sondern es biete auch viel Angriffsfläche für Lobbyist:innen,
die dauernd Nachverhandlungen in vielen Details fordern könnten.
Außerdem könne die EU mit Strafzöllen eine Einnahmequelle für die
Mitgliedstaaten schaffen – bei einem Mindestimportpreis hingegen fließe
kein Geld in europäische Staatskassen. Wenn Europa seinen Markt vor
unerlaubten Subventionen schützen wolle, solle es „bei transparenten,
marktkonformen Instrumenten bleiben“, sagt Hinz. Das seien typischerweise
Einfuhrzölle.
## Förderung für deutsche E-Auto-Käufe
Wie sich der deutsche E-Auto-Markt ankurbeln ließe, haben die Stiftung
Klimaneutralität und die Organisation Agora Verkehrswende derweil am
Mittwoch [3][in einem Politikpapier] dargelegt. Ohnehin plant die
Bundesregierung drei Milliarden Euro Förderung für privat angeschaffte
Elektroautos – dabei sollte sie sich auf Menschen mit einem Bruttoeinkommen
bis 4.000 Euro und vollelektrische Fahrzeuge bis etwa 60.000 Euro Kaufpreis
konzentrieren, sagen die Verbände. Zudem müsse die Förderung bald schon
auch für gebrauchte E-Autos gelten.
Sinnvoll sei auch, die Förderung in Abhängigkeit vom Kaufpreis zu staffeln.
Das Ziel: auszugleichen, dass vor allem kleine und mittlere
Batteriefahrzeuge im Vergleich zu entsprechenden Verbrennern teuer sind.
Bei größeren Fahrzeugen sei die Differenz zwischen den Kaufpreisen eines
Verbrenners und eines Stromers kleiner.
Grundlage des Papiers sind eine Umfrage unter möglichen
Autokäufer:innen und ein Rechtsgutachten zur Regulierung der
Ladeinfrastruktur. Bisher hat die Bundesregierung vorgesehen, ein neues
vollelektrisches [4][oder Plug-in-Hybrid-Auto] mit 3.000 Euro pro Fahrzeug
zu fördern – für Privathaushalte mit einem Jahresbruttoeinkommen unter
80.000 Euro. Diese Grenze sei zu hoch angesetzt, finden die Verbände. Bei
einer alleinstehenden Person entspreche sie einem Bruttomonatsgehalt von
fast 6.700 Euro.
„Für den Hochlauf der Elektromobilität in Deutschland braucht es dringend
einen neuen Anlauf für ein umfassendes Gesamtkonzept“, sagt Christian
Hochfeld, Direktor von Agora Verkehrswende. Dass die Bundesregierung ein
Förderprogramm für private Elektromobilität angekündigt hat, sei ein
wichtiger Schritt. Die Förderung müsse jedoch konsequent zu Ende gedacht
werden, „wenn die deutsche Automobilindustrie langfristig auf den Märkten
der Zukunft erfolgreich sein soll“.
15 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.kielinstitut.de/de/publikationen/aktuelles/mindestimportpreise-fuer-chinas-e-autos-schlechteste-aller-loesungen/
(DIR) [2] /Stahlbranche-in-der-Krise/!6118374
(DIR) [3] https://www.agora-verkehrswende.de/veroeffentlichungen/private-elektromobilitaet-effektiv-foerdern
(DIR) [4] /Verkehrswende/!6135203
## AUTOREN
(DIR) Nanja Boenisch
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