# taz.de -- Debatten um Bundeshaushalt: Koalition ringt um Kürzung des Elterngeldes
       
       > Wegen des Haushaltsloches soll auch beim Elterngeld gespart werden. Nach
       > massiver Kritik aus den eigenen Reihen sucht die Koalition einen
       > Kompromiss.
       
 (IMG) Bild: Und wer kümmert sich?
       
       Noch vor einem Jahr sprach Schwarz-Rot in seinem Koalitionsvertrag von
       Erhöhungen des Elterngeldes. Heute klingt das wie aus einer anderen Zeit.
       Denn wegen des Sparzwangs soll auch bei der Lohnersatzleistung für junge
       Familien der Rotstift angelegt werden, trotz parteiübergreifender Kritik.
       Der Druck auf Familienministerin Karin Prien (CDU) und Finanzminister Lars
       Klingbeil (SPD) für die anstehenden Haushaltsverhandlungen wächst. Sie
       müssen klären, wie viel nun Elterngeld gekürzt wird, wen das betrifft und –
       ob es vielleicht doch noch andere Optionen gibt.
       
       „Hände weg vom Elterngeld“, forderte der Sozialverband VdK am Sonntag.
       „Dass das Elterngeld seit fast 20 Jahren nicht an die Inflation angepasst
       wurde und nun auch noch Kürzungen diskutiert werden, ist das falsche Signal
       zur falschen Zeit“, sagte dessen Präsidentin Verena Bentele. Mit der
       Einschätzung steht der Sozialverband nicht allein da.
       
       Auch in Teilen der Union und SPD hat man sich in den letzten Tagen
       [1][gegen Elterngeldkürzungen] positioniert. „Familienpolitik darf kein
       Steinbruch für kurzfristige Haushaltskonsolidierung sein, sondern muss
       verlässlich und planbar bleiben“, sagte Dagmar Schmidt,
       SPD-Vizefraktionschefin, dem Spiegel. Pauschale Kürzungen müssten auf jeden
       Fall vermieden werden. Und auch der Chef der Jungen Union, Johannes Winkel,
       sieht in den Kürzungen nicht weniger als „eine konsequente Benachteiligung“
       der jüngeren Generation im Vergleich zu Renter:innen.
       
       ## Elterngeld seit 2007 nicht erhöht
       
       Seit fast 20 Jahren gibt es das Elterngeld in Deutschland. Eingeführt wurde
       es damals, um [2][insbesondere Akademiker:innen dazu zu bewegen], mehr
       Kinder zu bekommen. Durch die Lohnersatzzahlung bekommen Mütter oder Väter
       in Elternzeit im Regelfall 65 Prozent ihres Nettoeinkommens für mindestens
       12 Monate. Wenn beide Elternteile mindestens zwei Monate Elternzeit nehmen,
       dann sogar für 14 Monate. Der Mindestbetrag von 300 Euro und der
       Höchstbetrag von 1.800 Euro sind dabei seit der Einführung 2007
       unverändert.
       
       Mit Blick auf die Haushaltsaufstellung 2027 ist die Leistung für junge
       Familien ins Zentrum der Reformdebatte gerückt. Denn dass gespart werden
       muss – auch bei familienpolitischen Leistungen –, hat das Kabinett bereits
       beschlossen. 540 Millionen Euro im Ressort Familie, wenn es nach dem
       Finanzminister geht. Am ehesten scheint das machbar beim Elterngeld, dem
       mit 7,5 Milliarden Euro größten Einzelposten im Ressort. Die Frage ist nur,
       wo und wie viel insgesamt. Das müssen nun ebenfalls Minister:innen der
       Union und SPD, in Person von Prien und Klingbeil, klären.
       
       ## Spahn: „Können absehbar nicht erhöhen“
       
       Trotz der Sparzwänge hat Familienministerin Karin Prien am Dienstag
       weiterhin auf Erhöhungen gedrungen: „Ich würde bei den Mindest- und
       Höchstbeträgen eher darüber nachdenken, noch mal ein Stück weit nach oben
       zu gehen, so wie es ja versprochen war“, sagte Prien im Deutschlandfunk.
       Eine Senkung der derzeitigen Einkommensgrenze von 175.000 Euro, über
       welcher Paare kein Elterngeld erhalten, lehnt Prien ab.
       
