# taz.de -- Leutheusser-Schnarrenberger über Angst: „Na und?“
       
       > Sie war die einzige Ministerin, die nach einem Rücktritt zurückkam. Die
       > FDP flog aus dem Parlament, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger macht
       > weiter.
       
 (IMG) Bild: „Ich kann verstehen, wenn jemand Angst hat.“
       
       taz.am wochenende: Frau Leutheusser-Schnarrenberger, seit den Anschlägen
       auf Charlie Hebdo fordern Regierungspolitiker wieder die
       Vorratsdatenspeicherung. Justizminister Heiko Maas arbeitet angeblich an
       einem Gesetzentwurf. Glauben Sie, diese Art der Überwachung kommt doch
       noch? 
       
       Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: Mit 80 Prozent Mehrheit im Bundestag
       kann alles beschlossen werden, auch eine verfassungswidrige
       Vorratsdatenspeicherung. Es gibt Vorschläge, die haben Innenpolitiker seit
       Jahren in der Schublade, und sobald ein Anlass da ist, werden die
       herausgeholt. Dabei ist gerade nach den fürchterlichen Anschlägen auf
       Charlie Hebdo eines klar geworden: Die Vorratsdatenspeicherung in
       Frankreich hat sie nicht verhindert.
       
       Der SPD-Justizminister hatte sich gegen die Vorratsspeicherung gesperrt,
       bis sein Parteivorsitzender ein Machtwort sprach. Sie haben sich auch
       jahrelang gegen den Druck einer ganzen Regierungskoalition gewehrt. Wie
       frustrierend ist das? 
       
       Manchmal frage ich mich schon, wie es sein kann, das so etwas noch
       Widerhall findet. Ich habe jahrelang immer wieder gehört, ich sei Madame No
       oder das Sicherheitsrisiko, weil ich nicht alle Begehrlichkeiten, die
       angeblich zu mehr Sicherheit führen sollten, erfüllt habe. Aber Frustration
       bei Verteidigung von Freiheitsrechten ist ein ganz schlechter Ratgeber.
       
       Nach den Anschlägen von Paris hat sich die Mehrheit der Bevölkerung in
       Deutschland in Umfragen die Vorratsdatenspeicherung gewünscht. 
       
       Wenn es ein Ereignis wie in Paris oder Kopenhagen gegeben hat, dann sagen
       viele: Wenn das wirklich mehr Sicherheit bringen könnte, bin ich dafür. Ich
       habe nichts zu verbergen. Die Leute kommen aber ins Zögern, wenn man
       nachfragt: Möchten Sie tatsächlich, dass ihr Telefonverhalten gespeichert
       wird und man nachvollziehen kann, wann sie mit wem gesprochen haben, mit
       den Anonymen Alkoholikern, dem Finanzamt oder einer Dame aus dem
       Rotlichtmilieu?
       
       Viele haben einfach Angst. 
       
       Es wichtig, dass man die Gefahr nicht verniedlicht und tut, was mit unserem
       Rechtsstaat vereinbar ist, um die Gefährdungen so gering wie möglich zu
       halten. Wir müssen aber deutlich machen, dass es eine tausendprozentige
       Sicherheit nicht gibt.
       
       Wir verteidigen die Freiheit also im Zweifel mit unserem Leben. Ist das der
       Deal? 
       
       Das ist kein Deal, sondern es ist die Grundlage unseres Zusammenlebens und
       unserer Demokratie. Die fußt auf einem bestimmten Menschenbild, das in den
       Grundrechten und der Unantastbarkeit der Menschenwürde verankert ist. Und
       die verteidigen wir – gegen die, die genau diese Werte eben nicht wollen.
       
       Nach der Germanwings-Katastrophe hat ein Verkehrsexperte der CDU wegen der
       Krankheitsgeschichte des Kopiloten vorgeschlagen, man müsse das
       Arztgeheimnis für bestimmte Berufsgruppen lockern. 
       
       Ich halte eine Öffnung des Arztgeheimnisses für problematisch. Hier lag es
       nach derzeitigen Informationen doch wohl daran, dass der Kopilot seine
       Krankschreibung verschwiegen hat. Soll der Arzt künftig von sich aus den
       Arbeitgeber informieren? Ich sehe eher ein Defizit beim Arbeitgeber, der
       seine Personalauswahl sorgfältiger treffen und bei Problemsituationen im
       Zweifel für die Sicherheit entscheiden muss. Die gesundheitlichen Probleme
       waren ja in diesem Fall bekannt.
       
