# taz.de -- Elterngeldpläne der Bundesregierung: Herdprämie für Männer
       
       > Familienministerin Prien hat strenge Sparvorgaben beim Elterngeld. Wie
       > sie damit umgeht, ist klug und nützt der Gleichstellung von Mann und
       > Frau.
       
 (IMG) Bild: Männern bliebe mehr Zeit, in der Vaterrolle anzukommen
       
       Es ist [1][nicht alles schlecht in dieser Bundesregierung]. Wie
       Familienministerin Karin Prien mit der Sparvorgabe fürs Elterngeld umgeht,
       ist zumindest okay. Im Detail ist zwar noch nicht klar, wie die
       CDU-Politikerin die Leistung umgestalten möchte. Zwei Eckpunkte lässt sie
       aber schon durchblicken, zuletzt [2][am Dienstag im Deutschlandfunk.] Im
       Zusammenspiel sind sie richtig.
       
       Erstens soll der Staat nicht mehr das volle Elterngeld zahlen, wenn sich
       ein Paar die Kinderbetreuung nicht annähernd gleich aufteilt. Bisher reicht
       es, wenn beide Partner*innen mindestens zwei Monate zu Hause bleiben.
       Das führt in der Praxis dazu, dass der Großteil der Väter wirklich nur für
       diese zwei Monate in Elternzeit geht, während sich die Mütter für ein Jahr
       oder länger in Vollzeit um den Nachwuchs kümmern.
       
       Hebt die Regierung die Mindestdauer an, könnte das Elterngeld endlich sein
       komplettes Gleichstellungspotenzial ausspielen: Frauen würden nach der
       Familiengründung schneller in den Job zurückkehren und seltener in
       Abhängigkeit von ihren Männern landen. Männern bliebe mehr Zeit, in der
       Vaterrolle anzukommen, ihre Babys selbstständig versorgen zu lernen und die
       Basis für eine gute Beziehung zum Kind zu legen. Natürlich stünde es Eltern
       frei, auf diese Vorteile zu verzichten. Dann müssten sie dafür eben auch
       selbst bezahlen.
       
       Zweitens will Prien das so gesparte Geld nicht nur einsetzen, um den
       Haushalt zu sanieren. Einen Teil davon will sie auch dafür verwenden, den
       Mindest- und den Höchstsatz des Elterngeldes zu erhöhen. Das ist schon in
       der Sache angebracht, weil die Beträge seit der Einführung der Leistung vor
       zwei Jahrzehnten nicht angepasst wurden. Die Kopplung strengerer Regeln an
       höhere Sätze ist aber auch politisch klug. Die Ministerin könnte sich damit
       den Rückhalt der Betroffenen sichern.
       
       ## Nicht nur als Haushaltsstopfer
       
       Wer umgekehrt das Richtige nicht macht, weil es richtig ist, sondern in
       erster Linie, um Haushaltslöcher zu stopfen, wird diesen Rückhalt nicht
       bekommen. Schlimmer noch: Er diskreditiert auch noch die vermeintliche
       Intention. Der Gleichstellung ist sicher nicht gedient, wenn die
       Bevölkerung sie nur als Vorwand für Entbehrungen wahrnimmt.
       
       In einem ganz anderen Feld hat so etwas einst die Ampelkoalition erlebt.
       Als sie sparen musste, strich sie Landwirt*innen die Dieselsubvention
       und begründete das mit deren klimaschädlicher Wirkung. Damit brachte sie
       die Bauern gegen sich auf und den Klimaschutz weiter in Verruf. Hätte sie
       stattdessen einen Teil des Geldes in Fördertöpfe von E-Treckern gesteckt –
       vielleicht wäre die Geschichte anders verlaufen.
       
       26 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Sparplaene-beim-Elterngeld/!6175637
 (DIR) [2] https://www.deutschlandfunk.de/sparen-bei-familien-und-bildung-interview-karin-prien-cdu-bundesministerin-100.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Tobias Schulze
       
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