# taz.de -- Das Russische Haus: Putins Außenposten mitten in Berlin
> Trotz des Krieges in der Ukraine geht der Betrieb im Russischen Haus in
> Berlin-Mitte weiter. Von Deutschland gibt es sogar Geld dafür.
(IMG) Bild: Die russischen Farben mitten in Berlin: das Russische Haus an der Friedrichstraße
Der Mann am Eingang spricht einen erst auf Russisch an. Dann wiederholt er
seine Frage, was man hier wolle, auf Deutsch. Einfach mal umsehen? Kein
Problem, sehr gern, willkommen also im sogenannten Russischen Haus in
Berlin. Das befindet sich mitten auf der Friedrichstraße, der bekannten
Shoppingmeile im Herzen der Stadt. Der Gebäudekomplex mit seinen 29.000
Quadratmetern erstreckt sich über einen ganzen Häuserblock, ist also kaum
zu übersehen und wirkt trotzdem etwas versteckt zwischen all den bunten
Ladengeschäften.
1984 wurde der Ort für russische Kultur eröffnet und bietet heute immer
noch Ausstellungen, Konzerte, Filmprogramme und Russisch-Sprachkurse an.
Klingt erst einmal halbwegs harmlos. Seit dem russischen Angriffskrieg auf
die Ukraine wird jedoch genauer hingeschaut, was hier alles so läuft.
## Bei der EU auf der Sanktionsliste
Betrieben wird das Gebäude schließlich von der russischen Behörde
Rossotrudnitschestwo, die seit 2022 auf der Sanktionsliste der EU steht.
Das mit den Sprachkursen und unverfänglich wirkenden Angeboten wie
Töpferkursen sei nur Fassade, lautet inzwischen die Kritik. In Wahrheit
habe man es hier mit einer Propagandazentrale Putins zu tun, die längst
geschlossen gehöre.
Von der [1][kleinen Einmanndemonstration], die sonst immer mit
Ukraineflagge vor dem Eingang steht, ist heute nichts zu sehen. Drinnen
wirkt der weitläufige und schummrige sozialistische Prachtbau mit dem
Marmorboden und den Ledersofas im Foyer beinahe menschenleer. Kaum Besucher
finden sich ein, es ist sehr still, man hat den Eindruck, das riesige
Gebäude fast für sich allein zu haben.
Eine Dauerausstellung in einem Eck des Erdgeschosses zeigt „die
vielfältigen Beiträge zur Förderung der russisch-deutschen Beziehungen“.
Man sieht Bilder von Kulturveranstaltungen und russischen Neujahrsfesten.
Die Ausstellung endet mit einer Dokumentation kritischer Beiträge über das
Russische Haus selbst. „Kreml-Propaganda-Zentrale darf einfach
weitermachen“, steht da beispielsweise auf einer eingerahmten Titelseite
der Bild. Über die gesammelten Kritiken haben die Macher der kleinen
Ausstellung geschrieben: „Ein Filetstück“. Wer das Russische Haus
kritisiere, habe vor allem die Beschlagnahmung einer Immobilie in bester
Lage im Blick, soll damit wohl angedeutet werden.
Die Veranstaltungsräume in dem Gebäude haben Namen wie Tolstoi-, Turgenjew-
oder Kandinsky-Saal. Man wird so daran erinnert, was für eine bedeutende
Kulturnation Russland ist, auch wenn das Putin-Regime die russischen
Kulturgrößen schamlos für seine nationalistische Propaganda missbraucht. Im
Hausrestaurant werden authentische Spezialitäten wie Wareniki und Pelmeni
angeboten, ein wenig Russlandfeeling für den Magen.
Bizarr wirkt eine der temporären Ausstellungen, die noch bis Ende Juli
nächsten Jahres läuft. Sie kostet keinen Eintritt, man ist der einzige
Besucher und wird bei „Public Art“ über „Kunst im öffentlichen Raum
Russlands“ informiert. Man sieht hier quietschbunte Pop-Art-Skulpturen und
Graffiti, das meiste davon sind Arbeiten, die nach dem russischen Überfall
auf die Ukraine entstanden sind. So locker abgefahren und freiheitlich soll
es also zugehen in einem Land, wo Menschen im öffentlichen Raum sogar dafür
verhaftet wurden, als Zeichen des Protests ein weißes Blatt Papier in die
Höhe gehalten zu haben. „Die „individuelle Ausdrucksform“ werde im
„heutigen Russland“ höher geschätzt als einst, heißt es im Begleittext zur
Ausstellung.
Russland war schon immer super und ist es immer noch, dieses Gefühl soll
der Besucher oder die Besucherin des Russischen Hauses mitnehmen. Dabei
bekommt man nur einen kleinen Einblick in dieses Gebäude, das zu großen
Teilen wie eine Blackbox wirkt. Werden hier in den oberen Stockwerken auch
Wohnungen vermietet? Gelder eingenommen, die dem Putin-Regime in
irgendeiner Form zugutekommen?
## Deutschland zahlt für das Haus
Recherchen verschiedener Medien vom Berliner Kurier bis hin zur
„Tagesschau“ konnten in den vergangenen Jahren unter anderem Verbindungen
des Russischen Hauses zu Veranstaltern prorussischer Demos nachweisen, im
eigenen Kinosaal soll ein übler Propagandafilm gezeigt worden sein, in dem
Ukrainer als Nazis auftauchten.
Dennoch geht hier alles weiter seinen Gang. Die Bundesrepublik zahlt sogar
jährlich die anfallenden 70.000 Euro Grundsteuer, das wurde vertraglich so
festgelegt. Verknüpft mit Regelungen zu Goethe-Instituten in Russland. Wird
das Russland-Haus geschlossen, werden auch die Goethe-Institute in Russland
dichtgemacht, so die Befürchtung. Deswegen will man seitens der Politik
vielleicht so genau auch wieder nicht wissen, was in diesem Russischen Haus
alles so passiert.
13 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Andreas Hartmann
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