       Kennen Sie dieses Gefühl überhaupt: Angst? 
       
       Ich habe in acht Jahren als Ministerin immer wieder Drohungen erlebt.
       Anonym, wenn ich auf rechtsextremistische Ausschreitungen reagiert habe
       oder auf Antisemitismus. Natürlich hat mich das beschäftigt. Wenn mir vor
       einer Veranstaltung genau gesagt wird, wo ich mich nicht hinstellen darf,
       weil da ein Fenster ist – das hat mich schon beunruhigt. Wie bei den
       Angriffen auf Herrn Lafontaine und Herrn Schäuble hätten es gar keine
       Terroristen sein müssen, von denen diese Gewalt ausgeht, sondern Menschen,
       die vielleicht wegen einer Krankheit mein Leben gefährden. Ich kann
       verstehen, wenn jemand Angst hat.
       
       Mitte der 1990er stellten sich bei der Abstimmung zum großen Lauschangriff
       selbst die Mitglieder Ihrer Partei gegen Sie. Bei der
       Vorratsdatenspeicherung war es ähnlich. Hatten Sie da keine Selbstzweifel? 
       
       Im Gegenteil! Ich fühle mich bestätigt. Da habe ich ja etwas erreichen
       können.
       
       Jetzt sind sie Lokalpolitikerin. Was können Sie noch erreichen? 
       
       Die Meinungsbildung findet gerade in der Keimzelle der Demokratie, der
       Kommune statt. Ich setze mich gegen Rechtsextremismus und
       Ausländerfeindlichkeit ein. In vielen Veranstaltungen rufe ich zu
       Datenschutz und Selbstbestimmung auf.
       
       Sie kämpfen gern allein? 
       
       Ein Politiker fühlt sich nicht wohl, wenn er allein ein Fähnchen hochhält.
       Aber wenn es nicht anders geht, muss er das. Und im Fall der
       Vorratsdatenspeicherung hat es sich gelohnt. Wir haben dieses Gesetz mit
       der Vorratsdatenspeicherung nicht. Die EU-Richtlinie zu dieser
       Überwachungsmaßnahme ist ebenfalls weg, gekippt vom Europäischen
       Gerichtshof. Und wenn man jetzt etwas einführen möchte, muss man erst
       einmal auf der Grundlage dieses Urteils in Europa einen Konsens
       herbeiführen. Da kommt keine anlasslose Vorratsdatenspeicherung mehr raus.
       So einfach ist das.
       
       Es wäre sicher auch mal schön gewesen, die Mehrheit auf Ihrer Seite zu
       haben. 
       
       Datenschutz hat in Umfragen nie mehr als 50 Prozent Zustimmung bekommen.
       Die meisten Bürger mögen das anders empfinden, aber die Politik muss
       mindestens das verteidigen, was die Verfassung vorschreibt. Wenn das zu
       Verzagtheit führt, hätten wir uns keine wehrhafte Demokratie und keine
       Verfassung mit Grundrechten geben dürfen. Grundrechte bewähren sich dann,
       wenn Gefahrenlagen da sind. Für Schönwetter brauchen wir sie nicht.
       
       Sie sind wegen Ihrer harten Haltung häufiger diffamiert worden. 
       
       Ich habe das nicht als Diffamierung angesehen, aber manches war persönlich
       gemünzt. Es gab Äußerungen wie: „Die nächsten Toten gehen auf ihr Konto.“
       Das geht nicht einfach an einem vorbei. Aber ich habe keine bleibenden
       Wunden davongetragen. Man muss in einer Demokratie um Themen streiten,
       nicht einfach klein beigeben. Alles andere führt zu Politikverdrossenheit.
       
       Als Sie Mitte der Neunziger Justizministerin wurden, sagte ein
       Parteifreund, man habe den linken Burkhardt Hirsch verhindert und mit Ihnen
       eine Hirschkuh bekommen. 
       
       Aus dem Mann sprach eine tiefe Enttäuschung. Das deklassiert doch den, der
       es sagt.
       