       Stellschrauben für Einsparungen sieht die Familienministerin bei der
       Bezugsdauer – und der partnerschaftlichen Aufteilung. Diese ist in
       Deutschland sehr ungleich; von der Hälfte der Männer, die überhaupt
       Elternzeit in Anspruch nehmen, nehmen drei Viertel lediglich die [3][zwei
       sogenannten Partnermonate]. Künftig müsse es für Männer und Frauen
       gleichermaßen attraktiv sein, Elterngeld zu beziehen, findet Prien. „Mir
       wäre auch sehr daran gelegen, die Partnerschaftlichkeit hier auszubauen“,
       sagte Prien.
       
       Von Unionsraktionschef Jens Spahn kamen am Pfingstwochenende andere
       Signale: „Staatliche Leistungen wie Bürgergeld, Wohngeld, Elterngeld, Bafög
       werden wir absehbar nicht erhöhen können, in manchen Bereichen müssen wir
       sparen – jedenfalls solange wir kein Wachstum haben“, sagte der
       CDU-Politiker dem Münchner Merkur.
       
       Anstatt pauschaler Absagen oder einzelner Stellschrauben forderten andere
       wiederum weitreichendere Reformen, um Haushaltslücken zu konsolidieren. So
       forderte JU-Chef Winkel etwa eine Begrenzung des Anstiegs von
       Beamtenpensionen statt der Kürzungen beim Elterngeld.
       
       Und Steffen Krach, SPD-Bürgermeisterkandidat in Berlin, will über den
       Tellerrand der Sozialpolitik schauen: „Ich weiß wirklich nicht, wie ich es
       jemandem erklären soll, dass Deutschland gerade 300 Millionen Euro für die
       Senkung der Flugticketsteuer hat, aber keine 300 Millionen für Eltern und
       Kinder“, sagte Krach dem Spiegel. Die Frage, ob Subventionskürzungen dem
       Sparzwang der Regierung einen Ausweg verschaffen könnten, wird derzeit etwa
       auch bei der Gegenfinanzierung der Steuerreform diskutiert – [4][da zeigte
       sich Jens Spahn durchaus aufgeschlossen.]
       
       26 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Sparplaene-beim-Elterngeld/!6175637
 (DIR) [2] /Debatte-Zehn-Jahre-Elterngeld/!5368592
 (DIR) [3] /Maenner-und-Gleichstellung/!5973170
 (DIR) [4] /Pauschale-Subventionskuerzungen/!6178575
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Amelie Sittenauer
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Haushalt
 (DIR) Elterngeld
 (DIR) Sozialkürzungen
 (DIR) Karin Prien
 (DIR) Lars Klingbeil
 (DIR) Gleichberechtigung
 (DIR) Care-Arbeit
 (DIR) GNS
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Bafög
 (DIR) Karin Prien
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Subventionen
 (DIR) Männer
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Ministerin Bär gegen Bafög-Erhöhung: „Es wird kein Vollkaskostudium geben“
       
       Forschungsministerin Dorothee Bär erwartet doch keine schnelle Bafög-Reform
       mehr. Studierende sollen lieber „jobben“ gehen. Nur: tun die meisten
       bereits.
       
 (DIR) Elterngeldpläne der Bundesregierung: Herdprämie für Männer
       
       Familienministerin Prien hat strenge Sparvorgaben beim Elterngeld. Wie sie
       damit umgeht, ist klug und nützt der Gleichstellung von Mann und Frau.
       
 (DIR) Sparpläne beim Elterngeld: Nicht jede Kürzung ist ein Skandal
       
       Die Bundesregierung will beim Elterngeld sparen. Sie sollte die Kürzungen
       nutzen, um das Elterngeld gerechter und feministischer zu gestalten.
       
 (DIR) Pauschale Subventionskürzungen: Diese Uralt-Idee war noch nie gut
       
       Jens Spahn will Subventionen pauschal um fünf Prozent kürzen. An
       politischer Gestaltung scheint er kein Interesse zu haben.
       
 (DIR) Männer und Gleichstellung: Vätermonate sind wertvoll
       
       Viele Männer befürworten Gleichstellung, fühlen sich von der Politik aber
       vernachlässigt. Das zeigt eine Studie des Soziologen Carsten Wippermann.