# taz.de -- Geplante Kürzungen beim Elterngeld: Die E-Auto-Prämie für Familien
> Die Bundesregierung will das Elterngeld kürzen. Besser sollte sie es ganz
> abschaffen – der Staat sollte Familien anders fördern.
(IMG) Bild: Gender-Pay-Gap überwinden, Mindestlohn erhöhen, Mehrwertsteuer senken, Mieten deckeln: Vieles wäre sinnvoller als Elterngeld
Die Bundesregierung will beim [1][Elterngeld 500 Millionen Euro einsparen].
Der einfachste Weg wäre, Abtreibungen zu erlauben und Verhütung zur
Kassenleistung zu machen. Kinder sind teurer als Kondome.
Noch besser wäre, das Elterngeld ganz abzuschaffen. Es ist rückwärtsgewandt
und antifeministisch. Seit 2007 zahlt der Staat Eltern ungefähr 65 Prozent
ihres letzten Einkommens, wenn sie ihre Lohnarbeit einstellen oder
reduzieren, um Kinder aufzuziehen. Das ist eine ehrenwerte Aufgabe, keine
Frage! Warum aber wird dafür Geld bezahlt und nicht fürs Kümmern um den
alten Nachbarn oder die kranke Freundin?
Das Elterngeld fördert weniger Fürsorge in Familien, als viel mehr
Familialismus – also altmodische und hierarchische Formen des
Zusammenlebens. Hinter der staatlichen Zahlung steht eine natalistische
Ideologie, die zum Ziel hat, [2][den „Volkskörper“ zu reproduzieren].
Nachdem sie kurz angestiegen ist, sinkt die Geburtenrate seit Jahren und
ist aktuell auf dem niedrigsten Stand seit 1946.
Verkauft wurde das Ganze als Feminismus: Die Förderung sollte zu einer
gerechteren Verteilung der Care-Arbeit führen. Hat sie insgesamt aber
nicht. Bei den meisten Heteropaaren beziehen die Frauen viel länger
Elterngeld als die Männer. Die Prämie verfestigt aktuell also eher den
Anreiz für Mütter, am Herd zu bleiben. Damit einher geht finanzielle
Abhängigkeit von einem Mann, ein Risiko für [3][häusliche Gewalt],
Einsamkeit, Altersarmut und so weiter. Würde es der Politik wirklich um das
Wohl von Müttern gehen, würde sie diese Probleme endlich ernsthaft angehen.
## Klientelpolitik statt echte Unterstützung
Dieser Elternzeit-Gap gilt übrigens auch für progressive Heteropaare. Viele
könnten es sich schlicht nicht leisten, länger auf das – meist immer noch
höhere – Einkommen des Mannes zu verzichten. Elternzeit geschlechtergerecht
aufteilen zu können, ist aktuell ein Privileg von Besserverdienern. Das
Elterngeld ist letztlich wie die E-Auto-Prämie: Klientelpolitik für eine
bestimmte Schicht.
Wollte man Frauen und Familien unterstützen, die es wirklich brauchen,
müssten unter anderem der [4][Gender-Pay-Gap] überwunden, der Mindestlohn
erhöht, die Mehrwertsteuer gesenkt und die Mieten gedeckelt werden. Kitas
müssten überall kostenlos sein, mehr Personal haben und längere
Öffnungszeiten. Von einer menschenwürdigen Grundsicherung oder gar einem
Grundeinkommen ganz zu schweigen.
Alleinerziehende – zu 80 Prozent Frauen – sollten auf unbürokratische Art
staatliche Unterhaltsvorschüsse erhalten, wenn Väter nicht zahlen, und der
Staat sollte dieses Geld endlich ernsthaft eintreiben – allein damit
könnten [5][2 bis 3 Milliarden Euro] gespart und umverteilt werden. Doch
all das ist unter dieser Regierung leider extrem unwahrscheinlich.
20 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Lotte Laloire
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