       Herrscht so ein Ton auch in den Sitzungen des Kabinetts? 
       
       Nein, eher in der Öffentlichkeit. Oder wenn man in einer Arbeitsgruppe
       sitzt und um etwas ringt, dann geht es auch mal deutlicher zur Sache.
       
       Hatten manche Angriffe auf Sie auch damit zu tun, dass Sie die erste Frau
       im Justizministerium waren? 
       
       Damals musste das erst einmal angenommen werden. Im Kabinett Helmut Kohl
       hatten wir zwischenzeitlich fünf Frauen – da waren halt manche Männer von
       der grundsätzlichen Einstellung, dass sie das Frauen nicht zutrauen. Bei
       manchen sitzt das tief drin. Was ich gelernt habe, ist, nicht auf alles,
       was gesagt wird, zu reagieren. Es hilft meistens, Dinge abtropfen zu
       lassen.
       
       Haben Sie dann kein Verständnis dafür, dass eine Stern-Journalistin ihre
       Sexismusvorwürfe gegen Rainer Brüderle öffentlich gemacht hat? 
       
       Diese Sache hat Rainer Brüderle sehr tief getroffen. Da ist ihm ein Stück
       weit Unrecht passiert. Vielleicht wäre es besser gewesen, es abtropfen zu
       lassen.
       
       Geht es in der Politik sexistisch zu? 
       
       Würde ich nicht sagen, nein.
       
       Wenn es Parteien so richtig schlecht geht, müssen Frauen sie retten: Katja
       Suding die FDP in Hamburg. Angela Merkel die CDU. Katja Kipping die
       Linkspartei. Wieso? 
       
       Frauen sind risikobereiter als Männer. Sie sagen: Okay. Ich übernehme in
       einer schwierigen Situation eine Aufgabe, auch wenn das nicht nur zum
       eigenen Vorteil ist. Frauen wägen nicht so sehr ab, was das für ihre
       Karriere heißt. Als ich zurückgetreten bin, war ich 45 Jahre alt. Ich hatte
       durchaus noch eine Zukunft und konnte nicht ahnen, dass mich irgendwann
       noch einmal jemand fragt, ob ich Justizministerin werden möchte.
       
       Haben Sie sich vor diesem Schritt mit jemandem beraten? 
       
       Mit meinem Mann und mit Freunden, die nicht in der Politik sind. Aber nur
       vertraulich. Mir war klar, dass es für mich notwendig ist, die Konsequenzen
       zu ziehen. Sie können sich nicht glaubwürdig für Grundrechte einsetzen,
       wenn Sie wochenlang gegen etwas argumentieren und das dann umsetzen.
       
       Politik lebt von Kompromissen. Ihre Haltung macht die schwierig. 
       
       Es gibt Punkte, an denen man eine Änderung der eigenen Überzeugungen nicht
       mehr mit Kompromissbereitschaft erklären kann. Weil es sich auf die ganze
       eigene Person auswirkt, was man tut. Wie glaubwürdig und durchsetzungsstark
       wäre ich nach einem solchen Sinneswandel noch gewesen? Denn natürlich
       wollte ich als Ministerin für Projekte werben. Und wenn es heißt: Ganz
       egal, was wir machen, die macht’s ja dann eh, bringt man nicht viel Gewicht
       mit auf die Waagschale.
       
       Ihre eigene Partei hat sich bei der Mitgliederbefragung gegen Sie gestellt.
       Warum sind Sie nie zu einer anderen gewechselt? 
       
       Für mich hätte es keinen Weg zu einer anderen Partei gegeben.
       
       Warum? 
       
       Weil mich keine überzeugt hätte.
       
       Warum sind Sie nicht bei den Grünen? 
       
       Also, die Grünen halte ich gerade bei den Bürgerrechten für eine nicht
       berechenbare Größe. Was Rot-Grün gemacht hat nach 9/11 unter Otto Schily –
       ich wüsste nicht, wo da meine Heimat sein sollte. Die Grünen sind für
       Bürgerrechte, wenn sie nichts zu entscheiden haben. Jetzt sind sie an 12
       Länderregierungen beteiligt. Bringen sie im Bundesrat irgendetwas
       Bemerkenswertes zustande? Als sie mit der SPD regiert haben, sind die
       schlimmsten Sicherheitspakete mit verfassungswidrigen Regelungen – wie der
       Abschuss von entführten Flugzeugen – verabschiedet worden. Die Grünen haben
       nicht für die Bürgerrechte gestritten. Sie haben nur begründet, warum sie
       bei deren Abbau mitmachen.
       
       Damals, direkt nach dem 11. September, stand die Regierung unter starkem
       Druck, für mehr Sicherheit zu sorgen. 
       
       Na und?
       
       Sie hätten anders reagiert? 
       
       Auf alle Fälle.
       
       Wo endet für Sie die persönliche Freiheit? Beim Sex? Sie haben in den 80er
       Jahren Alice Schwarzer unterstützt, als die ein Gesetz zum Verbot der
       Pornografie wollte. 
       
       Damals ging es um harte Pornografie. Und da hört für mich der Spaß auf. Was
       mit Gewalt, mit Erniedrigung einhergeht in der Abbildung, da ist für mich
       eine Grenze erreicht. Damals habe ich überlegt, wie man das in ein Gesetz
       fassen kann. Das Problem ist nur, das lässt sich nicht fassen und nicht
       richtig kontrollieren.
       
       So etwas wie den Film „Fifty Shades of Grey“ würden Sie gern verbieten? 
       
       Nein. Aber selbst wenn, das kriegt man nicht reguliert.
       
       Sie halten die Darstellung sado-masochistischer Praktiken nicht für
       Privatsache? 
       
       Wenn es um Gewalt geht, ist es nicht mehr Privatsache. Auch wenn Sie
       einwilligen und sagen, Sie wollen, dass jemand Sie schlägt, bleibt das
       tatbestandsmäßig eine Körperverletzung. Gewaltabbildungen in Medien
       verrohen. Das darf nicht sein.
       
       Nach den Enthüllungen von Edward Snowden haben die Deutschen sich kaum
       aufgeregt. Haben Sie eine Ahnung, warum? 
       
       Ich verstehe bis heute nicht, dass das die Bürgerinnen und Bürger nicht
       viel stärker umtreibt.
       
       Die Politik hat es auch nicht besonders umgetrieben. 
       
       Im Juni 2013, als es mit den Enthüllungen losging, war die
       Legislaturperiode fast beendet. Wir hatten noch einen Beschluss im Kabinett
       verabschiedet, Ende Juli war das, das vergesse ich nie – das war ein 8-
       oder 10-Punkte-Plan, wo unter anderem ein No-Spy-Abkommen mit den USA
       gefordert wurde. Und die Opposition, gerade die SPD, erzählte jeden Tag,
       was passieren muss, um die Rechte der Bürger zu verteidigen. Nach der
       Regierungsbildung der Großen Koalition ist natürlich gar nichts passiert.
       
       Und jetzt? 
       
       Jetzt brauchen wir die transatlantischen Beziehungen in einer ganz anderen
       Konfliktlage. Ukraine, Syrien.
       
       Wenn Snowden keinen Aufschrei ausgelöst hat, kommen Sicherheitspolitiker
       dann jetzt mit allem durch? 
       
       Wenn mal wieder Millionen Kreditkartennummern gestohlen werden, berührt das
       viele Bürger sehr wohl. Es mag sein, dass man damit keine 100.000 Leute auf
       die Straße kriegt. Die mobilisiert man für andere Themen aber auch nicht.
       
       Was viele bewegt, ist das „Recht auf Vergessenwerden“. Mehr als 39.000
       Menschen in Deutschland haben bei Google beantragt, Suchergebnisse aus den
       Trefferlisten zu ihrem Namen zu entfernen. Sie saßen im Beirat, der Google
       beim Umsetzen dieses Rechts helfen soll. Wozu brauchen wir das eigentlich? 
       
       Wollen Sie für immer mit dem einen Foto vom Komasaufen auffindbar sein im
       Netz? Der Europäische Gerichtshof hat da kürzlich eine Entscheidung
       getroffen, die es Menschen ermöglicht, dass sie nicht mehr ihr Leben lang
       mit so einer Sache in Verbindung gebracht werden.
       
       Sie haben als Einzige gefordert, dass das Entfernen der Suchtreffer nicht
       nur in der EU, sondern weltweit gelten soll. Halten Sie das für
       realistisch? 
       
       Ja, denn das Urteil des Europäischen Gerichtshofs weist in diese Richtung.
       Es antizipiert schon das Marktortprinzip, das später einmal in der
       Europäischen Datenschutzgrundverordnung stehen soll: Auch ein Konzern, der
       außerhalb der EU sitzt, hier aber Dienste anbietet, muss sich hiesigen
       Regelungen unterwerfen. Ich kann doch auch von Deutschland aus die US-Seite
       von Google aufrufen – und dort würde weiter alles angezeigt.
       
       Trotzdem wird Google Suchtreffer nur dort löschen, wo es der Konzern muss. 
       
       Wenn ein Bürger mal klagen würde, dass seine Suchtreffer nicht nur auf
       europäischen Suchmaschinenseiten gelöscht werden, sondern auch auf den
       amerikanischen, würde er recht bekommen.
       
       Nutzen Sie Dienste wie Google? 
       
       Facebook und Twitter nutze ich gelegentlich. Auch Google mal, klar. Aber
       ich habe so gut wie keine Apps, WhatsApp nutze ich nicht. Ich habe kein
       Konto bei eBay und ich kaufe aus Überzeugung nicht bei Amazon.
       
       Warum nicht? 
       
       Erstens behandeln sie ihre Leute schlecht. Und zweitens: Wenn alle alles
       bei Amazon einkaufen, gibt es irgendwann nur noch große Logistiklager und
       tote Innenstädte.
       
       Das klingt sozialdemokratisch. 
       
       Auch Liberale haben sich damit zu beschäftigen, ob Menschen gerecht
       behandeln werden.
       
       Wird der sozialer denkende Flügel in Ihrer Partei stärker? 
       
       Das ist der Prozess, den die FDP gerade durchmacht. Es ist doch klar, dass
       ich einen Mindestlohn brauche, von dem ich auch leben kann, und der kann
       nicht nur bei 3, 4 Euro die Stunde liegen. Aber er sollte für Branchen und
       unbürokratisch gelten.
       
       Nachdem sie ihre Rechtsaußen an die AfD losgeworden ist, wird es für die
       FDP auch einfacher, als sozialliberale Partei zurückzukommen. 
       
       Links und rechts, das passt doch heute gar nicht mehr so richtig . . .
       
       Bei der AfD passt das durchaus. 
       
       Gut, die AfD rückt nach rechts und wird das noch weiter tun. Die Existenz
       der AfD zwingt die FDP, dort Klarheit zu schaffen, wo sie das eine Zeit
       lang versäumt hat. Wir dümpeln nicht weiter nach rechts. Aber auch nicht
       allzu weit nach links, machen Sie sich keine Hoffnung.
       
       Kleine Parteien radikalisieren sich oft. Könnte die FDP libertär werden?
       Freier Drogenbesitz, freier Waffenbesitz? 
       
       Ein Libertärer lässt Unternehmen Monopole werden, ein Liberaler will ein
       Kartellrecht, das so etwas nicht zulässt. Macht muss eingehegt werden, das
       ist mein Verständnis. Und das ist kein libertäres.
       
       Würden Sie in einer linksliberalen FDP noch mal Ministerin? 
       
       Nein, weil ich nicht mehr in die aktive Politik zurückkehre.
       
       Sie sind nicht politiksüchtig? 
       
       Die Bürger haben gesagt, die FDP soll nicht mehr im Bundestag sein. Das war
       ein richtig tiefer Einschnitt. Und ich habe für die FDP kandidiert. Dieses
       Zeichen verstehe ich. Politik fasziniert mich, ist aber keine Sucht.
       
       Sie hatten oft bessere Umfragewerte als ihre Partei. 
       
       2017 bin ich 66 Jahre alt. Dann noch einmal neu in der Politik anzufangen,
       um noch mit 70 da zu sitzen? Nein, sicher nicht.
       
       Anders als manche Sozialdemokraten sind Sie nicht in die Wirtschaft
       gegangen, dabei wären Sie doch in der richtigen Partei. 
       
       Das ist nicht mein Ding. Mir war auch wichtig, dass der Job bei Google ein
       Ehrenamt ist. Ich hatte andere Angebote, aber nein.
       
       8 Apr 2015
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Meike Laaff
 (DIR) Daniel Schulz
       
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